Rund 50 Millionen Euro Schäden an der Infrastruktur verzeichnet Heimbach nach der Flut. Der Wiederaufbau ist auch hier noch nicht abgeschlossen.
WiederaufbauNach der Flut werden alte Ideen für Heimbach wieder aktuell

Über die Hengebachstraße schossen die Wassermassen in der Flutnacht durch Heimbach.
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Jeder, der die Flutkatastrophe 2021 miterlebt hat, weiß noch genau, wie er diese Stunden, diese Tage und die folgenden Wochen erlebt hat. So auch Heimbachs Bürgermeister Jochen Weiler. In der kleinen Stadt waren die Mitarbeiter den ganzen Tag über unterwegs an diesem 14. Juli 2021, um die Lage im Blick zu behalten. Sie sind die Stellen abgefahren, die erfahrungsgemäß bei Starkregen gefährdet sind. „Bis in die frühen Abendstunden hatten wir noch den Eindruck, dass wenn wir Glück haben und es noch ein, zwei Stunden regnet, wir es vielleicht sogar recht schadenfrei schaffen“, berichtet Weiler.
Von überall kam das Wasser und richtete enorme Schäden an
Doch dann sei es ganz anders gekommen und quasi überall das Wasser übergelaufen. Von Nordosten seien die Regenmassen gekommen, eine ungewöhnliche Situation. „Wir hatten eine Gemengelage, die sehr angespannt war“, berichtet Weiler aus den Stunden in der Einsatzzentrale im Feuerwehrgerätehaus am Hasenfelder Berg. Alle seien froh gewesen, dass die Löschgruppen dezentral strukturiert seien. Die Feuerwehrleute hätten nicht durch Heimbach in Richtung Vlatten und Hergarten fahren können, da das Wasser zeitweise als reißender Strom und rund 60 Zentimeter hoch die Hengebachstraße hinuntergeschossen sei.

Schutt und Geröll prägten am Morgen des 15. Juli 2021 das Bild.
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„Wir haben hier die Situation, dass sich das Wasser auf den Höhen sammelt und dann talwärts nach Heimbach fließt“, beschreibt Weiler das Problem. Doch auch in Vlatten und Hergarten, in Hausen und Blens habe es massive Schäden gegeben. Pausenlos seien die Einsatzkräfte unterwegs gewesen, um den Menschen zu helfen und sie aus Zwangssituationen zu retten.
Geschockt sei man auch in der Stadt Heimbach über das Ausmaß der Schäden gewesen. „In der Situation hatten wir noch kein Gefühl, wie schlimm es aber in Schleiden und Gemünd war“, sagt er. Als am Morgen das Wasser größtenteils abgeflossen sei, sei die Feuerwehr in den Orten unterwegs gewesen, um zu sehen, ob es den Menschen einigermaßen gut gehe. „In den alten Häusern sind die Sicherungskästen oft im Keller, und in der Nacht hatten wir Sorge, dass jemand runtergegangen sein könnte, um eine Sicherung wieder einzuschalten.“
Der Rursee war Gefahr und Schutz für Heimbach
Doch schnell sollte sich die Aufmerksamkeit in eine Richtung lenken, die bis dahin keiner als Bedrohung auf der Rechnung hatte. Am Abend des 15. Juli kam die Nachricht, dass die Rurtalsperre überlaufen könnte. „Keiner konnte sagen, wie viel Wasser da tatsächlich kommen würde“, so Weiler. Es sei zeitweise von riesigen Mengen die Rede gewesen, so dass die Stadt entschieden habe, sicherheitshalber die Campingplätze an der Rur und Teile von Blens zu evakuieren.

