Die vierköpfige Jury kürte im Kommerner Freilichtmuseum die Euskirchener Kreis-Sieger im Wettbewerb „Die Gute Form“.
„Die Gute Form“Tischler-Nachwuchs aus dem Kreis Euskirchen mit Gespür für gutes Design

So sehen Sieger aus: Für sein Sideboard mit Massivholzdetails wurde Jan Beyers mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Er nimmt nun am Landeswettbewerb teil.
Copyright: Thorsten Wirtz
Am Ende war es Jan Beyers aus Euskirchen, der sich im Wettbewerb „Die Gute Form“ mit seinem Gesellenstück im Feld der insgesamt sieben Teilnehmenden durchsetzen konnte.
Moment mal: Nur sieben Tischler-Gesellen haben in diesem Jahr im Kreis Euskirchen ihre Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen? „Ja, an einen zahlenmäßig so kleinen Jahrgang kann ich mich tatsächlich auch nicht erinnern“, pflichtet Obermeister Andre Lehser aus Zülpich bei: „Das ist aber die absolute Ausnahme. Der nächste Jahrgang, der im kommenden Jahr die Gesellenprüfung ablegen wird, umfasst wieder rund 15 Auszubildende.“
Gesellenstücke überzeugen mit Design und handwerklicher Qualität
Die geringe Zahl an Konkurrenten soll aber die Leistung von Wettbewerbsgewinner Jan Beyers nicht schmälern. Sein Sideboard mit Massivholzdetails in Eiche überzeugte die Jury mit seiner „herausragenden Handwerklichkeit“, wie es Innungs-Vorstandsmitglied Arno Müller auf den Punkt brachte: „Das ist ein tolles Gesamtpaket – schlicht und dennoch elegant, stimmig und gut durchdacht, fein abgestimmt und mit einer hochwertigen Ausstrahlung.“

Den für ihre Gesellenstücke ausgezeichneten Teilnehmern des Wettbewerbs „Die Gute Form“ gratulierten Arno Müller (l.) und Obermeister Andre Lehser (3.v.r.) von der Tischler-Innung und Kreishandwerksmeister Thomas Rendenbach (r.)
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Auch die Besucher der Feierstunde diskutierten über die ausgestellten Gesellenstücke des Tischler-Nachwuchses aus dem Kreis Euskirchen.
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Beyers, der sein Handwerk in der Tischlerei Horst Küpper in Wüschheim gelernt hat, wird den Kreis Euskirchen nun beim Landeswettbewerb vertreten.
Einig war sich die vierköpfige Jury des Wettbewerbs auch bei den übrigen Preisträgern: Noah Mertens aus Dahlem (Ausbildungsbetrieb: Tischlerei Prasmo, Blankenheim) wurde für seinen Multifunktionsschreibtisch in Nussbaum und Hainbuche mit dem zweiten Platz ausgezeichnet. Hier gefiel die Wandlungsfähigkeit des „360-Grad-Möbelstücks“ ebenso wie die stimmige Farbkomposition, die „kreativ und gut“ ausgeführt worden sei.
Die Waldkante sorgt für den natürlichen Look
Platz drei ging an Jolina Hörnchen aus Harperscheid (Jenniches Treppenbau, Blankenheim). Sie erdachte und baute ein Schränkchen in Eiche mit sogenannter Waldkante, das der Jury aufgrund der harmonischen Proportionen, dem „schönen Materialmix mit sauberer Ausführung und seinem natürlichen Look“ gefiel.
Knapp am Siegerpodest vorbei schrammte Tom Ewertz aus Lechenich mit seinem TV-Lowboard aus Wenge und Zwetschge auf dem vierten Platz, was ihm eine Belobigung der Jurymitglieder Nicole Johag, Nadja Lehser, Kerstin Gauliard und Dr. Carsten Vorwig einbrachte. Vorwig, Leiter des Kommerner Freilichtmuseums, freute sich besonders über die gute Platzierung von Ewertz, denn er wurde in der museumseigenen Tischlerwerkstatt in Kommern ausgebildet, wo auch die Bekanntgabe der Sieger stattfand.
Kreishandwerksmeister Thomas Rendenbach, der als Installateur und Heizungsbauer mit Holz meist nur als Brennstoff in Berührung kommt, brachte seinen großen Respekt vor der handwerklichen Leistung der Tischlergesellen zum Ausdruck: „Sie alle haben bewiesen, dass Sie das Material nicht nur bearbeiten können, sondern es auch verstehen.“ Die gezeigten Gesellenstücke seien ein Statement für Nachhaltigkeit und Qualität.
Berufsaussichten im Tischlerhandwerk sind „sehr gut“
Auch Obermeister Andre Lehser schlug eine Bresche für den Möbelbau als ureigenste Aufgabe seines Handwerks. „Das haben viele Leute ja gar nicht mehr im Blick, dass wir Möbel aller Art oder auch ganze Kücheneinrichtungen individuell auf die Bedürfnisse der Kunden ausrichten können. Stattdessen rennen alle ins Küchenstudio.“
Die Berufsaussichten im Tischlerhandwerk schätzt Lehser trotzdem als sehr gut ein: „Aktuell stehen viele Betriebe vor einem Generationswechsel, finden aber keine Nachfolger. Das ist gleichzeitig aber auch die Chance für engagierte und einsatzwillige Nachwuchskräfte, sich in einem zukunftsträchtigen Beruf eine eigene Existenz aufzubauen.“
