Die Eifeler Atelier-Tage boten wieder erstaunliche Einblicke in insgesamt 38 Arbeitsstätten der Kunstschaffenden.
Eifeler Atelier-TageDie Kunst im Kreis Euskirchen steckt voller Überraschungen

Aus Verzweiflung über den Beginn des Ukraine-Krieges verbrannte Matthias Hürten einige seiner Bilder. Die Reste nutzte er für einen Neuanfang.
Copyright: Stefan Lieser
38 Künstler haben im Rahmen der Eifeler Atelier-Tage ihre Arbeitsräume geöffnet. Viele von ihnen hatten dazu auch Gäste eingeladen, so dass deutlich mehr Kunstschaffende beteiligt waren und es für die Besucher auch im Kreisgebiet eine Menge zu entdecken gab.
Renate Dübler aus Flamersheim weiß, wie erfüllend das Künstlerdasein ist
Bei Renate Dübler in Flamersheim etwa. Sie wirkt bescheiden, wenn sie neben der Staffelei mit ihrem jüngsten Bild steht: Ein Ölgemälde zeigt Burg Ringsheim im Spätsommer. Ein Burgen-Motiv, das es im Kreisgebiet gerade rund um Euskirchen immer wieder zu finden gibt. Nichts Spektakuläres, eine realistische Ansicht.

Renate Dübler aus Flamersheim will mit ihren Bildern keine Welt erklären. Sie malt das, was sie in der Umgebung an Motiven findet.
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„Ich male seit meiner Kindheit. Es hat mich immer interessiert“, sagt Dübler. Und es mache ihr Freude, wenn ihre Bilder auch anderen gefallen. So einfach ist das dann mit dem Künstlerdasein – und so erfüllend für Renate Dübler. Ja, sagt sie beim Besuch anlässlich der Eifeler Atelier-Tage (EAT): Man müsse nicht lange suchen, um Themen und Motive zu finden: „Die entdecke ich in der Umgebung. Und wie schön ist es, die Jahreszeiten zu malen.“
Birgit Sommer aus Euskirchen spielt mit der Schwerkraft
So beginnt eine Rundreise zu fünf der 38 Ateliers, die für die Besucher geöffnet waren. Birgit Sommer trifft man in ihrem Atelier in einer ehemaligen Pappenfabrik bei Euskirchen, genauer nahe der einstigen Tomberger Mühle. Sommer macht kinetische Kunst, Konzeptkunst. Sie denkt nach, reflektiert das, was sie gestalten will. Einfach ist das nicht: Wie eine große Glücksdrehscheibe wirkt ein Rundrelief am Fenster.

Aus Verpackung und Inhalt von Überraschungseiern besteht dieses Rundrelief von Birgit Sommer aus Euskirchen.
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Es besteht aus lauter Hüllen und Inhalten der Überraschungseier. Sommer hat alles weiß gefärbt und dann auf der Scheibe collagiert. Dabei sind aber nicht alle Teile dieses Wimmelbildes perfekt befestigt. Manches ist eher locker, durch die Schwerkraft klackert und klickert es aus dem Rundbild leise. Ein Relief in Bewegung.
„Seelenwesen“ aus Draht sind eine Serie, die Sommer als Mikroorganismen bezeichnet. Sie seien ausgestattet mit einem Sender und einem Empfänger. Diese Wesen sollen in eine Art Austausch mit dem Betrachter treten können, der sie mit Bedeutung auflädt. Hier wird Kunst als Medium zum Dialog.
Für Matthias Hürten aus Eschweiler ist die Verbrennung ein Neuanfang
So abstrakt würde Matthias Hürten in Eschweiler seinen Kunstansatz vermutlich nicht beschreiben. Eher sind seine jüngsten Arbeiten Ergebnis eines sehr realen Schocks. Als Russland den Krieg in der Ukraine begonnen hat, habe er ein tiefgehendes Gefühl der Verzweiflung und Ohnmacht gespürt, so Hürten. „Ich habe dann eine ganze Reihe meiner Arbeiten verbrannt“, berichtet Hürten. Eine Art künstlerisches Autodafé war das.
Die verkohlten Reste aus Leinwänden, Rahmen und Farbe aber nutzte er zugleich für einen Neuanfang. Er hat sie in neuen Bildern eingearbeitet. Über die Verbrennungsaktion gibt es ein Video auf seinem Youtube-Kanal: „Weltenbrand“.
In die Welt der Bärtierchen taucht Stefan Garbes aus Nettersheim ein
So verzweifelt war Stefan Garbes in Nettersheim nicht, obwohl auch er Grund zu Pessimismus gehabt hätte. Grabes steht im Keller seines Wohnhauses am Genfbach. Auch dieser Raum wurde bei der Flutkatastrophe 2021 geflutet. Jetzt ist er renoviert. Garbes zeigt sein Bild eines Bärtierchens. Dem weniger als einen Millimeter kleinen Urzeitlebewesens, das in Mooren zu Hause ist, hat er ein mittelformatiges Gemälde gewidmet.

Dem Bärtierchen widmet sich Stefan Garbes.
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Garbes strahlt: „Malen macht glücklich!“ Das ist seine Überzeugung. Und er ist auch deshalb bei den EAT, weil er die Idee gut findet: „Das ist eine wunderbare Plattform, um sich zu präsentieren, andere Künstler kennenzulernen und sich auszutauschen.“
Sein Bärtierchen und die meisten anderen Werke, die an den Wänden zu sehen sind, hat Garbes in Tempera-Technik aus Leinöl, Ei, Wasser und Pigmenten gemalt. Das sei so was von nachhaltig, sagt er. Und es gebe noch einen Vorteil: „Tempera trocknet sehr langsam, das bietet mir die Möglichkeit zu Korrekturen.“ Mal mit dem Drahtschwamm, mal mit den Händen, mal mit dem Spachtel kann er seine Bilder weiterentwickeln, selbst wenn die Pinselarbeit schon getan ist. Auch Stefan Garbes hat sich am Wochenende über zahlreiche Atelierbesucher gefreut.
Sylvia Eder aus Kall braucht nicht unbedingt einen Pinsel
Und wer nach Kall zu Sylvia Eder kam, der konnte von einer besonderen Entstehungsgeschichte an einem Malnachmittag am Rursee-Ufer hören. „Als ich am Ufer saß und mein Malpapier auspackte, stellte ich fest, dass ich die Pinsel vergessen hatte“, so Eder.

Sylvia Eder hat diese Ansicht vom Rursee mit einem groben Grashalm gemalt. Der ist unter dem Motiv aufgeklebt.
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Also machte sie aus der Not eine Tugend und griff ersatzweise zu einem abgezupften Stil eines gröberen Grases, das am Ufer wuchs. Das Bild vom Rursee wirkt so seltsam grob gemalt, mit Leerstellen, eben ganz dem Zufallsmalgerät geschuldet, das keinen gleichmäßig dichten Farbauftrag erlaubt.
Für Eder sind seitdem Pinsel nicht mehr alles. Es kann auch mal ein grobes Gras oder ein Holzstück sein. Dies ist eine der überraschenden Erkenntnisse, die die Eifeler Atelier-Tage auch dieses Mal wieder geboten haben.