Mit einem kontrollierten Überlauf in der Nacht zum 16. Juli 2021 wurde die Rurtalsperre von den Wassermassen aus der Urfttalsperre entlastet.
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„Es flossen in der Sekunde 500 Kubikmeter Wasser in den Rursee, aber der Abfluss lag nur bei rund 30 Kubikmetern in der Sekunde“, schildert Weiler die Situation. Der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) habe mit Rücksicht auf die Wassermengen an Vicht und Wurm den Abfluss zunächst niedrig gehalten.
„Die Sorge bestand, dass möglicherweise 300 oder mehr Kubikmeter pro Sekunde kommen würden, doch das hat sich nicht bewahrheitet“, so Weiler. Schließlich seien der Damm übergelaufen und rund 100 Kubikmeter abgeflossen. Das habe aber keine Gefahr für Heimbach dargestellt, das sei gut beherrschbar. „Letzten Endes muss man sagen, dass der Rursee alle Ortschaften, die unterhalb liegen, vor Hochwasser geschützt hat“, so Weiler.
Der Wiederaufbauplan hat ein Volumen von 49 Millionen Euro
Mit einem Wiederaufbauplan in einem Volumen von rund 49 Millionen Euro hat die Stadtverwaltung beim Land die Schäden an der kommunalen Infrastruktur beziffert. 30 verschiedene Projekte sind dabei benannt worden, von denen bisher fünf komplett fertiggestellt sind. „Es sind auch mehrere dabei, die lediglich noch nicht endgültig abgerechnet sind oder kurz vor der Fertigstellung stehen“, so der Bürgermeister.
Mehrere Brücken seien in Vlatten bereits instandgesetzt. Doch abgeschlossen sind die Arbeiten auch dort noch nicht. Die Sanierung von Stützwänden steht noch an. In Hausen ist für 3,2 Millionen Euro der Mühlenbach saniert worden. „Da haben wir die Situation gehabt, dass die unterirdischen Versorgungsleitungen freigelegt wurden“, erklärt Weiler. Zeitweise hatten dort die Zehn-Kilovolt-Leitungen für die Stromversorgung mit Spanngurten gehalten werden müssen. Auch ein Bergrutsch, der einen Hof bedrohte, musste abgefangen und der Hang gesichert werden.
In Blens habe die Gefahr bestanden, dass die Verrohrung des Odenbachs einstürzen könnte. Dieser Posten habe mehr als eine Million Euro verschlungen. Kostenintensiv sei auch die Sanierung der Wirtschaftswege gewesen, für die allein in Hausen rund 3,5 Millionen Euro nötig gewesen seien.
Anstandslos und unproblematisch sei die Antragstellung und Genehmigung der Wiederaufbauprojekte abgelaufen, sagte Weiler. Einen „Nachschlag“ habe die Stadt bislang nicht beantragen müssen, weil von vorneherein ein Risikopuffer eingerechnet worden sei.
Der Heimbach ist ein Großprojekt für Heimbach
Darunter ist auch einer der größten Posten: die provisorische Sanierung der Verrohrung des Heimbachs, die unter der Hengebachstraße verläuft. Durch den Wasserdruck war die Decke des Kanals zerborsten und hatte sich auf der Straße wellenförmig aufgewölbt. Zwar wurde die Straße provisorisch wieder befahrbar gemacht – rund vier Millionen Euro hat das bereits gekostet. Doch die Ertüchtigung des Kanals steht noch an, der in seiner Dimension den Wassermassen nicht gewachsen gewesen war.

Vergittert ist die Heimbachverrohrung, das Projekt steht noch aus.
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Eine Planung ist noch nicht in Auftrag gegeben, da eine Idee, die vor Jahren eigentlich aufgrund zu hoher Kosten verworfen worden war, wieder interessant geworden ist. Dabei sollte der Heimbach nicht mehr unter der Hengebachstraße verlaufen, sondern mit einem Tunnel unter dem Kurpark direkt in die Rur geleitet werden. „Der Zuschuss, den wir damals vom Land zu erwarten hatten, hätte aber nur zwei Millionen Euro betragen“, rechnet der Bürgermeister vor.
Doch die Einstellung habe sich auf Landesebene grundlegend geändert. Die Komplettsanierung des Heimbachs sei mit 14 Millionen Euro beantragt – und genehmigt. Die Planung sei jedoch sehr diffizil. Eine Tunnellösung sei zwar bedeutend billiger, aber etwas anderes als der augenblickliche Zustand. Hier stünden noch Gespräche mit der Bezirksregierung an, so Weiler.
Die Belastung für die Crew im Rathaus ist hoch
Wie die anderen Bürgermeister weiß auch Weiler, was es für die Crew im Rathaus bedeutet, die Wiederaufbau-Projekte zusätzlich zum normalen Geschäft der Verwaltung zu stemmen. „Tatsächlich ist ein Investitionsvolumen von 50 Millionen Euro eine unheimliche Belastung, weil wir ja gleichzeitig das Integrierte Handlungskonzept haben, das noch nicht abgeschlossen ist“, erklärt Weiler.
Auch sei die Sanierung der Grundschule zum Zeitpunkt der Flut nicht abgeschlossen gewesen. „Da ging es auch nicht weiter. Zum Beispiel hatte der Elektriker, der aus dem Raum Euskirchen kam, kaum noch ein fahrfähiges Auto, weil seine Transportfahrzeuge abgesoffen waren“, berichtet Weiler. Auch die Erneuerung der Pumpentechnik im Schwimmbad oder zum Beispiel der Sportplatz in Vlatten seien bereits geplant gewesen und mussten zeitgleich mit der Beseitigung der Flutschäden abgewickelt werden.
Zusätzliche Mitarbeiter hat das städtische Bauamt deswegen aber nicht. Nach wie vor seien dort dreieinhalb Stellen besetzt. „Wir haben nicht das Personal, um das schnell umzusetzen“, so Weiler. Auch sei es schwierig, qualifizierte Mitarbeiter in dem Bereich zu finden. So sei deshalb nicht absehbar, ob die Projektliste pünktlich bis 2030, wie vom Land gefordert, abgearbeitet werden könne.
Sofortmaßnahmen im Hochwasserschutz seien derzeit noch nicht geplant. Doch ein Sorgenkind werde derzeit durch das Planungsbüro Okeanos untersucht: der Vlattener Bach. Der entspringt im Kermeter und fließt dann vorbei an Hergarten, wo er allerdings noch Schafbach heißt. „An der Straße nach Bleibuir war der Schafbach aus seinem Bett gekommen, als der Durchfluss der Brücke verstopft war“, berichtet Weiler.
Hier seien mehrere Häuser in Mitleidenschaft gezogen worden. Der entsprechende Bericht dazu werde Ende des Jahres präsentiert. Der soll auch Klarheit darüber bringen, ob in diesem Bereich Regenrückhaltebecken notwendig seien und in welcher Dimension die vorgehalten werden sollten.
