Aufatmen nach den anstrengenden und nervenaufreibenden Tagen: Anwohner aus deutschen und belgischen Orten berichten von ihrer Evakuierung.
Feuer im VennLangsam kehrt Normalität in die Dörfer auf beiden Seiten der Grenze zurück

Rauch schwebt über der verbrannten Landschaft in der Nähe des „Signal de Botrange“ im Hohen Venn.
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Es ist wieder ruhig geworden in Kalterherberg. Langsam kehrt die Normalität zurück in die Straßen rund um den Eifeldom. Der Rauch vom Brand im Hohen Venn hat sich weitgehend verzogen. Vom gegenüberliegenden Hügel steigt am Freitag kaum noch Qualm auf. Doch der Brandgeruch ist noch wahrzunehmen und erinnert daran, dass die Lage noch vor wenigen Tagen immer dramatischer wurde.
Mittlerweile gibt es gute Nachrichten aus dem Venn: Nachdem bis vor einer Woche die Lage bei dem Vegetationsbrand in dem Hochmoor an der belgisch-deutschen Grenze immer brenzliger wurde, ist mittlerweile Entspannung eingekehrt. Die Lage verändert hat neben dem intensiven Einsatz letzten Endes der Wetterwechsel: Teilweise starke Regenfälle haben die Arbeit der Feuerwehrleute zumindest unterstützt und die Flächen, die noch nicht in Brand geraten waren, so angefeuchtet, dass es gelang, die weitere Ausbreitung des Feuers zu stoppen und es quasi einzukesseln.
In Kalterherberg ist wieder Ruhe eingekehrt
Die Einsatzfahrzeuge, die durch Kalterherberg fuhren, die vielen Traktoren und Tanklaster, die in großen Mengen Löschwasser herankarrten, sie sind aus dem Ortsbild verschwunden. Nur noch vereinzelt sind sie unterwegs und bringen Löschwasser zu den Feuerwehreinheiten, die noch gegen die Glutnester kämpfen. Am Vormittag sind auch die Hubschrauber zu hören, die das Wasser in die unzugänglichen Bereiche bringen. Weiterhin ist der Zugang ins Venn streng untersagt.

Im belgischen Sourbrodt, wo immer noch die Einsatzkräfte ihre Zentrale haben, wurde die Vennwanderung für dieses Wochenende abgesagt.
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Doch die Menschen, die in den evakuierten Gebieten leben, durften zurückkehren. Kein Haus hat Schaden genommen. Und auch die Sorge vor möglichen Einbrechern erwies sich als unberechtigt, wie alle bestätigen. Verschwunden ist auch die Schar der Journalisten.
Keiner im Dorf hat jetzt noch Lust auf neugierige Besucher
Nicht nur das Feuer hat seine Spuren hinterlassen. Auch die intensive Berichterstattung blieb nicht ohne Folgen. Auf neugierige Journalistenfragen hat jetzt kaum noch jemand Lust. Im Gerätehaus in Kalterherberg, wo Aufräumen angesagt ist, will niemand etwas sagen. „Das macht der stellvertretende Wehrleiter“, verweist einer auf Zuständigkeiten. Doch auch der möchte nicht mehr mit Journalisten reden. Das werde alles von der Stadt übernommen, sagt er am Telefon.
Auch im Lagezentrum im belgischen Sourbrodt sind die Pressevertreter und Kamerateams mittlerweile verschwunden. Mehrfach wird ein Sprecher avisiert, doch der erscheint nicht.
Es macht natürlich auf der einen Seite unglaublich stolz, weil man sieht, wie der Zusammenhalt in der Bevölkerung läuft. Gleichzeitig ist man traurig über das Geschehen, aber auch erleichtert, dass weder Menschen noch Häuser zu Schaden gekommen sind.
Ein Feuerwehrmann kommt aus der Pause, die er im Gemeindehaus von Sourbrodt verbracht hat. Hier gibt es Essen und Getränke für die Einsatzkräfte. „Ich war schon beim ersten Alarm dabei“, sagt er. Jede Nacht sei er im Einsatz gewesen. Einen Tag Pause habe er gehabt. Teilweise sei es hart gewesen. „Gerade Freitag und Samstag, als es so heiß war, wusste man überhaupt nicht, wie es wird“, sagt er. Da habe die Erfahrung gefehlt. Gerade durch die extreme Trockenheit sei es ein anderer Brand gewesen als früher.
