Der neue Gastronomiebereich im Kloster Mariawald ist fertiggestellt. Für einige weitere Projekte laufen aktuell die Planungen.
Kessel stehen schon bereitIm Kloster Mariawald soll bald wieder Bier gebraut werden

Die Braukessel für das Mariawalder stehen bereit. Die Anlage muss aber noch angeschlossen werden.
Copyright: Wolfgang Kirfel
„Wenn alles gut läuft, wird ab Ostern in Mariawald vielleicht wieder Bier gebraut“, sagt Wolfgang Scheidtweiler. Die auffälligen Kupferkessel, in denen das Mariawalder gebraut werden soll, stehen schon im neuen Gastronomiebereich, der auf der früheren Terrasse entstanden ist. In den kommenden Monaten sollen nun die Planungen für ein Gästehaus vorangetrieben werden.
Wolfgang Scheidtweiler hat eine besondere Verbindung zum Bier, denn sein Vater, Dr. Matthias Scheidtweiler, hat 1961 die Brauerei in Gemünd gegründet und entschieden, dass sein Sohn Bierbrauer werden sollte. Dementsprechend absolvierte Wolfgang Scheidtweiler nach der Schule das Studium zum Bierbrauer und übernahm schließlich das Unternehmen des Vaters.
Scheidtweiler will Klöster und Burgen als Kulturstätten erhalten
Schon 2014 hatte der Unternehmer Kloster Steinfeld in Erbpacht übernommen. 2021 folgte auch die frühere Trappistenabtei Mariawald, die seitdem von der Mariawald GmbH & Co. KG bewirtschaftet wird. „Klöster und Burgen sind Jahrhunderte alte Kulturstätten und zeugen vom Leben in früheren Zeiten. Diese Orte möchte ich erhalten“, sagt Scheidtweiler.

Der neu gebaute Gastrobereich hat Platz für rund 90 Gäste.
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Die alten Steinkrüge für den Likör zeigte Wolfgang Scheidtweiler.
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„Wir haben in den vergangenen Jahren in Mariawald schon einige Sanierungs- und Unterhaltungsarbeiten durchgeführt“, erklärt Christoph Böhnke, der sich um Scheidtweilers Projekte in Steinfeld und im Kloster Mariawald kümmert. Die bislang größte Maßnahme sei in Mariawald der Neubau des Gastronomiebereichs gewesen. „Er ist so gut wie abgeschlossen. Lediglich ein paar Restarbeiten müssen noch erledigt werden.“ Im Außenbereich vor dem neuen Gastronomiebereich wurde neues Pflaster verlegt. „Dafür verwenden wir Natursteine aus der Region, auch wenn dies etwas teurer ist“, so Scheidtweiler.
Tische und Stühle wurden früher von den Brüdern genutzt
Der neue Bereich bietet nach Angaben von Böhnke Platz für rund 90 Gäste. „Die Tische und Stühle stammen aus dem Kloster. Die wurden früher von den Brüdern genutzt.“ Originell sind die Lampen aus alten Bierfässern. Blickfang in dem neuen Bereich sind die großen Braukessel, die derzeit noch nicht in Betrieb sind. „Wir haben die Anlage gebraucht gekauft. Sie wurde komplett überarbeitet. Die Pumpen und Ventile wurden erneuert“, berichtet Scheidtweiler. Er kann sich noch daran erinnern, dass sein Vater bei der Gründung der Gemünder Brauerei einige Gerätschaften von der Ende der 1950er-Jahre geschlossenen Mariawalder Brauerei gekauft und nach Gemünd transportiert hatte.

