Der Kreis Euskirchen bietet in Sachen Flohmarkt eine große Vielfalt an Angeboten, Anbietern und Kunden. Wir stellen die Termine zusammen.
Sachtzsuche an TapeziertischenDie Trödelmarkt-Saison im Kreis Euskirchen beginnt

Als Trödelkönigin beim Frauenflohmarkt in Mechernich gilt Melitta Müller aus Euskirchen (r.). Kundin Birgit inspiziert ihr Angebot.
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Trödelmärkte leben von der Lust auf Schatzsuche, seltener von der Suche nach nur Nützlichem. Hier gilt: Rares ist Wahres – meistens.
Dieses Sofa ist zu barock um echt zu sein. Doch Gelsenkirchener Barock der Nachkriegszeit hat ja immer noch seine Freunde. Darauf setzt gerade Rainer Bauer, Vorsitzender des Tierschutzvereins Mechernich, und fläzt sich ins leicht verblichene, altrote Polster. Das sei günstig abzugeben, sagt Bauer. Vor dem Tierheim in Burgfey reihen sich die Autos der Besucher auf den schmalen Parkstreifen aneinander. Seit zehn Jahren veranstalten Bauer und sein Team jeden Mittwoch den Flohmarkt, einmal im Monat auch sonntags mit Kaffee, Kuchen und Gegrilltem.
Trödelmarkt hilft bei Finanzierung des Tierheims in Mechernich
„Das ist eigentlich eine Art Treffpunkt. Die Leute halten ihr Schwätzchen“, sagt Bauer und schmunzelt. Ein kleiner Sonntagnachmittagsausflug zum Flohmarkt, bei dem auch das Barocksofa vielleicht einen neuen Besitzer findet. „Wir finanzieren das Tierheim ausschließlich von Geldspenden und dem, was wir vom Erlös aus dem für unsere Flohmärkte Gespendeten verkaufen“, betont Bauer. Der Verein muss ein neues Hundehaus bauen, der vorhandene Platz reicht nicht mehr. Kostenpunkt: rund 445.000 Euro. Knapp die Hälfte fehlt noch. Also soll getrödelt werden.
Dass sie beim Tierheim-Flohmarkt mit dem Kauf was Gutes tun, ist vielen Besuchern bewusst. Über rund 50 Meter entlang der Außenmauer des Katzenhauses Luise ist ein schlauchartiger, überdachter Gang gebaut, wo Kurioses, Nützliches und mehr auf den Tischen zu finden ist. Hundert Teile verschieden gemusterter weiß-blauer Porzellanservices. Oder ein ganzer Tisch mit Kristallvasen, Schüsseln und Gläsern. Und natürlich Saisonware. Monika aus Schönau hat sich schnell entschieden: Gelbe Plastikeier sollen es sein für die Sträucher im Garten – ist ja bald Ostern. Brauchen tut sie das nicht. Aber wenn es auch noch günstig ist?

Frühlingshaftes für den Garten: Monika aus Schönau ist bei den Deko-Artikeln fündig geworden.
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„Zu uns können Sie jedenfalls mal kommen, wenn Sie was für Ihren Hund oder ihre Katze suchen“, wirbt Tierheimmitarbeiterin Heike wenige Meter weiter in der Zubehörabteilung des Flohmarktes. Stapelweise Transportkisten, bündelweise Leinen, Kratzbäume für Hauskatzen, Fressnäpfe – die Auswahl sei immer ausreichend und gut. Das sehen offenbar viele Flohmarktbesucher ähnlich.
Der Frauenflohmarkt in Mechernich hat Tradition
Ein Floh- oder Trödelmarkt ist schon dann eine gute Sache, wenn er sich an ein klar definiertes Publikum richtet. Das gilt bei den Tierfreunden genauso wie beim zweimal im Jahr von der TuS Mechernich veranstalteten Frauenflohmarkt in der Dreifachturnhalle. 100 Ausstellerinnen, dicht umwuselt von Interessentinnen aus einem Umkreis von rund 30 Kilometern, sind bei der Frühjahrsausgabe dabei. „Wir hatten die doppelte Menge an Anmeldungen und mussten die Standplätze wieder verlosen“, so Eva Schneider, die mit Katja Bartsch das Angebot aus Textilien, Schuhen oder Haushaltswäsche organisiert. Ausstellertische können bei Bedarf gemietet werden, es gibt einen Belegungsplan, zwei Umkleidepavillons. Nur Standspiegel müssen die Händlerinnen bei Bedarf selbst mitbringen.
