Abo

KrisenvorsorgeAuch die Betriebe sollten einen Notfallkoffer anlegen

3 min
Helfer des THW stehen an der deutsch-belgischen Grenze an einer Wassertankstation.

Die Evakuierungen im Zuge der Waldbrände im Hürtgenwald und im Hohen Venn haben gezeigt, dass im Ernstfall kaum Zeit ist, einen Notfallkoffer zu packen. 

Krisenvorsorge gilt nicht nur für Privatleute. Die Handwerkskammer Aachen stellt für Unternehmen Listen zur Verfügung.

Durch die Flutkatastrophe haben die Menschen in der Region leidvoll erfahren, wie schnell eine Notsituation eintreten kann. Die Waldbrände im Hürtgenwald und im Hohen Venn mit den Evakuierungen von Gey und Teilen Kalterherbergs haben dies erneut vor Augen geführt. Doch auch deutlich weniger dramatische Gegebenheiten können dazu führen, dass die Menschen schnell und ohne Vorbereitung ihre Häuser verlassen müssen – beispielsweise dann, wenn eine Weltkriegsbombe entschärft werden muss.

Für derartige Fälle weisen Katastrophenschützer immer wieder auf den Wert der Vorsorge hin. Einen Notfallrucksack griffbereit und wichtige Dokumente gesichert zu haben, gehört etwa dazu. Was neben Kleidung, Verpflegung und Medikamenten für ein paar Tage in solch einen Rucksack gehört und was neben Ausweisen, Urkunden und wichtigen Verträgen beispielsweise in eine Dokumentenmappe sollte, stellt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Listen auf seinen Internetseiten zur Verfügung.

Der Notfallkoffer muss regelmäßig aktualisiert werden

Nun macht die Handwerkskammer Aachen darauf aufmerksam, dass auch Betriebe entsprechende Vorkehrungen treffen sollten, da sie genauso betroffen sind, wenn Häuser nicht genutzt werden können. „Wenn Werkstatt, Büro oder Lager plötzlich nicht mehr nutzbar sind, muss vieles gleichzeitig organisiert werden: Versicherungen sind zu informieren, Mitarbeitende zu koordinieren, Kundinnen und Kunden über Verzögerungen zu unterrichten und laufende Aufträge neu zu planen. Gleichzeitig müssen wichtige Verträge, Kontaktdaten und betriebliche Informationen verfügbar bleiben“, beschreibt Kammer-Präsident Marco Herwartz in einer Mitteilung die Herausforderungen.

Die Kammer rät zu einem digitalen Notfallkoffer. Die Informationen, die erforderlich sind, um im Ernstfall einen Betrieb fortführen zu können, müssen an einem sicheren Ort gespeichert und regelmäßig aktualisiert werden. Zu einer halbjährlichen Prüfung sowie nach größeren Veränderungen, so rät die Kammer in ihrer Mitteilung.

Handwerkskammer gibt Tipps, was gesichert werden sollte

Auch auf vermeintlich Selbstverständliches, das schnell vergessen werden kann, weist die Kammer hin: Ein Notfallkoffer hat im Unternehmen nichts verloren – jedenfalls darf er nicht ausschließlich dort hinterlegt sein, da durch Feuer oder Wasser lokale Datensicherungen zerstört werden können. Für Daten empfiehlt die Kammer sichere Cloudanbieter, für Dokumente die Hinterlegung im Bankschließfach oder beim Steuerberater.

Die Liste der Dinge, die aus Sicht der Kammer in einen Notfallkoffer gehören, ist vergleichsweise lang. Versicherungsunterlagen samt Ansprechpartnern werden ebenso genannt wie Betriebs- und Vertragsunterlagen, Informationen zu Aufträgen oder Finanz- und Steuerinformationen. Eine aktuelle Foto- oder Videodokumentation von Werkstätten, Maschinen, Fahrzeugen, Werkzeugen und Lagerbeständen könne ebenso hilfreich sein wie eine Inventarliste dazu. Enorm wichtig sind Kontaktdaten: die der Mitarbeiter, von Kunden und Lieferanten oder Ansprechpartner bei Banken oder Steuerberatung. Für den IT -Bereich sollten zudem Informationen zur eingesetzten Software und Backups hinterlegt sein.

Passwörter, personenbezogene und sensible Daten müssen besonders gesichert werden. Auch muss insgesamt festgelegt werden, wer im Ernstfall Zugriff auf welche Informationen hat. Das klingt zwar nach einer Menge Arbeit, doch Kurt Krüger, Leiter der Unternehmensberatung der Kammer, sagt: „Krisenvorsorge muss nicht kompliziert sein. Entscheidend ist, überhaupt damit anzufangen und klare Strukturen zu schaffen.“ Und: „Gerade in kleineren Handwerksbetrieben liegt wichtiges Wissen häufig bei wenigen Personen. Ein gut gepflegter Notfallkoffer sorgt dafür, dass dieses Wissen auch dann verfügbar ist, wenn schnell gehandelt werden muss.“

Auch die Handwerkskammer stellt entsprechende Listen für den Notfallkoffer auf ihrer Internetseite zur Verfügung. Zudem unterstützt sie ihre Mitglieder beim Aufbau eines solchen Koffers und berät in einem Notfall. (rha)