Einige Räume sind schon für die Modernisierungsarbeiten vorbereitet.
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Im Außenbereich vor der Gastronomie wurde neues Pflaster verlegt.
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Bevor in Mariawald aber wieder gebraut werden kann, muss die Anlage noch angeschlossen und in Betrieb genommen werden: „Da müssen noch einige Arbeiten durchgeführt werden“, sagt Böhnke. Produziert und in alle Welt verschickt wird bereits der Klosterlikör. „Er wird in uralten Steinkrügen mit einem Fassungsvermögen von 1000 Litern angesetzt“, berichtet Scheidtweiler. Dafür würden ausschließlich Kräuter und andere natürliche Zutaten verwendet.
Essensausgabe im Gastrobereich soll umgestaltet werden
Als nächstes Projekt soll nun der alte Gastrobereich mit der Essensausgabe umgestaltet werden. „Bislang stehen die, die nur einen Kaffee holen wollen, und die, die eine Erbsensuppe essen möchten, in einer Schlange“, sagt der Unternehmer. Das sei nicht mehr zeitgemäß. Künftig sollen die Bereiche mehr voneinander getrennt und so lange Schlangen vermieden werden. Außerdem sollen in dem Raum auch die Lebensmittel aus dem Klosterladen angeboten werden. Dafür müssen die bislang dort stehenden Tische und Stühle weichen. In dem Bereich werden nur einige Sitzplätze erhalten bleiben.
Ähnlich wie in Steinfeld soll auch in Mariawald ein Gästehaus entstehen. Dafür müssen die kleinen Räume der Brüder aber umgestaltet werden. „Erste vorbereitende Arbeiten wurden bereits ausgeführt. Unter anderem wurden Wasser- und Abwasserleitungen verlegt, was in der historischen Bausubstanz eine Herausforderung ist“, sagt Böhnke.
Die Nachfrage nach Spiritualität und solchen Räumen ist riesig.
Einige Räume wurden auch schon für die geplanten Arbeiten vorbereitet. Tapeten und Teppichböden wurden entfernt. „Es sollen rund 20 Zimmer mit Toilette und Bad entstehen“, so Scheidtweiler. Darüber hinaus werde es auch einfachere Zimmer mit Etagendusche geben. Die alten Holzböden sollen erhalten und aufgearbeitet werden. „Die Nachfrage nach Spiritualität und solchen Räumen ist riesig“, ist der Unternehmer sicher.
Für ihn ist aber auch klar, dass sich der Betrieb in Grenzen halten soll: „Hier soll nicht so viel los sein wie in Steinfeld, wo am Wochenende bis zu 200 Menschen in den Gästehäusern übernachten. In Mariawald sollen es 40 bis 60 sein.“ Ähnlich wie in Steinfeld, soll es aber auch hier verschiedene Kursangebote geben.
Alte Klosterküche soll wieder in Betrieb genommen werden
„Die Akademie Kloster Steinfeld bietet zurzeit verschiedene Aktivitäten, von Yoga über Malen bis hin zum Bogenschießen, an“, berichtet Böhnke. Das Angebot der Akademie sei aber nicht mehr so groß wie in den Vorjahren. Das soll Cornelia Pätzold-Schick ändern. Scheidtweiler hat die ehemalige Oberbürgermeisterin von Bruchsal nach eigenen Aussagen ab Januar eingestellt: „Sie soll sich um die Akademie und später dann auch um entsprechende Angebote in Mariawald kümmern.“
Angedacht ist, dass für das Gästehaus in Mariawald die alte Klosterküche wieder in Betrieb genommen wird. „Insgesamt muss noch sehr viel gemacht werden. Und noch haben wir keine konkrete Detailplanung“, sagt Böhnke. Scheidtweiler geht aber davon aus, dass mit den Arbeiten in diesem Jahr begonnen werden kann.
Überdies gibt es laut Scheidtweiler beim Land Nordrhein-Westfalen Überlegungen, in Mariawald ein Landschulheim zu errichten oder bauen zu lassen und zu betreiben: „Doch noch ist keine Entscheidung gefallen.“
Die Gästehäuser in Steinfeld sind nach Angaben von Böhnke gut ausgelastet. „Wir liegen wieder bei rund 40.000 Übernachtungen“, sagt der Verwalter. Man habe ein weiteres Fluchttreppenhaus errichtet, einen Aufzug eingebaut und weitere Zimmer umgebaut.

