Wie die Kirche in Flamersheim, so haben auch die Glocken eine bewegte Geschichte. Eine war sogar 1942 schon auf dem Glockenfriedhof in Hamburg.
Vier Monate geschlossenSchwammbefall macht Millionen-Sanierung an Flamersheimer Kirche nötig

Die katholische Kirche in Flamersheim wird komplett saniert. 2,5 Millionen Euro fließen in das Gotteshaus. Unter anderem wird die Glocke in den Niederlanden wieder feingemacht.
Copyright: Tom Steinicke
Der Turm der katholischen Kirche in Flamersheim hat gerade etwas vom verhüllten Reichstag im Jahr 1995. Der Grund für die Christo-ähnliche Verpackung der Kirche aus dem Jahr 1058: Sie wird in den kommenden vier Monaten umfassend saniert. Auslöser der Großbaustelle ist nach Angaben von Kirchenvorstand Gertrud Klanke ein Schwammbefall im historischen Dachstuhl, der bei einer Routinewartung der Glocken entdeckt wurde.
Hinzu kommen Schäden durch gestohlene Kupferabdeckungen am Dach sowie weitere restaurierungsbedürftige Bereiche im Innenraum. Insgesamt investiert die Kirchengemeinde rund 2,5 Millionen Euro in die Generalsanierung des denkmalgeschützten Gotteshauses.
Schwammbefall in der Kirche nur zufällig entdeckt
Der Schwammbefall sei eher zufällig entdeckt worden, berichtet Klanke. Fachleute, die die Glockenanlage überprüften, stießen bei der Begehung des Dachstuhls auf die Schäden. Kurz zuvor hatte sich bereits gezeigt, dass nach Starkregen Wasser in die Kirche eindrang. Ursache waren gestohlene Kupferabdeckungen auf dem Dach. Im Zuge der weiteren Untersuchungen wurden zudem Holzwurmschäden am Fußboden eines historischen Beichtstuhls festgestellt.
Die Arbeiten betreffen nahezu das gesamte Gebäude. Die historischen Buntglasfenster werden vollständig restauriert. Beschädigte Scheiben werden ersetzt, Rahmen gereinigt, Rost entfernt und die Fenster anschließend wieder abgedichtet. Auch sämtliche Figuren im Kirchenraum werden von Restauratoren gereinigt und – wo erforderlich – instandgesetzt. Der Innenraum des alten Kirchenschiffs erhält einen neuen Anstrich. Gleiches gilt für die Außenflächen. Die später angebauten Betonflächen bleiben unverändert.
Ein großflächiges Gerüst reicht bis unter das Dach
Die Kirchenbänke wurden bereits teilweise ausgebaut und zum Schutz verpackt, während die Orgel in einer eigens errichteten Einhausung vor Staub und Beschädigungen geschützt wird. Ein großflächiges Gerüst, das bis unter das Dach reicht, ist wegen der Höhe des Gebäudes erforderlich und zählt zu den größten Kostenpunkten der Maßnahme.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der rund 500 Jahre alten und größten Glocke der Kirche. Sie überstand den Zweiten Weltkrieg, weil sie nicht als Rohstoff für den Krieg genutzt werden konnte. Anders als die beiden anderen Glocken der Flamersheimer Kirche. Eine war sogar schon auf dem Glockenfriedhof. „Wie unsere Kirche haben auch die Glocken eine interessante Geschichte“, so Klanke.

1942 wurde eine Glocke der Flamersheimer Kirche entnommen. Anschließend wurde sie nach Hamburg gebracht, um sie dort einzuschmelzen.
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Die katholische Kirche in Flamersheim wird komplett saniert. 2,5 Millionen Euro fließen in das Gotteshaus.
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Nun musste die Glocke aus Sicherheitsgründen ausgebaut werden. Die Glockenkrone, an der sie aufgehängt ist, war auf einer Seite bereits abgebrochen und auf der anderen eingerissen. Es bestand akute Absturzgefahr. Mit einem Spezialkran wurde die tonnenschwere Glocke aus dem Turm gehoben und in eine Fachwerkstatt nach Holland gebracht. Dort werden neben dem Glockenkörper auch ein neuer Klöppel und ein neues Glockenjoch aus massiver Eiche angefertigt.