Und da die familiäre Atmosphäre den beiden TuS-Frauen wichtig ist, werden alle Ausstellerinnen mit einem Glas Sekt begrüßt. Dafür revanchieren sich einige, indem sie Kuchen für das Flohmarktcafé spenden. Hier werden die Männer der Käuferinnen geparkt. „Sie sind an diesem Tag Deko. Sie bringen Gekauftes schon mal zum Auto“, sagt Eva Schneider grinsend.
Auf dem Flohmarkt ein Outfit fürs Oktoberfest finden
100 Ausstellerinnen – aber was macht die Supersellerin aus? Das wüssten auch Jennifer und Martina Franken aus Much gerne. Sie sind zum ersten Mal dabei, haben rund 400 Stück Damenoberbekleidung für alle Jahreszeiten, Handtücher und Decken auf den Tischen drapiert. Was ist das eine, das besondere Stück darunter? Jennifer Franken greift zu einer Lederhose für Sie, dazu eine rot-weiß gepunktete Dirndlbluse: „Fürs Oktoberfest in der Eifel!“
Ob es verkauft wird? Dazu gehört einiges mehr als nur auf die Kleiderstange zu hängen. Melitta Müller aus Euskirchen hätte da ein paar Tipps aus vielen Jahren erfolgreichen Trödelns. „Wir müssen als Händlerinnen ehrlich sein. Man darf nicht verkaufen, nur weil man es weghaben will“, sagt die Dame mit den wachen Augen an ihrem Verkaufstisch. Kundin Birgit aus Kommern wirft nur einen kurzen Blick auf Müllers Angebot: „Ihre Sachen sind immer gut.“ Das ist schon die halbe Kaufentscheidung.
Ehrlichkeit und gue Präsentation machen einen Flohmarktstand aus
Aber nötig habe sie hier nichts, sagt Birgit. Da soll kein falscher Eindruck entstehen. Das bloße Stöbern ist andererseits auch nicht das Ziel. „Ich habe zwei Töchter, die haben die gleiche Figur wie ich und freuen sich, wenn es etwas Neues gibt.“ Was infrage komme, sei eben das, „was mir hier bei Melitta einfach so vor die Füße fällt“.
Am Nachbarstand sieht Alexa Sabel aus Ülpenich es wie Melitta Müller. Auch sie gilt nach Einschätzung von Mitveranstalterin Katja Bartsch als Trödelkönigin: „Wenn ich sehe, dass es einer Kundin nicht steht, was sie ausgewählt und anprobiert hat, dann sage ich es ihr auch: Das ist zu eng, das ziehen Sie lieber wieder aus!“ Ehrlichkeit, und dass die Ware gut präsentiert wird und sauber ist. Das ist auch Martina aus Wichterich wichtig, die an Sabels Stand drei T-Shirts findet. Was für diese nicht unbedingt die Top-Textilie ihres Angebotes ist: „Das ist die klassische deutsche Übergangsjacke: für den Sommer zu warm, für den Winter zu dünn. Fühlen Sie mal.“
Stadt Euskirchen hat die Zahl der Trödelmärkte deutlich reduziert
Ortswechsel zum Mühlenpark. Auch hier startet die Trödelsaison. Doch Andreas Bengel ist sauer. Warum solle er gut finden, was aus seiner Sicht die Stadt Euskirchen ihm gegenüber bis heute nicht richtig begründet hat, aber sein Geschäftsmodell direkt betreffe. 2021 war die Zahl der Floh- und Trödelmärkte in der Kreisstadt von 26 auf zwölf drastisch reduziert worden. Eine Händlerpetition dagegen sei 2023 erfolglos geblieben. Bengel ist einer der großen Floh- und Trödelmarktveranstalter der Region.
Im Mühlenpark veranstaltet er acht bis neun Märkte pro Jahr, zum Saisonauftakt sind rund 50 Aussteller vertreten. Der erste große Open-Air-Markt des Jahres ist gut besucht. „Hier gibt es eben so ziemlich alles“, sagt Bengel, dessen Frust verflogen ist. Nach seinen Angaben gibt es zu 95 Prozent Gebrauchtes und Altes. Nur weniges sei Neuware.

