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HochwasserschutzZusammenarbeit der Kreise und Kommunen an der Erft wird weiter ausgebaut

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In der aufgegrabenen Rinne liegt eine Baggerschaufel. Flussmatratzen aus in Drahtgitter verpackten Steinen bedecken den Boden.

Noch immer wird am Gerinne zum Wassersportsee gearbeitet. Die Steine in Drahtgeflecht nennt man Flussmatratzen.

Seit vier Jahren gibt es die hwsErft, der auch der Kreis Euskirchen angehört. In Zülpich wurde Bilanz gezogen und neue Projekte wurden vorgestellt. 

Der Treffpunkt war mit Bedacht gewählt. Der Abschlag des Vlattener Bachs ist die erste interkommunale Baumaßnahme zum Hochwasserschutz und damit der geeignete Ort, um das vierjährige Bestehen der Interkommunalen Hochwasserschutzkooperation Erft (hwsErft) zu begehen. Kleiner Schönheitsfehler: Das Gerinne, durch das das Wasser des Vlattener Bachs im Falle eines Extremhochwassers in den Wassersportsee fließen soll, ist immer noch nicht fertig.

Im August soll es immerhin soweit sein, dass nur noch die Messtechnik und das Geländer am Drosselwerk installiert werden müssen. An guten Ideen und konkreten Plänen, wie die Bevölkerung künftig vor einer Katastrophe wie im Juli 2021 geschützt werden kann, mangelt es nicht.

Wie die Verfahren beispielsweise für den Bau von Regenrückhaltebecken beschleunigt werden könnten, dazu konnte Viktor Haas, Staatssekretär im Umweltministerium Nordrhein-Westfalen, nichts Konkretes sagen. „Vieles dauert länger, als man sich es wünscht“, gestand er ein. Konkret und Kooperation, das waren dennoch die Schlüsselworte für ihn.

Der Regionalpakt soll den Fortbestand der hwsErft sichern

Eine Zusammenarbeit wie in der hwsErft, die als beispielhaft gelte, wünscht er sich auch über die Ebenen hinweg, also zwischen Bezirksregierung und Land. Daneben forciert das Ministerium die Gründung des Regionalpaktes für Hochwasserschutz Erft, der auf den Strukturen der hwsErft aufbaut und langfristig nicht nur deren Fortbestand sichern soll, sondern zusätzlich eine Ausdehnung auf das gesamte Einzugsgebiet der Erft zum Ziel hat.

Zwei Männer und eine Frau sitzen an einem Tisch, einer unterschreibt ein Papier. Dahinter stehen vier Männer.

Im Seehaus unterzeichneten unter anderem Heinrich Schäfer (l.) und Markus Ramers (r.) eine Vereinbarung zur gemeinsamen Lageeinschätzung.

Hinter einer Absperrbake steht eine Brücke, die noch nicht an einen Weg angebunden ist.

Über eine Brücke wird in Zukunft der Uferweg am Zülpicher Wassersportsee geführt. Das Bauwerk steht bereits.

Geplant sei, so Haase, dass Kommunen demnächst die Aufgabe des Hochwasserschutzes an einen der Wasserverbände übertragen können. Der hwsErft gehören mittlerweile drei Kreise, 18 Kommunen und der Erftverband an. Und jetzt wurde auch der Katastrophenschutz eingebunden.

Informationen werden ausgetauscht und abgeglichen

Im Seehaus am Ufer des Wassersportsees wurde eine Vereinbarung zur gemeinsamen Lageeinschätzung unterzeichnet. Neben Prof. Heinrich Schäfer, Vorstand des Erftverbandes, und Landrat Markus Ramers unterschrieben auch Kreisbrandmeister Peter Jonas und Thomas Weiler, Leiter des Amtes für Rettungsdienst, Brand- und Bevölkerungsschutz beim Rhein-Erft-Kreis.

