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Farbenfrohe WerkeEuskirchener Künstlerin Silvia Decker lässt ihre Bilder sprechen

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Eine Frau mit lockigen Haaren steht an einem Tisch mit Farben und Sprühdosen in einem Atelier.

Künstlerin Silvia Decker lässt vor allem gerne ihre farbenfrohe Bilder sprechen.

Für Silvia Decker ist ihr Atelier mehr als ein Arbeitsplatz. In ihren Werken verarbeitet neben Acrylfarbe auch Holzreste, Fundstücke oder Aufkleber.

Wer das Atelier von Silvia Decker betritt, braucht einen Moment, um alles zu erfassen. An den Wänden hängen großformatige, farbgewaltige Bilder. Dazwischen stehen alte Koffer, ein Radio aus Familienbesitz, ein ausrangiertes Stoppschild, Leitern, Sessel und Möbel mit Geschichte. Nichts ist geschniegelt bis ins Detail. Und genau so soll es sein.

„Ich mag es nicht, wenn alles perfekt und clean aussieht. Ich liebe Dinge, die schon ein Leben hinter sich haben“, sagt die Euskirchenerin. Ihr Atelier im Office Park an der Thomas-Eßer-Straße ist mehr als ein Arbeitsplatz. Es ist ein Stück Biografie. Doch dieser Ort ist inzwischen auch ein ständiger Balanceakt.

Auf einem roten Schild mit der Aufschrift Stop sind das o und das p mit einem Aufkleber überklebt, auf den art steht.

Stop oder Start – das ist die Frage.

Das Bild zeigt die Silhouetten von drei Raubkatzen und ist sehr bunt gestaltet.

Die Werke von Künstlerin Silvia Decker aus Euskichen sind meist sehr farbgewaltig.

Neben ihrer eigenen Arbeit finden hier Workshops oder Schulungen statt. Außerdem wird der Raum für Hochzeiten, Geburtstage oder Trauerfeiern vermietet – oder für Events des Restaurants „Heimat“. Die Einnahmen sind nett, kosten aber auch Freiheit. Immer wieder müssen Farben verschwinden, Leinwände an die Seite geräumt und Möbel umgestellt werden.

Um flexibel zu sein, stehen viele Möbel auf Rollen

„Manchmal frage ich mich schon, ob das überhaupt noch mein Atelier ist oder ob daraus langsam ein Gastronomiebetrieb wird“, sagt sie und lacht. Ganz scherzhaft ist dieser Satz allerdings nicht gemeint.

Damit der Raum möglichst flexibel bleibt, hat sie viele Möbel auf Rollen gestellt. Trotzdem bleibt das Gefühl, ständig Kompromisse eingehen zu müssen. Und ob sie das noch lange machen will, lässt die 51-Jährige bewusst offen. Das Atelier hatte sie ursprünglich auch gewählt, um ihrem damaligen Lebensmittelpunkt näher zu sein. „Ich habe mir gesagt: Ich gebe mir dieses Jahr Zeit. Dann entscheide ich, ob ich bleibe oder etwas Neues beginne“, so Decker.

Das Foto zeigt zahlreiche Malpinsel in Bechern oder Töpfen und ein Sprühgerät.

Überall im Atelier stehen Malutensilien.

Zu sehen sind grüne Kartons, zwei alte Radios, Töpfe mit Pflanzen, Figuren und vieles mehr.

Bilder, Deko und ganz viel Kunst sind zu sehen.

Wer die Euskirchenerin beim Malen beobachtet, wird kaum Skizzen oder detaillierte Entwürfe entdecken. Sie beginnt einfach. Ein Lied. Ein Satz. Ein Gedanke. Ein Spruch auf einem Aufkleber. Mehr braucht es oft nicht. „Ich male, ohne vorher zu wissen, was am Ende auf der Leinwand sein wird. Ich schalte den Kopf aus.“ Genau darin liegt für sie die größte Freiheit.

Bilder entwickeln sich während des Malprozesses

Früher arbeitete sie strukturierter. Heute lässt sie ihre Gefühle entscheiden. Ihre Bilder entstehen intuitiv und entwickeln sich während des Malprozesses. Nicht selten erkennt sie ihre eigentliche Botschaft erst Wochen oder Monate später. Für die Künstlerin ist das Malen deshalb weit mehr als ein Hobby oder Beruf. Es ist Verarbeitung: „Wenn ich längere Zeit nicht male, fehlt mir etwas. Dann merke ich richtig, dass ich etwas loswerden muss.“

Ihre Werke erzählen von Erlebnissen, Veränderungen und inneren Prozessen. Immer wieder taucht darin ein Löwe auf – für Außenstehende vielleicht nur ein Motiv, für sie selbst jedoch ein Symbol ihrer eigenen Entwicklung, ein Symbol ihrer eigenen Geschichte.