Flohmarkt-Veranstalter sind Andreas (r.) und Moritz Bengel.
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Den ganzen Mühlenpark entlang sind die Stände aufgebaut, meist vor den Autos der Anbieter. Die Sonne scheint, es grünt frühlingshaft, der Mühlenbach plätschert. Mehr Trödelidylle geht kaum. Auch wegen dieser Atmosphäre ist der Mühlenpark bei Trödlern wie Kunden weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt und beliebt. „Das ist eben was anderes, als auf einem Supermarktparkplatz zu stehen“, stimmt Moritz Bengel zu.
Ein altes Schulbus-Schild als Geschenk für einen Freund
Der Juniorchef versucht gerade, das Parkplatzchaos zu bändigen. Wo die einen gerade ankommen, ist das Ehepaar Willems aus Düttling auf dem Rückweg. Sie haben ein Haltestellenschild der Dürener Kreisbahn erstanden und eine alte, natürlich vollständige Spielesammlung. Für zusammen 15 Euro. Das Schulbus-Schild – ein Wert für den, der ihn zu schätzen weiß – sei ein Geschenk für einen Freund, der 40 Jahre lang den Schulbus gefahren habe. Wo sonst hätten die Willems eine solche Rarität finden sollen?

Alte Schätzchen: Das Schulbus-Schild und eine Spielesammlung haben die Eheleute Willems aus Düttling gefunden.
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Anderes wird auch deshalb gekauft, weil es sonst zu teuer wäre. In Zeiten, in denen das Geld bei vielen knapper ist, haben Floh- und Trödelmärkte Konjunktur. Marktveranstalter Andreas Bengel bestätigt das: „Die Zahlen der Aussteller wie der Besucher sind auf jeden Fall stabil. Die Leute, die hier hinkommen, das ist querbeet, durch alle sozialen Schichten.“
Um im Gemisch aus Massenware, aus Material, das eher zum Schrottwichteln taugt, aus Ausgeräumtem aus Dachboden, Keller oder Schuppen, Nützlichem aus Haushaltsauflösungen, Nippes oder Schönem aufzufallen, schaden Ideen nicht. Es reicht nicht immer aus, über Verhandlungsgeschick und Überzeugungsgabe sowie eine Top-Präsentation der Ware, wie es Andreas Bengel empfiehlt, zu verfügen.
Ein pinkfarbener BH soll auf Anglerware aufmerksam machen
Also hat sich Josef Stein aus Blankenheim eine lange Angelrute genommen und auf die Spitze einen leuchtend pinkfarbenen BH gesteckt. Eine Art Signalfahne, vielleicht aber zwei Meter zu hoch. Geht der Blick des Trödelkunden nicht tendenziell eher nach unten in Richtung der auf dem Wiesengrün abgestellten, in Kisten eingepackten, oder auf den Tischen ausgelegten Ware? Stein ist an diesem Tag einer von Sechsen aus dem Trödeltrupp Eifel mit Händlern aus Blankenheim, Sistig, Rinnen und Eichen. Er hat sich auf Angelzubehör spezialisiert. Daher sei die BH-Fahne an der Angelrute weithin sichtbares Zeichen für die Klientel, wo er zu finden sei. Warum Angelzubehör?
„Suchen Sie mal nach einem Fachgeschäft in der Nähe. Gibt es nicht“, ist die Antwort. Er beziehe Ruten, Rollen, Schnüre und Bremsen aus Ladenauflösungen deutschlandweit. Da er das Sortiment auch online anbietet, hat Stein ein Kleingewerbe angemeldet. Die Kumpels aus dem Trödeltrupp hingegen seien nur privat unterwegs. 500 Meter monofile Angelschnur für den zehn bis zwölf Kilo schweren Fisch kosten bei ihm zwei statt sechs Euro. Das schätzen seine Kunden.
