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Backyard-Ultra-WMEuskirchen-Kreuzweingarten: Den WM-Traum hat er sich erfüllt

Der frühere Radsportler will bei der Backyard-Ultra-WM in Lammersdorf 74 Runden schaffen – und damit mehr als drei Tage durchlaufen.

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Markus Habermann ist Teil des deutschen WM-Teams.

Es ist eine etwas andere Form der Weltmeisterschaft. Anstatt zentral an einem Ort zusammenzukommen, läuft jedes Land, das an der Backyard-Ultra-WM teilnimmt, für sich. Nur der Starttermin ist in allen 71 teilnehmenden Nationen gleich. Am Samstag, 17. Oktober, 14 Uhr mitteleuropäischer Zeit, geht es los. Während das Team Germany also in der Mittagszeit mit dem Wettbewerb beginnt, kann das anderswo auf der Welt mitten in der Nacht sein.

Am Ende ist das aber egal. Denn gelaufen wird ohnehin zu jeder Tageszeit – und das über mehrere Tage hinweg. Auch Markus Habermann aus Kreuzweingarten, einer von 15 Mitgliedern der deutschen Mannschaft, hat sich ein großes Ziel gesetzt. 74 Runden, was gleichzeitig 74 Stunden und damit etwas mehr als drei vollen Tagen entspricht, will er schaffen.

So funktioniert ein Backyard-Ultra-Lauf

Dazu muss man das Prinzip eines Backyard-Ultra-Laufs zunächst erklären: Alle Läufer begeben sich auf eine Strecke von 6,706 Kilometern. Diese Distanz muss innerhalb einer Stunde absolviert werden. Ist man schneller fertig, können die Läufer die verbliebene Zeit bis zur nächsten vollen Stunde nutzen, um zu essen, zu trinken, sich zu erholen oder andere Dinge zu verrichten. Zum Beginn der vollen Stunde geht es dann wieder auf die Strecke. Deshalb sind Runden und Stunden gleichgesetzt. Das macht man so lange, bis man entweder aufgibt oder eine Runde nicht in den erlaubten 60 Minuten schafft.

Klar ist also: Die Backyard-Ultra-Weltmeisterschaft ist nicht nach ein paar Stunden erledigt. Sie dauert mehrere Tage. Wenn Markus Habermann sich sein gestecktes Ziel erfüllt, wäre er bis Dienstagnachmittag im Wettbewerb vertreten. Dabei hat sich der 47-Jährige seinen eigentlichen Traum schon erfüllt: „Ich wollte noch einmal an einer Weltmeisterschaft teilnehmen“, sagt der frühere Radsportler. Dass das nun geklappt hat, sei „die Kirsche auf der Torte“.

Und die hat er sich im Juli in der Oberlausitz verdient. Beim O-See Backyard Ultra am Olbersdorfer See ist er seine bisherige Bestzeit gelaufen, die anders als bei anderen Sportarten nicht die kürzeste Zeit bedeutet, sondern die längste. 59 Runden hat er geschafft. Er war also 59 Stunden auf den Beinen. Und das hat, Bestzeit hin oder her, nur zu Platz drei gereicht. Niko Langner (61 Runden) sowie der Österreicher Ritvar Kalnins (60 Runden) landeten noch vor ihm.

Aus Konkurrenten werden Teamkollegen

Langner sieht er am Samstag wieder. Er ist Teil der deutschen Mannschaft, in der Markus Habermann mit seinen 59 Runden das fünftbeste Ergebnis im zweijährigen Qualifikationszeitraum hinbekommen hat. Zum Vergleich: Die deutsche Nummer eins, Hendrik Boury, hat 100 Runden absolviert, ist aber auch elf Jahre jünger als Habermann. Der Kreuzweingartener findet es generell spannend, dass sich nun die Vorzeichen geändert haben. Aus den bisherigen Konkurrenten werden Teamkollegen. „Es geht darum, sich gegenseitig zu unterstützen“, sagt der 47-Jährige. Bei Läufen, in denen man gegeneinander antritt, sei das anders: Da gehe es auch darum, die Kontrahenten mürbe zu machen. Mentale Spielchen fallen nun weg. Im Gegenteil. „Man muss einen Teamkollegen auch motivieren oder sogar durchschleppen.“

Das kommt Habermann entgegen, der sich selbst als Teamplayer sieht. Und es zählt die Leistung aller. Alle Runden einer Mannschaft werden am Ende addiert. Auch wenn die Weltmeisterschaft sich über 71 Länder verteilt, werden Ergebnisse live angezeigt. Das dürfte in den ersten Stunden allerdings eher langweilig sein, denn es wird wohl dauern, bis der erste Läufer ausscheidet.

Markus Habermann rechnet damit, dass er die 6,7 Kilometer in rund 45 Minuten absolviert. Essen und Trinken will er während des Laufens erledigen, mit Gel oder ein wenig fester Nahrung. Die 15-minütige Pausenzeit nutzt er zur Erholung – oder um Schuhe oder Socken zu wechseln. „Ich lege mich auf die Pritsche, ziehe mir eine Schlafmaske und Kopfhörer an und werde von einem Betreuer massiert.“ Er hat die Erfahrung gemacht, dass er meist nach 30 Sekunden eingeschlafen ist. Und kurz, bevor es weitergeht, wird er geweckt, springt auf und macht sich ganz automatisch auf zur Startlinie. „Das dauert nicht mehr als 45 Sekunden, dann bin ich wieder im Rennen.“

Ist das eigentlich gesund?

