Mehr als 30 touristische Ziele im Kreis Euskirchen präsentierten sich am Sonntag den Gästen aus der eigenen Heimat. Wir haben zwei Veranstaltungen besucht.
Zu Gast in der HeimatAuf verschlungenen Pfaden zu versteckten Schätzen im Kreis Euskirchen

In der Römischen Kalkbrennerei in Iversheim erklärte Johannes Zavelberg (l.), wie der Baustoff in der Antike hergestellt wurde.
Copyright: Thorsten Wirtz
Es war fast so, als hätten die Organisatoren an Marion Judick gedacht, als sie das Programm für den diesjährigen Aktionstag „Zu Gast in der eigenen Heimat“ konzipierten. „Ich bin hier schon so oft dran vorbeigefahren“, berichtete die Stotzheimerin am Sonntag, als sie an der Römischen Kalkbrennerei in Iversheim aus dem Auto stieg, „aber heute habe ich gesagt: Das schaue ich mir jetzt endlich mal an.“
Genau das ist das erklärte Ziel der Veranstaltung, die am Sonntag zum wiederholten Male an mehr als 30 touristisch interessanten Zielen im gesamten Kreis Euskirchen stattfand: Den Menschen aus der Region zu vermitteln, welche Schätze es in Natur und Kultur direkt vor der eigenen Haustür zu entdecken gibt.
Im vergangenen Jahr hatten wir etwa 500 Besucher. Wohlgemerkt: im gesamten Jahr.
In Iversheim trifft die Bezeichnung „Schatz“ in besonderer Weise zu, denn immerhin handelt es sich bei der altrömischen Industrieanlage, die Ende der 1960er-Jahre bei Kanalbauarbeiten entdeckt worden war, um die höchstdekorierte antike Fundstätte im Kreisgebiet. „Im Jahr 2021 sind wir als Teil des Niedergermanischen Limes in die Liste der Unesco-Welterbestätten aufgenommen worden“, berichtet Harald Musal vom Dorfverschönerungs-Verein Iversheim stolz. In der Saison kümmert er sich zusammen mit einigen Mitstreitern um die Instandhaltung des Denkmals und bietet Führungen für Interessierte an.
Iversheimer Denkmal steht in einer Reihe mit Schloss Neuschwanstein
Obwohl die Kalkbrennerei als Welterbestätte Mitglied eines illustren Zirkels ist – in Deutschland zählen zum Beispiel die Schlösser des Märchenkönigs Ludwig II., der Kölner Dom und das römische Trier dazu – wird man in Iversheim in der Regel nicht unbedingt von Touristen totgetrampelt, um es einmal flapsig zu formulieren. „Im vergangenen Jahr hatten wir etwa 500 Besucher“, berichtet Musal: „Wohlgemerkt: im gesamten Jahr.“

Die Römischen Kalkbrennerei in Iversheim steht als Teil des Niedergermanischen Limes auf der UNESCO-Welterbeliste.
Copyright: Thorsten Wirtz

Wie war das doch gleich mit dem Kalk als Baustoff? - Auf einer Tafel werden die chemischen Prozesse des Kalkbrennens erläutert.
Copyright: Thorsten Wirtz
Entsprechend froh ist Musal über den Andrang am Aktionstag, der wieder von der Nordeifel Tourismus GmbH (NET) geplant worden war: „Gleich zu Beginn hatten wir eine 17-köpfige Gruppe zu Gast – so kann es gerne weitergehen.“ Unterstützt wurde er am Sonntag bei der Besucherbetreuung von Johannes Zavelberg aus Odendorf, der mit seinem Wissen über die antike Kalkherstellung auch eine Familie vom Niederrhein beeindruckte. „Den Kalk, der hier gewonnen wurde, haben die Römer dann bei den Gebäuden verwendet, die es heute im Archäologischen Park in Xanten zu bestaunen gibt“, schlug er eine Brücke von der Eifel zur Heimat der Kalkbrennerei-Besucher.
Junior Ranger übernahmen die Führung im Nationalpark Eifel
Ortswechsel: In Dreiborn lautete das Motto „Raus in die Natur“. Gleich mehrere Familien hatten sich das am NET-Aktionstag vorgenommen. Kindgerecht sollte es ebenfalls sein, so dass die Führung der Junior Ranger durch den Nationalpark Eifel die richtige Wahl war. Mit rund 20 Teilnehmern machte sich die Gruppe am Vormittag vom Parkplatz an der „Hirschkiekbud“ auf den Weg auf die Dreiborner Hochfläche. Geführt wurde die Gruppe von den Geschwistern Jonna und Jasper aus Bad Münstereifel.