„Mystery Packs“ machen den Trödelkauf zur Überraschung
„Ich hätte mir auch ein Hologramm von Mike Tyson gekauft, den hatten sie aber nicht.“ Can, 14, aus Euskirchen, ist ein schmaler Teenager, dem man nicht ansieht, dass er Boxer ist. Doch er trainiert in seinem Club in Euskirchen, und dafür lebt er auch ein bisschen. Jedenfalls sei Tyson für ihn ein Vorbild ebenso wie GOAT (The Greatest of all Times), Muhammad Ali. Der wiederum war als exzellenter Techniker bekannt, der seine Gegner umtanzte und wie eine Biene „zustach“. Muss man nicht, kann man aber wissen, um zu verstehen, warum Can sich gerade so freut. Er hat ein Hologramm von Ali erstanden.

„Mystery Packs“ inspiziert Familie Havel aus Heimbach.
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Flohmärkte können eben glücklich machen. Doch nur wer wagt, der gewinnt. Vielleicht. Das ist Familie Halver aus Heimbach klar. Am Tisch mit den „Mystery Packs“, die eine Händlerin ausgebreitet hat, ist nur Verpackung, aber keine Ware zu sehen: Sorgfältig zugeklebte, mal dicke, mal dünne gepolsterte weiße Paketbriefumschläge. Die Absenderangaben lassen auf eine Herkunft aus Polen schließen. Beim Abtasten wird nur klar, ob es sich um weiche Gegenstände handelt, die mal schwerer, mal leichter wiegen, oder um kantiges, in Kistchen verpacktes. „Es sind lauter Retouren, die Kunden zurückgeschickt haben. Paletten-Ware“, sagt die Händlerin knapp.
Hier wird das Trödeln zum Kauf einer Überraschung. Es geht nicht um Beratung, nicht um Produktvergleich, um Ausprobieren oder das Abwägen von Preis und Angebot. Sondern um Spekulation – den Lottogewinn oder die Niete. „Da war auch schon mal ein Handy drin, oder Schmuck“, lautet das unüberprüfbare Glücksversprechen der Händlerin. Vielleicht ist es dieses Mal aber nur ein paar Socken.
Mehrere Kinderflohmärkte am Wochenende im Krei Euskirchen
Getrödelt wird an diesem Wochenende in Blankenheim und Weilerswist. In Blankenheim findet am Samstag, 14. März, in der Aula der Gesamtschule von 11 bis 14 Uhr eine Fahrradbörse statt. Fahrräder, Roller, Bobbycars, Puppenwagen und vieles mehr werden auf Kommission verkauft. Alles rund ums Kind gibt es am Sonntag, 15. März, in der Erft-Swist-Halle in Weilerswist. Hier findet von 11 bis 15 Uhr eine Kinderbörse statt. Dort warten wieder rund 100 Stände, die ausschließlich mit Baby- und Kindersachen bestückt werden.
Eltern können auch am darauffolgenden Wochenende auf Schnäppchenjagd gehen. Denn sowohl am Samstag, 21. März, als auch am Sonntag, 22. März, findet ein Kinderflohmarkt im Kreis Euskirchen statt. Los geht es am Samstag in Schmidtheim. Zwischen 13 und 16 Uhr werden hier Kindersachen im Bürgerhaus verkauft.
Wer hier nicht fündig wird, kann dann am Sonntag nach Kommern fahren. Dort findet der Kindertrödelmarkt von 11 bis 14 Uhr in der Bürgerhalle statt. Verkauft wird alles rund ums Kind von Kleidung bis Spielzeug. Wer selbst etwas verkaufen möchte, kann sich unter Tel. 01 77/8 01 95 03 anmelden. Am Sonntag, 29. März, findet von 9 bis 15 Uhr der allmonatliche Kinderflohmarkt auf dem Krewelshof in Firmenich-Obergartzem statt.
Wir suchen noch mehr Trödelmärkte
Damit niemand etwas verpasst, sucht die Redaktion nicht nach Schätzen und Altertümchen, sondern nach den ganzen Terminen, um Ihnen eine Übersicht rund ums Trödeln bieten zu können: Dorftrödel, Garagentrödel, Kinderbörsen. Dafür brauchen wir aber Unterstützung: Wenn Sie in Ihrem Ort, Ihrer Nachbarschaft oder auf Ihrem Hof einen Trödel planen, dann teilen Sie uns das bitte mit: Datum und Uhrzeit, Ort, eine kurze Beschreibung (beispielsweise Garagenverkauf, Kindersachenbörse usw.) und eine Kontaktmöglichkeit.
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