Auch in Ruitzhof bleiben die meisten Türen verschlossen. Wer unterwegs ist, möchte kein Interview geben und erst recht nicht fotografiert werden. Nur eine Frau berichtet von ihrer Evakuierung, wenn auch etwas zögernd. Sie habe einem Journalisten eines deutschen Nachrichtenmagazins bereits alles berichtet. „Der hat aber nur das Negative geschrieben“, sagt sie.
Anwohnerin übt Kritik an Zeitvorgaben für Evakuierung
Die Evakuierung sei bestimmt gerechtfertigt gewesen, sagt sie. Von ihrem Haus aus sei der Wald zu sehen: „Da war kein Qualm, da waren keine Flammen“, betont sie. „Ich fand die Zeitvorgabe krass“, bemängelt sie. Zehn Minuten anzusetzen und mit der Polizei zu drohen? „Der Ton macht die Musik“, findet sie. Ihre Tiere hätten sie nicht mitnehmen können. Im Ernstfall hätten befreundete Landwirte die Zäune aufgemacht, damit ihre Rinder hätten fliehen können.

Abgesperrt sind die Zugänge zum Hohen Venn.
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Zu einem Schwätzchen können sich jetzt Dieter Breuer (l.) und Edmund Mertens wieder treffen.
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Jetzt sei sie froh, wieder zu Hause zu sein. Von allen Seiten sei man verrückt gemacht worden. „Meine Informationsquelle, die zuverlässig war, waren Bekannte“, betont sie. Dann habe sie von 300 Metern Entfernung zur Feuerfront gehört, einen halben Herzinfarkt bekommen. Sie habe über den Wald geblickt und sich gefragt: In welcher Richtung? „Wenn das alles mal vorbei ist, werde ich auf einem Spaziergang mal schauen, wo es gekokelt hat“, kündigt sie an. Jetzt sei sie froh, wenn sie einige Nächte Schlaf bekomme.
Aus der Perspektive der Monschauer Bürgermeisterin Dr. Carmen Krämer waren die Abläufe in Ordnung. „Die Anwohner sind schon Stunden vorher darüber informiert worden, dass es sein könne, dass sie evakuiert würden und dass sie ihre Taschen packen sollten“, sagt sie. In dem Moment, in dem diese Entscheidung getroffen werden müsse, müsse es auch schnell gehen. Zunächst sei es eine Empfehlung gewesen, die Häuser zu verlassen. Und wenn gesagt werde, jetzt bitte die Häuser verlassen, müsse das auch innerhalb weniger Minuten geschehen, weil es dann ernst werde.
Sie habe selbst mit Anwohnern gesprochen. Die seien dankbar dafür gewesen, dass es dann auch schnell und zügig gemacht worden sei. Es habe viele Einsatzkräfte vor Ort gegeben, die die Häuser bewacht hätten. „In der Spitzenphase waren rund 45 Polizeibeamte gleichzeitig im Einsatz“, betont sie.
Monschauer Feuerwehrleute müssen Belastung erst einmal verkraften
Für die Feuerwehr in Monschau, die über Tage im Einsatz gewesen sei, sei das alles eine enorme Belastung gewesen. „Man merkt sehr deutlich, dass die Kräfte nach fünf Tagen, 20 Stunden und 21 Minuten nachgelassen haben“, fasst sie es zusammen. Die Einsatzkräfte seien extrem müde und bräuchten erst einmal ihre Ruhe. Sie seien auch emotional noch nicht wirklich sortiert. Denn die Feuerwehr Monschau habe in der letzten Zeit mehrere schwere Einsätze bewältigt. „In Höfen hat es in dem Gebäude einer Wohngruppe gebrannt, wobei es drei Tote gegeben hat“, erinnert sie an einen belastenden Einsatz vor einem Monat. Es handele sich um ehrenamtliche Feuerwehrleute, die das alles erst einmal verarbeiten müssten.
