Der Pfarrer schuf ein Netzwerk für Bedürftige, förderte den Dialog von Christen und Muslimen und engagierte sich für die Segnung homosexueller Paare.
150 aus 150Franz Meurer ist für sein soziales Engagement in Köln bekannt

Pfarrer Franz Meurer bei seiner Abschiedsmesse in der Kirche St. Theodor.
Copyright: Martina Goyert
Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 117. Teil der Serie geht es um den Pfarrer Franz Meurer.
Bedeutung
Franz Meurer ist ein stadtbekannter katholischer Geistlicher mit hohem sozialem Engagement. Aufgewachsen in der Mülheimer Bruder-Klaus-Siedlung, besuchte er das Hölderlin-Gymnasium. Nach dem Studium von Sozialwissenschaften und Theologie erfolgte 1978 die Priesterweihe.
Franz Meurer
Geboren: 1. Oktober 1951 in Köln
Er war als Kaplan in St. Agnes in der Neustadt-Nord sowie in St. Kosmas und Damian in Pulheim tätig, dann als Jugendseelsorger im Rhein-Sieg-Kreis. Seit 1992 ist er Pfarrer der Gemeinde St. Theodor und St. Elisabeth in Vingst und Höhenberg. Am 1. Oktober 2026 tritt er mit Vollendung des 75. Lebensjahres in den Ruhestand.
Wirken in Köln
In den rechtsrheinischen Stadtteilen herrscht seit Jahrzehnten eine hohe Arbeitslosigkeit. Möglichst vielen Menschen zu helfen, war das Anliegen des engagierten Pfarrers. Meurer schaffte es, ein Netzwerk mit Hunderten von Ehrenamtlern aufzubauen. Er gründete eine Kleiderkammer für bedürftige Menschen. Fahrräder werden ebenfalls dort verteilt. Eine Lebensmittelausgabe und eine Gemeindewerkstatt gehören ebenso zum Netzwerk. Alle Ehrenamtler haben einen Schlüssel für die Kirche.
Das alljährliche Sommerferien-Camp „Hövi-Land“ für 500 Kinder und Jugendliche wurde von ihm durch unermüdliches Spendensammeln unterstützt. Laut Meurer „sind die Menschen nicht für die Kirche da, sondern die Kirche ist für die Menschen da“. Örtliches Engagement ist für ihn Ausdruck gelebter Demokratie. Er setzte sich für den interreligiösen Dialog von Christen und Muslimen ein. Für den Bau der Großmoschee in Ehrenfeld sammelte er Geld bei einer sonntäglichen Kollekte.
Meurer kümmerte sich um vieles vor Ort, sogar um Automaten für Kondome und solche für Einmalspritzen für Drogenabhängige. Kirchenintern übte er bisweilen Kritik. Aber lieber handelte er. So lud er gegen das Kirchenrecht seine Gemeindereferentin zur Predigt ein und engagierte sich für die Segnung homosexueller Paare.
Bemerkenswert
Meurer ist Buchautor und gilt als sehr belesen sowie zitierfest. Er ist einer der Sprecher der Radioandacht bei WDR 2. Eine besondere Vorliebe hat er für das Verschenken von Blumen.
Spuren in der Stadt
2002 verlieh ein Bürgerkomitee Meurer die erste Alternative Ehrenbürgerschaft Kölns.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
