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InfrastrukturStromversorgung im Kreis Euskirchen ist seit Jahresbeginn neu geregelt

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Ein Gewitter im Sonnenuntergang über dem Rhein-Erft-Kreis/Kreis Euskirchen. Im Sonnenuntergang drehen sich am Horizont Windräder.

Strom wird im Kreis Euskirchen mittlerweile auf verschiedene Arten produziert – teilweise bei schönstem Farbenspiel am Himmel.

Die Euskirchener e-regio übernimmt die Netze in Euskirchen und Bad Münstereifel, während sich Westnetz nun um Mechernich kümmert.

Seit dem 1. Januar sind Teile der Energieversorgung im Kreis Euskirchen neu geregelt. Die e-regio Netz GmbH, Tochtergesellschaft des regionalen Energieunternehmens e-regio, übernimmt zusätzlich den operativen Betrieb des Stromnetzes in den Stadtgebieten von Euskirchen und Bad Münstereifel. Damit geht die Verantwortung vom bisherigen Betreiber Westnetz GmbH an e-regio über.

Im Kreis Euskirchen gibt es nach Angaben von Ilona Schäfer, Pressesprecherin der e-regio, beim „Strom“ keinen übergreifenden Verteilnetzbetreiber: Jede Kommune entscheidet Schäfer zufolge selbst darüber, welches Unternehmen das Stromnetz betreibt. Dabei vergeben die Kommunen an die Unternehmen sogenannte Konzessionen.

Die Konzessionsinhaber haben dann das Recht, das Stromnetz zu betreiben und auszubauen. Die entsprechenden Verträge haben laut Schäfer eine maximale Laufzeit von 20 Jahren. Anschließend werden sie neu vergeben. Im Zuge dieser Konzessionsverfahren könne es auch zu einem Eigentumsübergang der Stromnetze zwischen dem bisherigen und dem neuen Konzessionär kommen.

E-regio ist jetzt für einen Großteil des Kreises Euskirchen zuständig

Die Netzgesellschaften e-regio Netz GmbH und die Stromnetz Euskirchen GmbH & Co. KG, beide hundertprozentige Töchter von e-regio, sind solche Konzessionsnehmer und Netzeigentümer in den Kommunen Bad Münstereifel, Blankenheim, Dahlem, Euskirchen, Heimbach, Hellenthal, Kall, Nettersheim und Schleiden.

Wir wollen die Energiezukunft aktiv gestalten.
Markus Böhm, Geschäftsführer der e-regio

Bisher hatten die Netzgesellschaften den Netzbetrieb über ein Pacht- und Dienstleistungsmodell an Westnetz übertragen – eine Entscheidung, die auf die Zeit weit vor der Fusion von Energie Nordeifel (ene) und e-regio im Jahr 2019 zurückgeht. Damals sei das Netzgebiet insgesamt kleiner gewesen und das Modell mit der Westnetz in der Bewirtschaftung der Netze habe als effizient gegolten.

Mit dem Zusammenschluss und der Erweiterung des Netzgebiets, insbesondere um die Stadt Euskirchen, änderte sich das. „Wir wollen die Energiezukunft aktiv gestalten“, erklärt Markus Böhm, Geschäftsführer von e-regio: „Als Netzbetreiber übernehmen wir nicht nur Verantwortung für die Versorgungssicherheit, sondern bauen die Netze aus, machen sie smarter und digitaler – als Grundlage für die Energiewelt von morgen.“

50.000 Hausanschlüsse, 90.000 Zähler und 3200 Kilometer Stromleitungen

Für die Menschen in den betroffenen Städten bringt der Wechsel aus Sicht des Energieunternehmens klare Vorteile. „Die Zuständigkeiten werden einfacher und transparenter: Gemeindegrenze ist künftig auch Zuständigkeitsgrenze“, sagt Dr. Pascal Köhn, Geschäftsleiter für Strom und Energietechnik bei e-regio: „So gibt es in den Konzessionskommunen künftig einen eindeutigen Ansprechpartner für Strom und Gas. Durch die übergreifende Verantwortung entstehen Synergien, etwa bei gemeinsamen Baumaßnahmen, die wir schneller und effizienter umsetzen können.“

Masten und Drähte einer Hochspannungsleitung sind vor der untergehenden Sonne zu sehen.

Neue Zuständigkeiten: Die e-regio weitet ihren Stromnetzbetrieb im Kreis Euskirchen aus.

Ab 2026 ist e-regio im erweiterten Stromnetzgebiet für rund 50.000 Hausanschlüsse, fast 90.000 Zähler und mehr als 3200 Kilometer Stromleitungen verantwortlich. Schon in den vergangenen Jahren hatte das Unternehmen sukzessive Aufgaben von Westnetz übernommen und Personal in Planung, Bau, Instandhaltung und Messstellenbetrieb aufgestockt.

Für Bürgerinnen und Bürger bleibe die Kontaktaufnahme einfach: Alle Informationen rund um Netzanschlüsse, Baustrom, Photovoltaikanlagen, Wallboxen oder Zählerwechsel gibt es auf der Homepage des Energieunternehmens. Der Bereitschaftsdienst von e-regio ist rund um die Uhr unter der Nummer 0800-708 7878 erreichbar.