Auf einer Farbdose steht der Spruch: „Spread Love not Fear“.

Eine Farbdose mit Aussage.

Eine Geschichte, die durchaus analysiert und stetig verarbeitet wird. Irgendwann befreite sich der Löwe auf ihren Leinwänden nämlich aus seinem Käfig. „Das habe ich erst hinterher verstanden. Das Bild hat mir eigentlich erzählt, dass ich mich selbst befreit habe.“ Silvia Deckers Bilder sind groß, laut und farbenfroh. Besonders eine Farbe kehrt immer wieder zurück: Pink. „Das ist einfach meine Farbe“, sagt sie und lacht: „Wenn ich ein ruhiges oder blasses Bild male, hält das meistens nicht lange. Irgendwann muss wieder Farbe drauf.“

Dabei verarbeitet sie nicht nur Acrylfarbe. Holzreste, Geschenkpapier, Fundstücke oder Aufkleber finden ihren Weg auf die Leinwand. Die Euskirchenerin malt schon seit Jahrzehnten. Trotzdem fällt ihr eine Bezeichnung bis heute schwer. „Ich habe immer gesagt: Ich bin kreativ. Das Wort Künstlerin auszusprechen, fällt mir unglaublich schwer“, so Decker.

Workshops, Ausprobieren und jahrelange Erfahrung

Eine klassische Kunstausbildung hat sie nie absolviert. Vieles hat sie sich selbst beigebracht, durch Workshops, Ausprobieren und jahrelange Erfahrung. Geprägt wurde sie außerdem durch ihre Ausbildung zur Dekorateurin. Noch heute arbeitet sie gerne mit Werkzeugen, baut Möbel um oder gestaltet Räume.

Ihre Bilder wirken dabei oft völlig gegensätzlich zu ihrer Persönlichkeit. „Ich bin eigentlich eher leise und stehe lieber im Hintergrund. Meine Bilder übernehmen das Reden.“ Von ihrer Kunst leben kann Silvia Decker nicht. Und genau darin sieht sie inzwischen einen großen Vorteil.„Ich empfinde das als Luxus. Ich muss nichts malen, weil es sich verkauft. Ich male das, was gerade aus mir herauskommt.“

Viele Werke würde sie ohnehin nie abgeben. Sie sind ihr schlicht zu persönlich geworden. Verkaufsdruck kennt sie deshalb kaum – und genau das bewahrt ihre künstlerische Freiheit. Mit ihrer Heimat verbindet Silvia Decker eine ähnlich widersprüchliche Beziehung wie mit ihrem Atelier. „Euskirchen ist vielleicht nicht die schönste Stadt. Aber sie ist meine Heimat.“ Hier leben Familie und Freunde. Hier kennt sie die Menschen. Wegziehen? Für sie kaum vorstellbar.

Silvia Decker lässt Entwicklungen auf sich zukommen

Auch im Gastronomiebetrieb „Heimat“, der sich im Office Park befindet, hat sie über Jahre gestalterisch mitgewirkt. Anfangs eher zufällig, später immer intensiver. Heute zieht sie bewusst Grenzen. „Früher habe ich überall mitgedacht. Heute weiß ich, dass ich auch Nein sagen darf.“

Es ist eine Erkenntnis, die auch zu ihrer aktuellen Lebensphase passt. Die 51 Jahre alte Frau aus Euskirchen beschreibt sich im Redaktionsgespräch als jemanden, der gerade vieles neu sortiert. Sie plant nicht mehr weit voraus, sondern lässt Entwicklungen auf sich zukommen. Ob sie ihr Atelier behält, weiß sie zurzeit noch nicht. Was allerdings bleiben wird, ist ihre Art, sich auszudrücken.

Denn während Silvia Decker selbst eher leise auftritt, sprechen ihre Bilder umso lauter. Sie erzählen von Stärke, Zweifeln, Aufbrüchen und Hoffnung. Und manchmal wissen sie sogar früher als ihre Schöpferin, wohin der Weg als Nächstes führt.