Die 23-Jährige schloss ihre Ausbildung in Rekordzeit und mit Bestnote ab. Für ihre Prüfung plante sie einen modernen Kreisverkehr.
„Maßstäbe gesetzt“Zülpicherin Hannah Bär zählt zu den besten Auszubildenden Deutschlands

In nur zweieinhalb Jahren mit ihrer Ausbildung fertig – inklusive Bestnote: Hannah Bär aus Zülpich.
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Hannah Bär aus Zülpich hat geschafft, wovon viele nur träumen: Sie ist Deutschlands beste Auszubildende in ihrem Beruf. Die 23-Jährige absolvierte ihre Lehre zur Fachkraft für Straßen- und Verkehrstechnik beim Kreis Euskirchen – und das in Rekordzeit. Zweieinhalb Jahre statt der üblichen drei brauchte sie, um ihre Ausbildung mit Bestnote abzuschließen.
Für ihre Prüfungsarbeit plante sie den Umbau einer unübersichtlichen Einmündung zu einem modernen Kreisverkehr. Was in den Niederlanden oder Frankreich längst Alltag ist, gilt in Deutschland vielerorts noch als aufwendiges Projekt. Doch Hannah Bär meisterte die Aufgabe mit Bravour: 93 von 100 Punkten vergaben die Prüfer für ihre Kombination aus theoretischem Wissen und praktischer Umsetzung – eine Leistung, die im ganzen Land unübertroffen blieb.
Diese Ausnahmearbeit brachte ihr gleich vier Auszeichnungen ein. Zuerst ehrte sie die Industrie- und Handelskammer Aachen als beste Auszubildende der Region, danach folgten die Titel als Landessiegerin in Nordrhein-Westfalen und als Bundesbeste in Berlin. Die Bauindustrie zeichnete sie zusätzlich für ihre praktischen Fertigkeiten aus. „Ich habe gepflastert, gemauert, Beton gegossen und Schalungen gebaut – alles perfekt“, sagt sie mit einem Lächeln, das zwischen Stolz und Bescheidenheit liegt.
Hannah Bär betreut rund 320 Kilometer an Kreisstraßen
Straßen und Verkehr sind für sie kein Zufall, sondern Leidenschaft. Schon als Kind interessierte sie sich für alles, was rollt, blinkt oder fährt. Während andere Kinder kaum auf die Straße achteten, löcherte Hannah ihre Mutter beim Autofahren mit Fragen: Was bedeutet dieses Schild? Wer hat hier Vorfahrt? Wie schnell darf man fahren? Für ihre Familie war deshalb früh klar, dass Hannah einmal etwas mit Straßen machen würde – und sie sollte recht behalten.

Gratulierten Hannah Bär: Landrat Markus Ramers (r.) und dessen Allgemeiner Vertreter Achim Blindert.
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Heute betreut sie beim Kreis Euskirchen gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen rund 320 Kilometer an Kreisstraßen. Ihre Aufgaben sind vielfältig: Sie plant neue Verkehrswege, entwirft Radwege, begleitet Bauprojekte und überwacht die Instandhaltung bestehender Straßen.
„Die Autos werden immer breiter, und auf manchen Eifelstraßen kommen zwei Wagen kaum noch aneinander vorbei“, sagt sie. Einen Großteil ihrer Arbeit erledigt sie am Schreibtisch – rechnet, zeichnet, kalkuliert. Doch regelmäßig zieht es sie raus auf die Baustellen, um gemeinsam mit Bauleitern und Firmen Details zu besprechen oder den Fortschritt zu prüfen. Diese Mischung aus Theorie und Praxis ist genau das, was sie an ihrem Beruf liebt.
Bär stand schon vor tausend Leuten auf der Bühne
Obwohl der Straßenbau traditionell als Männerdomäne gilt, hat Hannah Bär dort nie Schwierigkeiten erlebt. „Etwa ein Drittel meiner Kolleginnen beim Kreis sind Frauen, und auch in der Berufsschule war ich nicht die Einzige“, erzählt sie. Entscheidend sei die Teamarbeit, nicht das Geschlecht. Straßenplanung, sagt sie, sei ohnehin nichts für Einzelgänger: „Man braucht Austausch, man arbeitet für die Menschen. Wenn sich Bürger über Schlaglöcher, Lärm oder Regenwasser beschweren, das nicht richtig abläuft, dann sind wir gefragt – und es ist ein gutes Gefühl, helfen zu können.“
Gerade unvorhersehbare Ereignisse zeigen sehr deutlich, wie wichtig ihre Arbeit ist – etwa die Flutkatastrophe im Juli 2021, die im Kreis Euskirchen große Schäden an Straßen und Brücken hinterließ. „Da haben wir gesehen, dass Straßen mehr sind als Asphalt und Beton. Sie halten das Leben in Bewegung“, sagt sie.
Neben ihrer beruflichen Leidenschaft steht Hannah Bär auch gerne auf einer ganz anderen Bühne: Seit Jahren tanzt sie in der Damengarde der Hovener Jungkarnevalisten und sorgt dort für Stimmung im Zülpicher Karneval. Doch der Auftritt in Berlin bei der Bundesbestenehrung war eine neue Erfahrung. „Vor tausend Leuten auf der Bühne zu stehen – das war schon eine andere Hausnummer als im Dorfhaus vor hundert“, sagt sie und lacht. „Ein bisschen nervös war ich, aber es war einfach schön, in so viele strahlende Gesichter zu schauen.“
Ich wünsche mir mehr Rücksicht – auf die Menschen, mit denen wir uns den Straßenraum teilen.
Wenn sie über die Zukunft des Straßenverkehrs spricht, wählt sie ihre Worte mit Bedacht. „Ich wünsche mir mehr Rücksicht – auf die Menschen, mit denen wir uns den Straßenraum teilen“, sagt sie. „Und mehr Einsicht, dass Verkehrsschilder keine Dekoration sind, sondern Regeln, die Leben schützen. Viele regen sich über andere auf, statt selbst einmal zu überlegen, wie sie fahren.“ Auch für Baustellen und Umleitungen hofft sie auf mehr Verständnis: „Sie sind zwar lästig, aber notwendig. Ohne sie gäbe es keine sicheren Straßen.“
Landrat und Team der Kreisverwaltung sind stolz auf Hannah
Für ihre eigene Zukunft hat Hannah Bär klare Vorstellungen. Ein Stoppschild gibt es für sie nicht. Als Bundesbeste ihres Jahrgangs arbeitet sie nun an ihrem Technikerabschluss und will ihr Wissen weiter vertiefen. „Mal sehen, wohin mich die Reise noch führt“, sagt sie mit einem selbstbewussten Lächeln. „Verfahren werde ich mich bestimmt nicht – mit Plänen kenne ich mich schließlich aus.“
„Hannah Bär hat mit ihrer Leistung Maßstäbe gesetzt – und wir sind als Kreisverwaltung sehr stolz darauf“, freut sich Landrat Markus Ramers. „Sie ist ein starkes Vorbild – für eine Ausbildung mit Perspektive und für die Bedeutung von qualifizierten Fachkräften, die unsere Verkehrsinfrastruktur jeden Tag sicher und zukunftsfähig machen. Mein Dank gilt ebenso ihrem Ausbilder Reiner Meyer sowie allen Kolleginnen und Kollegen, die junge Menschen auf diesem Weg begleiten.“