Krämer spricht selbst von einem Mix der Gefühle. Der Brandgeruch in der Luft mache deutlich, dass das Feuer eben noch nicht vollständig gelöscht sei. „Es macht natürlich auf der einen Seite unglaublich stolz, weil man sieht, wie der Zusammenhalt in der Bevölkerung läuft. Gleichzeitig ist man traurig über das Geschehen, aber auch erleichtert, dass weder Menschen noch Häuser zu Schaden gekommen sind.“
Auf operativer Seite sei die Zusammenarbeit mit den belgischen Kollegen sehr konstruktiv gewesen. Allerdings solle nach dem Einsatz besprochen werden, wie die Kommunikation noch verbessert werden könnte. Ein Beispiel sei die Evakuierung, die auf belgischer Seite mit Küchelscheid und Leykaul zu einem anderen Zeitpunkt ausgesprochen wurde als auf deutscher Seite. „Da geht es um Absprachen, die wir treffen müssen, aber das kriegen wir hin“, so Krämer.
Basisstation vor dem Café in Küchelscheid eingerichtet
In Küchelscheid, auf der belgischen Seite der Grenze, sind die Menschen recht entspannt. Pierre Servaty räumt die Tische des Cafés „Taverne à Lutze“ wieder an ihren Platz. Zum Wochenende soll wieder eröffnet werden. „Schade um die Natur da oben“, sagt er. Noch sei er nicht vor Ort gewesen, aber ein paar Feuerwehrleute hätten ihm Fotos gezeigt. Am Samstagmorgen sei Küchelscheid evakuiert worden. „Das hatten wir nicht auf der Bingokarte fürs Wochenende“, sagt Servaty. Vor seinem Geschäft sei eine Basisstation eingerichtet worden. „Bis gestern waren die noch schwer im Einsatz hier“, berichtet er. Seit 14 Uhr am Donnerstag herrsche aber wieder Normalität.
Nein, Angst habe sie nicht gehabt, sagt seine Nachbarin. Ihr Haus stehe kurz vor der Grenze im Tal und sei von daher nicht bedroht gewesen. Sie sei aber froh, wieder zu Hause zu sein. „Man weiß gar nicht, was man packen soll“, sagt sie. Sie glaube, die Behörden hätten im Vorfeld die Gefahr unterschätzt. „Ich war vorige Woche bei Ternell spazieren, da war alles furztrocken, wie Stroh“, erinnert sie sich. Doch es habe keine Warnung gegeben, es seien keine roten Fahnen zu sehen gewesen. „Das habe ich nicht verstanden“, sagt sie.
„Wenn Sie hier gewesen und Luft geholt hätten, wären Sie freiwillig gegangen“, beschreibt Edmund Mertens die Situation kurz vor der Evakuierung von Küchelscheid. Er hält am Straßenrand ein Schwätzchen mit Dieter Breuer. Eine riesige blaue Glocke voller Gestank sei das gewesen, nicht zum Aushalten, so Mertens weiter.
Als die Polizei gekommen sei und gesagt habe, sie müssten in einer Viertelstunde das Haus verlassen, habe er gesagt, er wolle dableiben. Doch sein Sohn und sein Enkel hätten ihn dann überzeugt zu gehen. Breuer berichtet, dass er während der Evakuierung bei seinem Sohn gewesen sei. Doch auch der habe auf gepackten Koffern gesessen, weil ihm ebenfalls die Evakuierung gedroht habe. „Doch wir hatten so viele Angebote, wir hätten überall unterkommen können“, sagt er.
Stadt Monschau sammelt Spenden für die Helfer
Dankbar zeigt sich die Stadt Monschau für die große Welle der Hilfsbereitschaft im Zusammenhang mit dem Brand im Hohen Venn. Da allerdings derzeit kaum noch materielle Hilfen benötigt werden, hat die Stadt Monschau ein Spendenkonto eingerichtet, mit dem die Feuerwehr und freiwillige Helfer unterstützt werden sollen. Es gebe zwar private Initiativen, bei einem Konto der Stadt seien die Beträge im Prinzip aber direkt in den Händen der Feuerwehr, sagte Bürgermeisterin Carmen Krämer. Infos gibt es auf der Internetseite der Stadt Monschau.

