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OrtsbegehungFlamersheim ist für Fußgänger ein gefährliches Pflaster

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In einer Gruppe von Menschen geht eine Frau, die mit einer Seite ihres Kinderwagens auf die Fahrbahn ausweichen muss, weil der Gehweg zu schmal ist.

Für Kinderwagen, Rollstühle und Rollatoren sind die Gehwege in Flamersheim an vielen Stellen zu eng, wie hier in der Horchheimer Straße.

Euskirchen nimmt am Fußverkehrs-Check NRW teil. Flamersheim wurde, wie zuvor die Kernstadt, für einen Rundgang mit der Bevölkerung ausgesucht.

Tag für Tag rollen Tausende Fahrzeuge durch die Flamersheimer Ortsmitte. Viele Gehwege sind zu schmal, manche nur handtuchbreit, so dass man mit Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl gezwungen ist, auf die Fahrbahn auszuweichen. Es fehlt an Querungshilfen, an den stark frequentierten Kreuzungen ist die Übersicht schlecht. Kurzum: In Flamersheim zu Fuß zu gehen ist an etlichen Stellen gefährlich.

Dementsprechend lang war die Liste, als das Planungsbüro Via in einem Workshop Anfang Juni Einheimische um Verbesserungsvorschläge bat. Das Kölner Büro organisiert für die Stadt Euskirchen den Fußverkehrs-Check (FVC) NRW 2026, ein Angebot des Landes und des Zukunftsnetzes Mobilität NRW. 41 Kommunen hatten sich um die Teilnahme beworben, Euskirchen und elf weitere erhielten den Zuschlag.

Der Fußverkehr soll sicherer und barrierearm werden

Das Ziel besteht darin, Wege für den Fußverkehr sicherer, attraktiver und barrierearm zu gestalten. Das Büro Via wird die Ideen aus der Bürgerschaft sammeln und am Ende des Checks der Stadt entsprechende Empfehlungen aussprechen. Sie sollen mit dem Radkonzept und dem Mobilitätskonzept unter einen Hut gebracht werden, die der Rat bereits verabschiedet hat.

Bei FVC werden die Menschen auch vor Ort eingebunden, und zwar in Form von Begehungen. Nach einem Rundgang durch Teile der Euskirchener Innenstadt war Flamersheim nun als zweite Station an der Reihe.

Wir sehen Ihren Frust.
Andrea Fromberg, Planungsbüro Via

„Wir sehen Ihren Frust“, wandte sich Andrea Fromberg vom Büro Via an die Bürgerinnen und Bürger, die sich mit Vertretern der Stadtverwaltung und der Ratsfraktionen auf den Weg durch den Ort gemacht hatten. Damit spielte Fromberg auf den Umstand an, dass bei der Stadt schon vor mehr als 40 Jahren die ersten Eingaben aus der Bevölkerung eingegangen waren, ohne dass sich seither Entscheidendes geändert hat.

Dies hängt zum Teil mit den baulichen Gegebenheiten zusammen. Die Horchheimer Straße ist eben sehr eng – wegen der Wohngebäude auf beiden Seiten und auch wegen der historischen Burgmauer. Dass die Straße an mehreren Stellen einen Bogen beschreibt, macht die Sache noch schwieriger, denn dort ist die Übersicht eingeschränkt. Im Abschnitt zwischen Mönchstraße und Pützgasse ist die Horchheimer Straße besonders schmal. Ihre 85-jährige Tante, erzählte eine Teilnehmerin, renne hier „mit ihrem Rollator wie bekloppt“, um den Engpass möglichst schnell hinter sich zu lassen.

Fromberg hält Wexel ein Mikrofon vor den Mund.

Andrea Fromberg vom Planungsbüro Via interviewte Grundschulleiter Sebastian Wexel.

Ein Teilnehmer, der zwischen zwei geparkten Autos steht, hält sich den Apparat vor die Augen.

Mit einem Tiefsehrohr konnten Erwachsene sich in die Lage von Kindern beim Überqueren der Straße versetzen.

