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Ausfall der KommunikationSo können Funker im Kreis Euskirchen im Notfall helfen

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Zwei Männer sitzen in einem Raum voller Technik und sprechen in Funkgeräte.

Die Leitstelle in der Städteregion Aachen wurde von Hans-Jürgen Bersch (l.) in Simmerath betrieben. Franz Scholl unterstützte ihn.

Amateurfunker aus dem Kreis Euskirchen haben eine Notfunkübung organisiert. Mit ihrer Technik können sie helfen, wenn Handys und Telefone ausfallen.  

Was passiert, wenn nichts mehr geht? Kein Strom, kein Telefon, kein Handyempfang. Viele Menschen in der Region haben das miterlebt, als 2021 die Flutkatastrophe die Kommunikation weitgehend lahmlegte. Doch es gibt eine Gruppe Menschen, die auch in so einem Fall Kontakte herstellen können– und das rund um den Globus.

Amateurfunker brauchen zu ihren Geräten nur ein Notstromaggregat oder einen Akku, um Notrufe weiterzugeben oder Hilfe zu organisieren. Damit das im Ernstfall klappt, hatte der Distrikt Köln-Aachen im DARC (Deutscher Amateur-Radio-Club) eine Notfunkübung organisiert. Mit dabei war der Ortsverband G26 Rureifel, zu dem auch die Funker im Kreis Euskirchen gehören.

Es war die neunte Übung dieser Art, wie Peter Schmücking berichtet. Und weil in der Vergangenheit nur wenige Nutzer von CB-Funk oder PMR oder Freenet mitgemacht hätten, habe man dazugelernt und die Übung besser vorbereitet. Für Nicht-Funker: CB-Funk kommt vom Englischen Citizen Band, PMR steht für Personal Mobile Radio und ist eine Jedermann-Funkanwendung. Der OV Rureifel betreibt zwei Amateurfunk-Leitstellen.

Mobile Meldestelle wurde auf dem Donnerberg eingerichtet

Vorsitzender Hans-Jürgen Bersch koordinierte von Simmerath aus die Nachrichten aus der Region Aachen, Klaus Baer war in Schleiden-Schöneseiffen Ansprechpartner für den Kreis Euskirchen. Angefunkt wurden die beiden Leitstellen von mobilen und stationären Meldestellen. Bersch hatte im Laufe der Übung Kontakt mit 32 Meldestellen, davon eine CB- und eine PMR-Station.

Zehn Männer und eine Frau stehen um eine mobile Satellitenschüssel herum.

Den Aufbau der QO-100-Schüssel haben die Funker schon mal ausprobiert.

Er stand in Kontakt mit den Leitstellen im Kreis Heinsberg, im Rheinisch-Bergischen Kreis, im Kreis Euskirchen und im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. Die Leitstelle im Kreis Euskirchen hatte Kontakt mit insgesamt 16 Meldestellen und stand mit den Leitstellen in Leverkusen, im Rheinisch-Bergischen Kreis, Oberbergischen Kreis, Rhein-Erft-Kreis, im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis sowie in den Städten Köln und Düren in Verbindung.

Das Vorhaben steht beispielhaft für den starken Zusammenhalt und die technische Kompetenz innerhalb des Ortsverbands
Peter Schmücking

Schmücking war auf den Donnerberg in Stolberg gefahren und hatte dort eine mobile Meldestelle eingerichtet. Gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth hielt er nicht nur Verbindung zu Hans-Jürgen Bersch in der Leitstelle in Simmerath, sondern nahm auch Meldungen von CB-, PMR- und Freenet-Funkern auf. Das waren noch mal 23, so dass die Funker ihre Übung als vollen Erfolg werten.

Der Ortsverband Rureifel erweitert obendrein seine technische Ausstattung. Am 9. März nimmt eine neue – die vierte – QO-100-Station ihren Betrieb auf. QO 100 ist der erste geostationäre Amateurfunksatellit. Geostationär bedeutet, dass der Satellit über dem Äquator mit der Erdrotation kreist, so dass er, von der Erde aus betrachtet, immer an einem Punkt steht.

Neue Station macht mehr internationale Verbindungen möglich

Besagte Station haben Christian Schlich, Klaus Baer und Andreas Schulze geplant und in Mechernich-Wachendorf installiert. „Das Vorhaben steht beispielhaft für den starken Zusammenhalt und die technische Kompetenz innerhalb des Ortsverbands“, sagt Peter Schmücking, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Die Station eröffne neue Möglichkeiten und mache internationale Verbindungen für mehr Ortsgruppen-Mitglieder möglich.

Weiterbildung wird bei den Amateur-Funkern großgeschrieben. Beim Technik-Treff hat Hans-Jürgen Bersch die Kommunikationstechniken Meshcore und Meshtastic vorgestellt. Sie seien für jedermann zugänglich. Vor allem in Bastlerkreisen beschäftigte man sich mit dieser Möglichkeit, infrastrukturunabhängig Nachrichten zu übermitteln.

Wer Interesse am Funk habe, könne jederzeit einsteigen, heißt es vom Ortsverband Rureifel. Der trifft sich jeden ersten Freitag im Monat um 19 Uhr im Landgasthof Stollenwerk in Simmerath-Steckenborn.

An jedem dritten Freitag im Monat um 19 Uhr findet im Bauernmuseum Lammersdorf ein Ausbildungs-, Technik- und Vortragstreffen statt. Seit Januar läuft ein Amateurfunk-Lehrgang, bei dem man noch mitmachen kann. Er bereitet auf die Lizenzprüfung vor, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Anmelden kann man sich bei Peter Schmücking unter Tel. 02471/ 3105 oder per E-Mail.


Feldtage finden in Schöneseiffen und Mützenich statt

Im März findet die Distriktversammlung Köln-Aachen statt. Am Samstag, 21. März, 13 Uhr, treffen sich Vertreter alles Ortsverbände im Landgasthof Stollenwerk, Im Hech 4, Simmerath-Steckenborn. Im April steht dann am gleichen Ort die Mitgliederversammlung des Ortsverbandes G26 Rureifel an. Am Freitag, 10. April, 19 Uhr, stehen auch Wahlen auf dem Programm. Im Mai machen die Funker beim Kraremanntag in Simmerath mit. Das ist eine Wirtschaftsschau, veranstaltet vom Gewerbeverein Simmerath, die am Sonntag, 3. Mai, ab 10 Uhr in der Ortsmitte stattfindet. Das Thema am Infostand: Was kann Amateurfunk, wenn nichts mehr geht.

Im Juni treffen sich die Funker zum Fieldday. Genau genommen sind es zwei Feldtage. Am Samstag, 6. Juni, ab 16 Uhr und Sonntag, 7. Juni, ab 10 Uhr werden von Schöneseiffen aus mit der Morsetaste weltweite Verbindungen gesucht. Im September finden dann die Fielddays in Mützenich statt. Zelt und Generator werden an der Renertzgasse aufgestellt. Am Samstag, 5. September, ab 14 Uhr und Sonntag, 6. September, ab 10 Uhr wird gefunkt. Die Station, die die Mitglieder des Ortsverbandes einrichten, muss mindestens 100 Meter von der nächsten festen Stromquelle entfernt sein.