Da der Klöppel über Jahrzehnte immer an derselben Stelle auftraf und die Glocke bereits mehrfach gedreht wurde, ist eine weitere Drehung nicht mehr möglich. Deshalb wird der beschädigte Bereich im Inneren aufwendig restauriert. Die Arbeiten sollen rund drei Monate dauern. Nach der Rückkehr ist eine feierliche Wiedereinsegnung mit Andacht geplant, bevor die Glocke wieder ihren Platz im Turm erhält.
Sanierung bringt der Kirchengemeinde erhebliche Einschränkungen
Finanziert wird die Generalsanierung über einen gemeinsamen Etat der größeren Pfarreistruktur. Bemerkenswert sei, dass der entsprechende Sanierungsantrag bereits vor elf Jahren gestellt wurde, so Klanke. „Die eigentlichen Bauarbeiten sollen etwa vier Monate dauern. Ob bis dahin sämtliche Arbeiten abgeschlossen sein werden, ist noch offen“, sagt das Kirchenvorstandsmitglied.
Für die Gemeinde bedeutet die Baustelle erhebliche Einschränkungen. Der letzte Gottesdienst vor Beginn der Arbeiten fand bereits statt. Unmittelbar danach begannen die Schutzmaßnahmen im Kirchenraum. Während der Bauzeit entfallen Gottesdienste in Flamersheim. In der Gemeinde trifft aber auf Unverständnis, dass ein geplanter Ausweichort in der Kapelle Niederkastenholz vom Pastoralteam nicht genehmigt wurde.
Als Begründung wurde angeführt, dass der Pfarrer dort während der Wandlung mit dem Rücken zur Gemeinde stehen müsste. Aus Sicht vieler Gemeindemitglieder wäre dies dennoch die bessere Lösung gewesen, zumal auch Fahrgemeinschaften für ältere Besucher organisiert worden wären. Andere Kirchen stehen derzeit ebenfalls nur eingeschränkt zur Verfügung.
An jedem Sonntag 60 bis 100 Kirchenbesucher in Flamersheim
Die Gemeinde gilt als sehr lebendig. Zwischen 60 und 100 Gläubige besuchen regelmäßig die Sonntagsgottesdienste. Eine Untersuchung bescheinigte der Kirche zudem ihre Erhaltenswürdigkeit.
Für langjährige Gemeindemitglieder ist die Sanierung mehr als ein Bauprojekt. Klanke schildert im Gespräch ihre enge persönliche Verbundenheit mit der Kirche. Fast 40 Jahre arbeitete sie als Pfarrsekretärin in Flamersheim und engagierte sich in verschiedenen kirchlichen Gremien. Bereits ihre Familie war eng mit der Kirche verbunden. „Sobald die Glocke ging, war ich in der Kirche“, erinnert sie sich. Gerade deshalb sei es ihr wichtig, dass das Gotteshaus auch für kommende Generationen erhalten bleibe.
An der Sanierung ist auch ein Flamersheimer Unternehmen beteiligt. Die Experten von Holzbau Kessel kümmern sich um den Dachstuhl der Kirche. „Sie waren bereits vor vielen Jahren an einer Sanierung beteiligt. Daher ist es toll, dass sie wieder dabei sind“, so Klanke.
Die Glocken in Flamersheim haben eine bewegte Geschichte
Die Glocken aus der katholischen Kirche in Flamersheim haben eine bewegte Geschichte hinter sich. Die Stephanusglocke, die 1751 öffentlich auf dem Marktplatz gegossen worden war, kam 1947 wieder nach Flamersheim zurück. Fünf Jahre zuvor war sie als „Rohstoff für den Krieg“ entnommen worden. Sie befand sich bereits auf dem Glockenfriedhof in Hamburg.
Die Marienglocke war nach dem Zweiten Weltkrieg nach Vernich ausgeliehen worden, weil die Gemeinde dort keine Läutwerk mehr hatte. Sie kam ebenfalls zwei Jahre nach dem Krieg wieder nach Flamersheim. Die größte Glocke aus Flamersheim (Inschrift: „Jhesus, Maria, Anna unde Sanctus Stephanus bin ich Benant“) aus dem Jahr 1526 wurde 1942 wegen ihrer Größe nicht aus der Kirche entnommen. Der Grund: Der Glockenturm sollte dafür nicht komplett zerstört werden.

