Neben körperlicher Gesundheit und Ernährung sind nach Ansicht der AOK auch das soziale Umfeld und die Psyche wichtig.
GesundheitExperten der AOK im Kreis Euskirchen geben Tipps, im Alter fit zu bleiben

Soziale Aspekte sind bei der Gesundheit im Alter ihrer Meinung nach nicht zu vernachlässigen: Iris Jagenlauf (v.l.), Jessica Lammerich, Jürgen Schneider, Ilka Rick und Frederik Herkenhoff.
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Gesundheit ist ein vielschichtiges Thema, das im zunehmenden Alter mit jeder neuen Beschwerde an Bedeutung gewinnt. Fünf Expertinnen und -experten der AOK Rheinland/Hamburg schildern im Gespräch mit dieser Zeitung, warum es sinnvoll ist, sich bereis mit Körper und Geist zu beschäftigen, bevor es zu größeren Einschränkungen kommt.
Fit ins Rentenalter zu gelangen und möglichst gesund zu bleiben, hängt nach Einschätzung von Dipl.-Psychologin Iris Jagenlauf mit verschiedenen Faktoren zusammen: „Körperliche Gesundheit und Ernährung sind wichtig – aber auch die Psyche ist entscheidend.“
Weiter unterstreicht sie die Bedeutung sozialer Kontakte: „Das Soziale ist unsere wesentlichste Ressource. Wir brauchen ein Umfeld mit Leuten, die uns unterstützen.“ Es könne aber auch hilfreich sein, andere Menschen unterstützen zu wollen, etwa für die Enkelkinder aktiv zu bleiben, gibt die 60-Jährige ein Beispiel. Zum sozialen Umfeld zählt sie neben der Familie auch Freunde und Freundinnen, ehemalige Arbeitskollegen oder Seniorentreffs.
Der Übergang zur Rente ist für viele Menschen herausfordernd
„Gerade der Übergang zur Rente ist für viele Menschen ein schwieriger Umbruch“, sagt Jagenlauf. Damit die Umstellung nicht zur Belastung wird, rät die Dipl.-Psychologin, sich bereits vor dem Rentenalter mit einem „ressourcenorientierten Leben“ zu befassen.
Nach Einschätzung der Expertin ist hierfür wesentlich, einen Ausgleich zur Arbeit zu schaffen. Ausgleichsmöglichkeiten sieht sie unter anderem darin, persönliche Interessen auszubauen und sich erfüllende Tätigkeiten zu suchen, etwa in Form eines Ehrenamtes. Als Buchtipp, um das Thema Sinnstiftung zu vertiefen, empfiehlt Jagenlauf „Erfülltes Leben – Ein kleines Modell für eine große Idee“ geschrieben von Friedemann Schulz von Thun.
Mobilität im ländlichen Raum muss berücksichtigt werden
Die Regionaldirektorin der AOK Rheinland/Hamburg, Jessica Lammerich, pflichtet Jagenlauf bei: „Es ist wichtig, früh über Sinnstiftung nachzudenken.“ Daran knüpfe auch die Frage der Mobilität an. Gerade im Alter sei es wichtig, zu wissen, wie man die Orte erreiche, an denen man sich einbringen und austauschen wolle, gibt Lammerich zu bedenken. „Die Wege im Kreis Euskirchen sind lag. Fahrgemeinschaften für Schulkinder sind ganz selbstverständlich“, sagt sie: „Das müsste es auch für Seniorentreffs geben.“
In den ländlicheren Regionen der Eifel bereite auch die ärztliche Versorgung Probleme, erläutert Ilka Rick, Mitarbeiterin des Arzt-Service der AOK. Testweise versuche man telemedizinische Beratungen anzubieten, um dennoch Hilfestellungen geben zu können, führt Rick weiter aus. Es bestehe zudem die Möglichkeit Medizinische Fachangestellte bei Patienten vorbeizuschicken, die zum Beispiel bei der Anpassung der Medikation beraten könnten.
Das komplexe Gesundheitssystem erfordert oft Hilfestellung
Frederik Herkenhoff, Leiter des regionalen Gesundheitsmanagement der AOK, leitet nach dem Thema Mobilität zur Navigation durch das Gesundheitssystem über. „Viele Menschen beschäftigen sich erst mit der eigenen Gesundheit, wenn sie schwer erkrankt sind“, so Herkenhoff. Der 32-Jährige zeigt sich verständnisvoll: „Das Gesundheitssystem ist komplex.“ Bei einigen Menschen sei die Gesundheitskompetenz noch ausbaufähig, ergänzt Jessica Lammerich: „Viele Menschen gehen zu spät oder gar nicht zum Arzt.“ Selbstdiagnosen seien aber fehleranfällig. Die abgeleiteten Fehldiagnosen können laut der Expertin gefährlich werden: „Gerade per Onlinesuche informieren sich viele falsch.“
„Das fängt schon bei Missinformation auf Sozialen Medien an“, pflichtet Ilka Rick, ihr bei. „Es gibt aber auch Internetseiten, die vernünftige Informationen bieten“, so Rick weiter (siehe „Seriöse Gesundheitsinformationen Online“). Dass die eigenständig eingeholte Information den Besuch bei der Ärztin oder dem Arzt nicht ersetzen kann, betonen alle Beteiligten.