Die 13-jährige Jonna und ihr Bruder Jasper (10) aus Bad Münstereifel sind als Junior Ranger im Nationalpark Eifel aktiv.
Copyright: Stephan Everling

Mehrere Familien nahmen am Sonntagmorgen an der Führung mit den Junior Rangern teil, die im Rahmen des Aktionstags „Zu Gast in der eigenen Heimat“ im Nationalpark Eifel angeboten wurde.
Copyright: Stephan Everling
„Das ist jetzt meine sechste Führung“, so die 13-jährige Jonna, während ihr zehnjähriger Bruder Jasper bereits zwei Führungen aufweisen kann. Ein Jahr lang erhalten die Kinder bei wöchentlichen Gruppentreffen ihre Grundausbildung, bevor sie dann in den Kreis der Junior Ranger aufgenommen werden.
„Der harte Kern besteht aus rund 30 Jugendlichen“, informiert Maike Schlüter. Sie organisiert das Programm und leitet die jungen Naturschützer an: „Sieben- bis achtmal pro Jahr führen die Junior Ranger Gruppen durch den Nationalpark.“ Die Führungen seien sehr beliebt, denn es sei den Nachwuchs-Rangern leichter möglich, Gleichaltrigen das Wissen und die Begeisterung für die Natur zu vermitteln, so Schlüter: „Die Kinder sehen die Junior Ranger als Vorbild.“ Sie sei immer wieder stolz, dass ihre Schützlinge sich trauen, vor all den Menschen zu sprechen, ihr Wissen zu vermitteln und Spiele anzuleiten.
„Eifelgold“: Auf der Dreiborner Hochfläche beginnt die Ginsterblüte
Das war genau, was Jonna und Jasper an diesem Vormittag taten. Eigenständig hatten sie, inspiriert von den erwachsenen Rangern, das Programm der Führung ausgearbeitet, die von der Rotwild-Beobachtungsempore bei Dreiborn über verschlungenen Wanderpfade in die entstehende Wildnis des Nationalparks führte. Doch Wandern war nur ein kleiner Teil von dem, was sich die beiden Nachwuchs-Ranger vorgenommen hatten. Denn schließlich zeigte schon der auf der Dreiborner Hochfläche reichlich vorhandene Ginster die ersten Blüten.
Mit Ratespielen rund um das „Eifelgold“ vermittelten die beiden Führer viel Wissenswertes. So räumten sie auch mit dem alten Irrglauben auf, dass sich Zecken besonders gern im Ginster aufhalten. Auch die Bewegung kam bei den Teilnehmenden nicht zu kurz: Mit Fangspielen rannten die Kinder gegen die Morgenkälte an, die sich zunächst noch in den Schattenbereichen gehalten hatte.
Aus Leverkusen war Familie Boddenberg gekommen, um an der Führung teilzunehmen. „Wir sind mit einer anderen Familie hier, die das bereits seit Jahren macht“, so Vater Christian. „Voll blöd“ habe er die Idee zuerst gefunden, gab Sohn Johannes zu, der mit seiner Schwester Katharina mit dabei war. Doch jetzt würde er sich auf die Wanderung freuen. Nicht anders sah es bei der Familie von Thomas Bachem aus. „Wir waren schon im vergangenen Jahr mit den Junior Rangern unterwegs“, outete er sich und seine Familie als Wiederholungstäter.