In Mechernich kommt es für die Verbraucher zu Änderungen

In Mechernich ergibt sich dagegen eine andere Lösung: Dort übernimmt Westnetz seit Jahresbeginn vollständig den Betrieb des Stromnetzes – und wird damit für das gesamte Stadtgebiet verantwortlich. Bisher war Westnetz nur im Norden tätig, während e-regio für Teile im Süden zuständig war. Eigentümerin des Mechernicher Stromnetzes bleibt die Energie Mechernich GmbH & Co. KG.

Mit der Neuordnung endet eine historisch gewachsene Aufteilung, die noch auf die alten Kreisgrenzen zwischen Euskirchen und Schleiden zurückging. Innerhalb einiger Kommunen verliefen dadurch bislang Netzgrenzen mitten durch Ortschaften – mit unterschiedlichen Ansprechpartnern. Diese Doppelstrukturen werden nun beseitigt.

Auch für den südlichen Teil des Stadtgebiets ist jetzt Westnetz zuständig

Für Mechernich gilt künftig: Westnetz ist zentraler Ansprechpartner für alle Anliegen rund ums Stromnetz. Bestehende Anschlüsse bleiben unverändert, neue Anträge – etwa für Netzanschlüsse, Einspeisungen oder Zählereinbauten – müssen über die Homepage von Westnetz gestellt werden. Bei Störungen ist der Westnetz-Bereitschaftsdienst unter 0800-411 22 44 rund um die Uhr erreichbar.

Vom Wechsel betroffen sind im Stadtgebiet Mechernich die Orte Berg, Bergbuir, Bescheid, Bleibuir, Breitenbenden, Denrath, Dreimühlen, Eicks, Eiserfrey, Floisdorf, Glehn, Harzheim, Holzheim, Hostel, Kalenberg, Kallmuth, Lorbach, Lückerath, Mechernich, Schützendorf, Stollenhütte, Vollem, Voißel, Vussem, Weißenbrunnen, Weyer, und Wielspütz.

Insgesamt zeigt sich mit der Neuordnung ein klareres Bild der Netzlandschaft im Kreis: Die e-regio verantwortet als Konzessionsnehmer, Netzbetreiber und Betriebsführer die Stromnetze in den Kommunen, in denen das Unternehmen auch Eigentürmer der Netze ist, während Westnetz im Stadtgebiet Mechernich die vollständige Zuständigkeit übernimmt. Beide Unternehmen betonen, dass die Umstellung frühzeitig und partnerschaftlich vorbereitet wurde – mit einem Ziel: „Eine zuverlässige, zukunftsfähige und regionale Energieversorgung.“


„Eine hundertprozentige Sicherheit gegen Sabotageakte gibt es nicht“

Nach den jüngsten Diskussionen über mögliche Sabotageakte und großflächige Stromausfälle unterstreicht das regionale Energieunternehmen e-regio seine umfangreichen Sicherheits- und Krisenstrukturen. „Eine hundertprozentige Sicherheit vor gezielten Angriffen oder außergewöhnlichen Ereignissen gibt es nicht. Doch wir sind gut vorbereitet“, sagt Ilona Schäfer, Pressesprecherin der e-regio.

Die Flutkatastrophe im Jahr 2021 habe gezeigt, dass unvorhersehbare Extremsituationen jederzeit eintreten können. „Unsere Priorität ist dann klar: die Versorgung so schnell wie möglich wiederherzustellen“, so Schäfer. Die e-regio setzt nach eigenen Angaben auf hohe Sicherheitsstandards und ein technisches Sicherheitsmanagement, das die gesamte Energieinfrastruktur umfasst. Auf konkrete Details könne man aus Sicherheitsgründen zwar nicht eingehen, betont Schäfer, doch das Unternehmen sei mit einem 24-Stunden-Bereitschaftsdienst ausgestattet. Dieser sei an 365 Tagen im Jahr erreichbar. Im Schadensfall könne e-regio zusätzliches Personal aktivieren und auf eigene Materialreserven zurückgreifen, um Reparaturen schnell durchzuführen.

Notstromversorgung für kritische Infrastruktur im Kreis Euskirchen

Um die Stromversorgung möglichst stabil zu halten, verfüge das Netz über Redundanzen, die im Störungsfall schnelle Umschaltungen ermöglichen. So können laut Schäfer betroffene Bereiche rasch wieder mit Energie versorgt werden. Zudem stehen Notstromaggregate bereit, um kritische Infrastrukturen wie die Wasserversorgung auch im Notfall aufrechtzuerhalten. Als Netzbetreiber ist e-regio für die Mittel- und Niederspannungsebene zuständig – also für das Netz, an dem deutlich weniger Haushalte und Betriebe hängen als im übergeordneten Hochspannungsnetz. Dieses wird in der Region von Westnetz betrieben.

Komme es dennoch zu großflächigen oder länger andauernden Stromausfällen, greifen der e-regio zufolge die Strukturen des Katastrophenschutzes. „Welche Maßnahmen dann für die Bevölkerung ergriffen werden, entscheiden die zuständigen Behörden. Wir stehen in solchen Fällen im engen Austausch mit ihnen“, betont Schäfer. Die Westnetz ergänzt, dass sie die Sicherheitslage genau beobachte und mit staatlichen Stellen Hand in Hand arbeite.