Eine Frage, die Habermann immer wieder gestellt wird: Ist das eigentlich gesund? Wissenschaftliche Untersuchungen von Backyard-Ultra-Läufen gebe es nicht, sagt er. Er weiß aber, dass drei Tage ohne Schlaf möglich sind, dann schlafe man automatisch ein. Er spricht da aus eigener Erfahrung. Bei seinem persönlichen Rekordlauf war das nämlich der Fall. Bereits in der 57. Runde habe er gemerkt, dass er müde ist. Und in der 59. Runde sei er während des Laufens eingeschlafen. „Der Körper bleibt stehen. Man legt sich dann hin und schläft ein. Und dann schreckt man auf und rennt weiter“, beschreibt er den Vorgang.

Sein Körper habe sich mittlerweile an die Strapazen gewöhnt – wie ein Muskelstrang, den man trainiert. Bei den ersten Backyard-Läufen habe er drei Wochen gebraucht, „bis ich wieder vernünftig denken“ konnte. Doch mittlerweile sei er schnell wieder „klar im Kopf“. Er schlafe nach Rennen zwei Tage durch, und nach vier Tagen sei auch der Kopf wieder hergestellt. Der Rest vom Körper ist da auch schon wieder fit. Laufen kann er drei, vier Tage nach einer Backyard-Ultra-Teilnahme schon wieder.

Habermann sieht aber auch die positiven Nebeneffekte. „Die langen Läufe bringen mir mental im Alltag so viel“, sagt er. Der selbstständige Garten- und Landschaftsbauer sei viel leistungsfähiger geworden. Und sein Geist sei bei Extremsituationen viel geschärfter.

Ein Heimspiel in Lammersdorf

Was ihn besonders freut an der Weltmeisterschaft, ist der Ort, an dem das Team Germany seine Runden dreht: in Lammersdorf bei Simmerath. Für Habermann ist das eine Art Heimspiel. Viele Freunde haben sich schon angekündigt, die gucken kommen und ihn anfeuern wollen. „Das motiviert schon“, sagt der 47-Jährige. Anders als sonst verspürt er derzeit aber keine Aufregung, das sei anders als bei Rennen, in denen man gegen die anderen Läufer auf der Strecke antrete. Aber auch da hat er so seine eigenen Erfahrungen gemacht. „Man rennt zwei Tage vor sich hin, bevor das eigentliche Rennen erst anfängt.“ Deshalb sei Backyard ein reiner Kopfsport. „Man muss mental darauf eingestellt sein, da braucht es ein paar Backyards“, so Habermann.

Durch Wald und Felder

Gelaufen wird am Tag und in der Nacht. In Lammersdorf gibt es deshalb zwei Strecken. Tagsüber geht es durch den Wald, dabei sind insgesamt 60 Höhenmeter zu überwinden, die sich hauptsächlich auf zwei markante Anstiege verteilen. Nachts geht es durch die Felder, hier verteilen sich die 60 Höhenmeter eher gleichmäßig. Beleuchtet ist die Strecke nachts übrigens nicht. Denn, auch das ist eine Regel bei den Backyard-Ultra-Läufern, Betreuung auf der Strecke ist verboten, und eine Beleuchtung der Wege würde schon eine Unterstützung bedeuten. Das würde eine Disqualifikation nach sich ziehen. Die Läufer tragen deshalb Lampen, um die Strecke zu sehen. Auch Handys sind verboten. Für Habermann bedeutet das also auch eine digitale Entgiftung, was ihm durchaus gefällt. „Ich laufe generell ohne Musik und mag es, mich mit mir selbst zu beschäftigen. Einfach mal gar nichts im Kopf zu haben, ist auch einmal schön“, sagt der selbstständige Unternehmer.

Was ihm ebenfalls entgegenkommt, ist das angekündigte Wetter. In der Eifel soll es am Wochenende eher herbstlich kühl und grau werden. Die Läufer hoffen, dass der angekündigte Regen sich tatsächlich nur auf den Samstagmorgen beschränkt. „Die Temperaturen sind perfekt. Hauptsache, es ist trocken“, fasst Habermann das zusammen. Bei seinem Rekordlauf in der Oberlausitz sei es im Juli 30 Grad heiß gewesen. „Da muss man sich dann mit Eis kühlen, das man lutscht oder mit dem man die Haut kühlt“, so der Läufer. Das wird in Lammersdorf nicht nötig sein. Nachts soll es dort auf fünf Grad, vielleicht sogar weniger, runterkühlen. „Das macht mir nichts aus. Nur Nässe ist schwierig, denn dabei steigt die Gefahr von Blasen am Fuß.“ Da würde sogar stündliches Wechseln von Schuhen und Socken nichts nützen, sagt Markus Habermann. (ets)