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Jäger der NachtKinder können in Mechernicher Kakushöhle Fledermäuse erkunden

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17 Fledermäuse gingen den Tierschützern am Freitagabend in Mechernich ins Netz. Sie wurden gemessen, gewogen und in die Kartei aufgenommen, bevor sie wieder zurück in die Nacht fliegen durften.

17 Fledermäuse gingen den Tierschützern am Freitagabend in Mechernich ins Netz. Sie wurden gemessen, gewogen und in die Kartei aufgenommen, bevor sie wieder zurück in die Nacht fliegen durften.

Mechernich-Dreimühlen – 64 Kinderaugen erleuchten die Kakushöhle an diesem Freitagabend in Mechernich-Dreimühlen. Zwei davon gehören dem achtjährigen Theo Gerick. In dem Kinderzimmer des Kölner stapeln sich die Tierbücher.

Heute will er die Tiere, die er im Sommerurlaub in einem französischen Zoo noch hinter der Glasscheibe gesehen hat, endlich live sehen: Fledermäuse. „Die haben so ein kuscheliges Fell“, erzählt der Drittklässler, bevor es nach einem Vortrag von Fledermaus-Experten und „Eifelbatman“, wie er sich selbst nennt, Markus Thies, endlich ins Dunkle der Höhle geht. Dicht an Theos Fersen klebt auch sein kleiner Bruder Benno. Der Sechsjährige  wirkt noch etwas schüchtern, kann aber wie sein Bruder kaum erwarten, dass endlich eine Fledermaus ins Netz geht.

Zweimal im Jahr werden die Tiere bestimmt

Die Dunkelheit und die Kälte scheinen die Besucher der Fledermausnacht an diesem Abend nicht abzuschrecken. 34 Kinder und 35 Erwachsene haben sich für die Veranstaltung des Naturschutzbundes (NABU) im Kreis Euskirchen angemeldet.

Markus Thies und sein Kollege Rainer Schulz spannen in der Höhle zwei Netze, in die die Fledermäuse fliegen sollen. „Wir spannen sie extra nicht so stramm, damit sich so Taschen bilden, in die die Tiere dann reinfallen können“, erklärt Schulz. Etwa zwei Mal im Jahr komme er mit seinem Kollegen in die Höhle, um die Fledertiere näher zu bestimmen. Gerade sei Paarungszeit bei den Fledermäusen angesagt, die Kakushöhle diene als Übergangs-Balzquartier. Danach stehe der Winterschlaf an. Die Jungtiere kommen laut Thies im Frühjahr zur Welt.

Fledermausdetektor spürt Tiere in der Höhle auf

Es vergeht knapp eine Stunde, bis in der Höhle plötzlich alle ganz aufgeregt zusammenkommen. Es ist soweit. Ein Zwergfledermausweibchen ist ins Netz gegangen. Es wird gemessen und gewogen. Mit etwa 5,5 Gramm Körpergewicht ist es gut genährt. Die Kinder dürfen einen Blick auf das Tier werfen und sogar kurz über das Fell streicheln, bevor das Weibchen wieder freigelassen wird.

Rote Liste

25 Fledermausarten sind laut NABU hierzulande unterwegs. 17 davon konnte der Fledermausexperte Markus Thies im Kreis Euskirchen nachweisen. Alle Fledermausarten stehen auf der sogenannten „Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands“, die vom Bundesamt für Naturschutz herausgegeben wird. Dies bedeutet, dass eine gewisse Gefährdung der Art besteht.  Drei Fledermausarten  sind in Deutschland tatsächlich vom Aussterben bedroht. Eine, die Langflügelfledermaus, ist bereits ausgestorben.

Das Hauptproblem der Fledermäuse sei, dass ihnen die Nahrung fehle, sagt der Experte. Die Fledermäuse ernähren sich in der Regel von Insekten. „Bei Hitze trocknen zum Beispiel die Pfützen aus, in denen sich die Stechmücken vermehren“, erklärt er weiter. Die Veränderung der Landwirtschaft sei ein weiterer Grund für das Insektensterben. Außerdem seien viele Gärten nicht mehr grün, sondern „Steinwüsten“.

Die fehlende Nahrung habe das Sterben vieler Jungtiere zur Folge, da die Weibchen nicht genug Milch produzieren. Dafür müssen sie laut Experte mindestens die Hälfte ihres Körpergewichts als Reserve anfressen – bis zu 3000 Stechmücken in der Nacht fressen sie. Die meisten Arten bringen nur einmal im Jahr ein Jungtier zur Welt.

www.fledermausschutz.de

Um zu hören, ob eine Fledermaus gerade in der Nähe ist, setzen die Artenschützer einen Fledermausdetektor ein. Dieser wandelt die Feldermausrufe, mit denen sich die Tiere orientieren, in einen Ton um, der für Menschen hörbar ist.

„Ich finde es toll, dass die Kinder hier die Natur mit eigenen Augen erleben können“, erzählt Paul Gerick. Der 68-Jährige aus Bad Münstereifel ist stolz, seinen Enkeln Theo und Benno die Tiere aus nächster Nähe zeigen zu können.

Manche Fledermäuse bekommen einen Ring

Kurz vor 23 Uhr fliegt dann noch eine ganz besondere Fledermaus ins Netz – ein Mausohr. Die Tiere sind laut Experten Thies sehr kräftig und können ordentlich zubeißen. Deshalb zieht der Tierschützer lieber einen Handschuh an, bevor er das Tier misst und später beringt. „Wir beringen nur die Tiere, von denen wir hoffen, dass wir sie hier wiedertreffen, um auch Rückschlüsse aus der Kennzeichnung schließen zu können“, erklärt der 56-Jährige.

Fledermausnacht für Kinder

Die Fledermausnacht für Kinder in der Kakushöhle, Kakusstraße 1, in Mechernich, findet morgen, 13. September, wieder statt. Treffpunkt ist um 19 Uhr am Café vor der Höhle. Die Veranstaltung geht bis etwa 23 Uhr. Warme Kleidung ist empfehlenswert.

Anmeldungen werden unter Tel. 0 24 47/91 33 05 oder per E-Mail entgegengenommen. Erwachsene zahlen fünf Euro, Kinder drei. Weitere Geschwisterkinder können kostenfrei teilnehmen. fledermausnacht@nabu-euskirchen.de

Die Daten werden vom  Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn verwaltet. „So haben wir die einzelnen Tiere besser im Blick und können beim nächsten Fang vergleichen, wie es ihnen geht und wo sie sich aufgehalten haben.“ Bei den Fangaktionen der Tierschützer gehe es nicht nur darum, die verschiedenen Arten zu bestimmen, sondern auch, den Bestand im Auge zu halten.

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„Ich habe jetzt ein neues Lieblingstier“

Für Theo hat sich der Abend allemal gelohnt, 17 Fledermäuse sind den Artenschützern unter strenger Beobachtung des Achtjährigen in dieser Nacht ins Netz gegangen – 15 Zwergfledermäuse, eine Wasserfledermaus und ein Mausohr.

Theo durfte sogar selbst eine Fledermaus in die Hand nehmen. „Ich hab jetzt ein neues Lieblingstier“, erzählt der Achtjährige seinem Vater auf dem Nachhauseweg. Bevor er ins Bett geht, will er seiner Mutter noch von allem berichten.

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