Ein anderer neuralgischer Punkt ist die Kreuzung, an der Horchheimer Straße, Große Höhle, Ringsheimer Weg und Fasanenstraße zusammentreffen. In unmittelbarer Nähe liegt eine Kita, die Grundschule ist nicht weit entfernt. Und doch existiert noch nicht einmal eine Querungshilfe. „Oft ist es schwer, hier auf die andere Seite zu kommen“, sagte ein Kind.

Das könnte sich ändern. Andrea Fromberg präsentierte einen Vorentwurf der Stadtverwaltung, der einen Zebrastreifen vorsieht. „Man könnte aber auch überlegen, auf allen vier Seiten der Kreuzung Zebrastreifen anzulegen“, sagte die Expertin und ging noch weiter: „Wir werden der Stadt empfehlen zu prüfen, ob sogar ein Kreisverkehr möglich ist.“

Eine Gruppe von Menschen steht am Straßenrand, Autos fahren an ihnen vorbei.

An der Horchheimer Straße wurde besonders deutlich, wie viel Vekehr täglich durch Flamersheim rollt.

Ein Kreisel würde den motorisierten Verkehr auf dem Ringsheimer Weg bremsen, einer Straße, die als „Einflugschneise“ aus Richtung der Burg Ringsheim beschrieben wurde. Auch eine Fahrbahnverschwenkung am Ortseingang könnte Raser zur Räson bringen, hieß es weiter.

Die Möglichkeiten der Stadt sind freilich begrenzt, denn bei der viel befahrenen Achse, die der Ringsheimer Weg, die Horchheimer Straße und die Christian-Schäfer-Straße bilden, handelt es sich um die L 119, also um eine Landesstraße. „Wenn man wirklich etwas ändern will, sollte man vielleicht groß einsteigen“, sagte Andrea Fromberg und brachte eine Abstufung von der Landes- zur Kommunalstraße ins Gespräch.

Eine Einbahnregelung in Flamersheim hätte auch Nachteile

In diesem Fall würde die Stadt die Baulast übernehmen, was allerdings mit Kosten und Pflichten einhergeht. Auf der anderen Seite könnte sie verkehrsberuhigende Maßnahmen forcieren – bis zur Einrichtung eines Einbahnverkehrs. „Aber Vorsicht!“, gab Fromberg zu bedenken. In diesem Fall müsste der Verkehr in eine der beiden Richtungen mangels Alternativen über die Speckelsteinstraße geführt werden, das heißt: an der Grundschule vorbei.

An der Schule hatte der Rundgang begonnen. Schulleiter Sebastian Wexel berichtete dort von Eltern, die zum Absetzen der Kinder auf den Vorplatz der Schule führen, obwohl dies in der Zeit von 8 bis 16 Uhr untersagt sei. Das Verbotsschild werde „nicht wahrgenommen“. Die Stadt Euskirchen habe schon vor Jahren zugesagt zu klären, ob eine Absperrung des Areals möglich sei, so Wexel. Doch geschehen sei nichts.

Im Zuge der Begehung wurden weitere Forderungen laut: Maßnahmen zur Temporeduzierung (auch an der Kita in der Zeisigstraße), eine Verbannung des Schwerlastverkehrs aus dem Ortskern, Piktogramm-Markierungen und gesicherte Querungsstellen auf Kita- und Schulwegen, eine bessere Beleuchtung und eine durchgängige Barrierefreiheit inklusive taktilem Leitsystem.

Das Büro Via ermöglichte Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf dem Rundgang einen Perspektivwechsel. Wer wollte, ließ sich ein Stück in einem Rollstuhl schieben und erfuhr so, wie enge Bürgersteige und Hindernisse Menschen mit Behinderung das Leben schwer machen. In der Mönchstraße konnte man sich außerdem mit einem „Tiefsehrohr“ in die Situation von Kindern versetzen, die zwischen geparkten Autos hervortreten, um bei eingeschränkter Sicht die Fahrbahn zu überqueren.