Laut Rick ist es wichtig, die Menschen zu informieren und zu sensibilisieren. Daher biete das regionale Gesundheitsmanagement an, Patienten zu begleiten, ergänzt Frederik Herkenhoff: „Um unsere Lotsenfunktion zu erfüllen, ist es wichtig den Hilfesuchenden zuzuhören und die verschiedenen gesundheitlichen Themen zu vernetzen.“ Auch den Angehörigen legt er nahe, Hilfsangebote anzunehmen. Je nach Problem verweist Herkenhoff auf Selbsthilfegruppen als Anlaufstellen.
Auch Unternehmen sollten ihre Angestellten unterstützen
Jürgen Schneider, Leiter der AOK-Filiale in der Kreisstadt Euskirchen, vertritt wie die anderen Experten den Ansatz, sich im Bestfall bereits vor dem Eintritt in die Rente mit der eigenen Gesundheit zu beschäftigen: „Wenn man in jungen Jahren bereits regelmäßig Sport macht und sich gesund ernährt, ist man im Alter durch vieles geschützt – zumindest, wenn man dran bleibt.“ Ein später Einstieg in den Sport sei zwar schwerer, aber dennoch empfehlenswert, so Schneider. Gleiches gelte für die gesunde Ernährung. „Achtsam Leben zahlt sich aus“, fasst es Iris Jagenlauf. „Und es ist wichtig zur Vorsorge zu gehen“, fügt Jessica Lammerich an.
Auf die Gesundheit zu achten, ist aus Sicht der Expertenrunde keine rein individuelle Aufgabe. „Körperliche und Mentale Gesundheit sollen auch in Unternehmen ernst genommen werden“, rät Frederik Herkenhoff. Auch hier gebe es Schulungs- und Informationsangebote seitens der AOK, sagt Jürgen Schneider. Oft habe eine konkrete Beschwerde wie Rückenschmerzen vielschichtige Ursachen, fügt Iris Jagenlauf an. Jürgen Schneider rät, Angebote wie Reha-Sport als Anstoß zu nutzen, um sich fit zu halten.
Eine weitere Dimension der Gesundheit im Alter kann in Suchterkrankungen ausgemacht werden. Jessica Lammerich verweist an dieser Stelle auf den Teilbereich Medikation. Manchen Patienten fehle es hier an Unterstützung durch Fachkräfte, etwa durch Apotheker oder Apothekerinnen. Den Mangel an Fachpersonal identifizieren alle Beteiligten als wachsendes Problem.
Kursangebote der AOK im Kreis Euskirchen
Zwecks Vorbeugung gesundheitlicher Probleme bietet die AOK Rheinland/Hamburg kreisweit zertifizierte Präventionskurse an. Es gibt verschiedene Angebote in den Bereichen Bewegung, Ernährung, Stress- und Suchtbewältigung.
Pro Kalenderjahr bezuschusst die AOK Rheinland/Hamburg bis zu zwei dieser Präventionskurse mit je 100 Euro. Versicherte müssen demnach bei einem 120 Euro Kurs Kosten in Höhe von 20 Euro selbst zahlen.
Beispiele für Präventionskurse im Kreisgebiet sind: Ausdauer auf Dauer - mit Walking und Nordic Walking, Hatha Yoga Sanft für Anfänger/Wiedereinsteiger, Sturzprävention im Alter - zertifizierter Kurs DVGS e. V. und Einheiten zum Thema Kräftigende Wirbelsäulengymnastik. Zunächst werden Übungen für die Wirbelsäule vorgestellt. In einer der späteren Einheiten liegt der Fokus auf der Entspannung bei Überbelastung.
Auswahl an seriösen Gesundheitsinformationen online
Verschiedene Studien zur digitalen Gesundheitskompetenz zeigen, dass einige Menschen sich schwer damit tun, Informationen über Krankheiten oder die Gesundheit zu verarbeiten.
Angesichts von medialer Fehlinformation empfiehlt es sich, vertrauensvolle Quellen zu befragen. Die AOK Rheinland/Hamburg hat einige Webseiten geprüft und verlässliche Quellen aufgelistet :
- gesundheitsinformation.de: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
- gesund.bund.de: Nationales Gesundheitsportal
- patienten-informationen.de: Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin
- krebsinformationsdienst.de: Deutsches Krebsforschungszentrum