Die Vereinbarung sieht ein Online-Meeting vor, in dem die Akteure des Erftverbandes und des Katastrophenschutzes die Lage einschätzen und Informationen und Daten austauschen und abgleichen. Es würden auch konkret Ansprechpartner benannt, sagte Markus Ramers: „Im Falle einer Katastrophe dürfen wir die Kommunikation nicht dem Zufall überlassen.“

Es muss weitergehen, wir müssen das Thema hochhalten.
Heinrich Schäfer

Heinrich Schäfer verwies auf die mehr als 100 Bürgerworkshops, die stattgefunden hätten. Deren Sinn sei es nicht nur, Transparenz zu schaffen. Es sei wichtig, den einzelnen Bürger und die einzelne Bürgerin zu hören. Viele Informationen und Vorschläge, die bei den Bürgerbeteiligungen vorgetragen worden seien, hätten Eingang in die weitere Planung gefunden. „Es muss weitergehen, wir müssen das Thema hochhalten“, appellierte er. Je länger die Flutkatastrophe zurückliege, desto kritischer würden die Kosten des Hochwasserschutzes gesehen.

Er warb um Verständnis dafür, dass vieles so lange dauert: „Manche Maßnahmen brauchen einfach mehr Zeit. Schließlich bauen wir für Generationen.“ Den Kommunen biete der Erftverband mit seinen Projektkoordinatoren Unterstützung beim kommunalen Hochwasserschutz an.

Hochwasserschutz geht nur gemeinsam

Von einem „langen, aber guten Weg“ sprach auch der Zülpicher Bürgermeister Ulf Hürtgen. Den könne man nur gemeinsam gehen, denn Wasser mache nun mal nicht an Stadt- oder Kreisgrenzen halt. Das Wasser, das künftig im Zülpicher See aufgefangen werde, richte keinen Schaden mehr in Erftstadt an.

„Die Oberlieger tragen auch für die Unterlieger Verantwortung“, formulierte Staatssekretär Viktor Haase. Sprich: Die Maßnahmen in einer Stadt schützen vielleicht gar nicht deren Bürger, sondern die der Kommunen, die weiter flussabwärts liegen. Neben dem Interkommunalen Hochwasserschutzkonzept erstellen die Kommunen eigene Konzepte.

Bad Münstereifel und Euskirchen haben diese bereits erstellt, wie Heinrich Schäfer ausführte, die der anderen Kommunen seien „in der Finalisierung“, also mehr oder weniger fertig. Als eine Säule des Hochwasserschutzes nannte er den natürlichen Rückhalt. Dabei verwies er auf die Renaturierung der Erft bei Erftstadt-Gymnich, die dem Fluss Platz verschaffe. Und schließlich gehöre zum Hochwasserschutz auch die Risikovorsorge.

Damit war er wieder bei der Schnittstelle zwischen Wasserwirtschaft und Katastrophenschutz. Der Erftverband baut zudem sein Netzwerk an Pegeln weiter aus und installiert neue Sensoren. Ziel ist es, die Informationslage im Einzugsgebiet des Flusses zu verbessern. Dazu wird das Hochwasserinformationssystem (HOWIS) technisch weiterentwickelt. 


Die Projekte und die Beteiligten

In Umsetzung sind derzeit zwei Projekte. Neben dem Abschlag des Vlattener Bachs in den Wassersportsee Zülpich, der kurz vor der Fertigstellung ist, wird bereits daran gearbeitet, den Kommerner Mühlensee zum Hochwasserrückhaltebecken (HRB) umzugestalten. In Vorbereitung sind die Hochwasserbecken in Erftstadt-Liblar und der Ausbau des vorhandenen HRB Bedburg-Garsdorf.

Für zwei Abschnitte der Erft, die umgestaltet werden sollen, laufen die Genehmigungsverfahren: für einen Abschnitt bei Bergheim-Glesch und einen bei Grevenbroich. In Planung sind die Hochwasserrückhaltebecken Schwerfen (Zülpich), Möschemer Mühle (Bad Münstereifel), Schweinheim (Euskirchen) und Vussem (Mechernich) sowie der Gewässerausbau Schweinheim und Hohenholzer Graben (Bedburg), außerdem der Erftumbau in der Erftaue Kapellen (Grevenbroich). Für das HRB Flerzheim (Rheinbach) wird derzeit der Grunderwerb getätigt.

Neben dem Erftverband gehören der Hochwasserkooperation der Kreis Euskirchen, der Rhein-Erft-Kreis und der Rhein-Sieg-Kreis an. Außerdem folgende Kommunen: Bad Münstereifel, Bedburg, Bergheim, Erftstadt, Euskirchen, Heimbach, Kerpen, Mechernich, Meckenheim, Nettersheim, Nideggen, Nörvenich, Rheinbach, Rommerskirchen, Swisttal, Vettweiß, Weilerswist und Zülpich.