Im neusten historischen Krimi, der im fiktiven Dorf Disselbach spielt, geht der Schmied Karl dem Schwarzhandel mit einem Rauschmittel nach.
„Tauschgeschäfte mit dem Teufel“Ralf Lano legt vierten Eifelkrimi um Dorfschmied Karl vor

Autorenfoto am Amboss: Ralf Lano als Karl, der Dorfschmied – Protagonist seiner Eifelkrimi-Reihe.
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„Tauschgeschäfte mit dem Teufel“ heißt der neue Eifelkrimi von Ralf Lano aus dem Hillesheimer KBV-Verlag. Er spielt im Nachkriegsjahr 1948 im fiktiven Dorf Disselbach in der rheinland-pfälzischen Eifel.
Ein Rauschmittel, das dem körpereigenen Adrenalin ähnelt: Man ist nicht müde, sondern munter, statt hungrig fühlt man sich satt, statt gestresst euphorisch und selbstsicher. Das ist nicht nur die Wirkungsweise von Crystal Meth, sondern auch von Pervitin, einem Aufputschmittel, das den Durchhaltewillen der Wehrmachtsoldaten im Zweiten Weltkrieg künstlich steigern sollte.
Wenn man so will, ist mit dem „Teufel“ im reißerischen Titel des vierten Bandes der Eifelkrimireihe um den Dorfschmied Karl genau dieses Pervitin gemeint. Und der Schwarzhandel damit ist der Handlungstreiber.
Handlung spielt wieder im fiktiven Eifeldorf Disselbach
Lano lässt die Handlung erneut in und um das fiktive Eifeldörfchen Disselbach spielen. In der idyllischen Kyllburger Waldeifel – Lano stammt selbst aus Kyllburg – begegnen den Fans der historischen „Schmied Karl“-Krimis natürlich auch wieder die wohlbekannten Protagonisten der bisherigen drei Bücher der Reihe. Neben Karl und Kriminalkommissar Severin Peters zum Beispiel die Dorfschullehrerin Fräulein Schneebach oder das Flüchtlingsmädchen Pauline.
Eine heile ist diese kleine Welt in der Karwoche des Jahres 1948 – die Währungsreform steht kurz bevor – allerdings nicht: Die Vorurteile und Klischees sind fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft. Wer da die Norm verlässt, macht sich mindestens verdächtig. Andererseits haben viele der Disselbacher so ihre kleinen Geheimnisse – und alle eint, dass jeder schauen muss, wie er in den harten Nachkriegszeiten durchkommt.
Ein scheinbar tödlicher Unfall und drei üble Gesellen
Die ganze Problematik scheint gebündelt im und um das ehemalige Lager des Reichsarbeitsdienstes im Wald am Dorfrand, das nun als Flüchtlingslager dient. Ein abgeschiedener Ort, von Lano gut ausgedacht, als Folie für Verdächtigungen aller Art, aber auch für geheimen Handel.
Hier und im Wald beginnt alles mit einem scheinbar tödlichen Unfall, hier kommt es zu einem folgenschweren Handgemenge gegen Ende des Krimis, hier wird das gefährliche Pervitin versteckt. Ein Mord im Waschhaus von Disselbach rückt das alles näher an die Dörfler heran, als ihnen lieb sein kann.
Wer hinter all dem steht, ist schnell klar: Drei Männer mit dunkler Vergangenheit tauchen auf und sorgen jeder auf seine Art für Unruhe. Einer von ihnen ist aus Disselbach selbst. Dass er das Verbrechen in die Eifelheimat bringt und nicht einfach in Köln bleibt, wohin es ihn zum Maggeln verschlagen hatte, das wird ihm – sehr bezeichnend für die Doppelmoral im Dorf – besonders übel genommen.
Nach Anlaufschwierigkeiten nimmt die Geschichte Fahrt auf
Bis zum Happy End, das eher nach Erschöpfung aller Beteiligten klingt, bleibt wenig so, wie es immer war. Dorfschullehrerin Fräulein Schneebach zum Beispiel treibt der unwissentliche Pervitin-Konsum – das Pulver ist in Pralinen versteckt – in schönste Halluzinationen: Sie führt eine Art Strip-Balletttanz auf dem Amboss in Karls Schmiede auf.
Das ist etwas übertrieben und wirkt konstruiert. Ebenso irritierend sind gelegentliche wertende Kommentare des auktorialen Erzählers zum Geschehen, mit dem er auf Distanz zum eigenen Krimi geht, die Perspektive ist dadurch manchmal unklar. Leider kommt „Tauschgeschäfte mit dem Teufel“ etwas schwergängig ins Erzählen, ein Page-Turner ist der Krimi im ersten Drittel nicht.
Danach hat Ralf Lano die einzelnen Handlungsfäden gesponnen und alle Figuren ins Spiel gebracht. Der Erzählfluss wird besser, und die schönste Szene ist sicherlich der schüchterne Annäherungsversuch zwischen dem Schmied, Hobbyermittler wider Willen und ewigen Junggesellen Karl, und Pauline, dem Flüchtlingsmädchen.
Krimiautor hat weitere Bände in der Planung
Wer die Krimireihe um Karl, den Schmied, liebt, der wird vom vierten Band nicht enttäuscht. Mittlerweile gebe es so viele Fans, dass er eine fiktive Karte Disselbachs zwecks besserer Orientierung im Buch online gestellt habe, freut sich Ralf Lano im Autorengespräch.
Weitere Bände sind geplant: Die Währungsreform und dann der Kalte Krieg bieten ihm genug Material, die Verwicklungen und Auswirkungen der „Großen Welt“ auf die in Disselbach aufzuzeigen, ist Lano optimistisch. Die Nachkriegszeit in der Eifel ist allemal nicht nur ein interessanter Krimistoff.
Ralf Lano: „Tauschgeschäfte mit dem Teufel“, 2026, KBV-Verlag Hillesheim. 373 Seiten. 15 Euro. ISBN: 978-3-95441-761-2.

