Vereinsbetriebene Gaststätten wie der DoDo-Treff in Firmenich sind neben Ehrenamt und Fördermitteln auch auf bezahlte Kräfte angewiesen.
GastronomieVereine im Kreis Euskirchen sind auf Minijobber angewiesen

Hinter der Theke des DoDo-Treffs könnten bald wieder mehr Ehrenamtler stehen. Hans-Josef Wolf (links) hofft, dass ihm Tim Ziegler und sein Team trotz geplanter Reformen bei den Minijobbern erhalten bleiben.
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Es ist leer im DoDo-Treff in Firmenich/Obergartzem an diesem Mittwochnachmittag. Die Stühle stehen auf den Tischen, auf der Theke stapeln sich Kisten, Musik und Licht sind ausgeschaltet. Tim Ziegler bringt gerade eine Tasche mit Utensilien für das Abendgeschäft. Zusammen mit seiner Frau Claudia organisiert Ziegler das Gastronomiegeschäft des DoDo-Treffs. Hans-Josef Wolf, Vorsitzender des DoDo-Bürger- und Kulturvereins, ist heilfroh, das Ehepaar zu haben. „Sie nehmen dem Vorstand die ganze Arbeit rund um Thekendienst, Öffnungszeiten und Verhandlungen über Mietverträge ab.“ Alles auf Minijob-Basis.
Zu Beginn des DoDo-Treffs hätten sie alles nur mit ehrenamtlichen Kräften gestemmt, berichtet Wolf. Doch das sei bei der Anzahl der Veranstaltungen und den regelmäßigen Öffnungszeiten nicht mehr machbar. „Die Leute wollen sich nicht langfristig binden“, sagt er. Für eine Veranstaltung Helferinnen und Helfer zu finden, sei gar kein Problem. Aber jemanden aufzutreiben, der ohne Bezahlung jeden Mittwoch und Freitagabend hinter der Theke stehe, sei fast unmöglich.
Pläne der Rentenkommission beunruhigen Vereine
Deshalb arbeitet der Verein noch mit weiteren Minijobbern im Thekenbereich zusammen. Außerdem sind die beiden Hausmeister und die Putzfrau über dieses Modell im DoDo-Treff beschäftigt. Lediglich der Koch ist fest angestellt. Hinzu kommen nach wie vor viele Ehrenamtliche, die bei Events und Vereinsarbeit helfen. „Dieser Mix aus bezahlten Kräften und Ehrenamt hat uns vorangebracht“, betont Wolf.
Und genau dieser Mix könnte bald gefährdet sein, sollte der Bundestag die Empfehlungen der Rentenkommission in Bezug auf den Minijob umsetzen. „Das würde uns ins Mark treffen“, sagt Wolf. Denn wenn die Minijobber volle Sozialabgaben zahlen müssen, bleibt vom Brutto viel weniger übrig als bislang. Dann müsse der Verein den Minijobbern vermutlich mehr Geld zahlen, schätzt Wolf die Situation ein. Schließlich machten Ziegler und seine Kolleginnen und Kollgen die Arbeit nicht nur, weil das so ein toller Verein sei. „Die machen das, weil sie das Geld brauchen.“
Mehr Geld zahlen kommt für Verein nicht in Frage
Doch auch der Verein könne nicht mal eben einfach mehr Gehalt zahlen. Schon jetzt gebe man 90.000 Euro im Jahr für die Minijobber aus. Für einen gemeinnützigen Verein sei das viel Geld. Zumal am Ende des Jahres immer noch etwas übrig bleiben müsse für Investitionen.
Gemeinsam mit den anderen Vereinen im Doppelort habe man sich daher überlegt, wie man mit dem Problem umgehen könnte, sollte es denn eintreten. Eine Variante sei, die Preise zu erhöhen. Für Wolf eine schlechte Option. Schließlich müsse der DoDo-Treff die Preise aufgrund der höheren Zucker- und Alkoholsteuer eh schon anheben. Der Vereinsvorsitzende hat eine andere Idee. Er könne sich vorstellen, dass es künftig pro Schicht hinter der Theke nur noch eine bezahlte Person als eine Art Anker gebe. Und um diese gruppiere man dann Ehrenamtler. „Ob das gelingt, hängt von der Bereitschaft der Bevölkerung ab“, betont er.
Sorgen auch bei Gaststätte Gier in Kall
Mit Sorge blickt auch Moni Sauerbier auf die politischen Entwicklungen. Sie ist die Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung der Gaststätte Gier in Kall. Auch sie beschäftigt für den Thekendienst und den Service sechs Minijobber. „Man hat dafür einfach zu wenig Ehrenamtler“, sagt sie. Zudem sei es gerade bei Service und Kasse gut, wenn ein gleichbleibendes Team mit Erfahrung diese Aufgaben erledige.
„Das würde bitter“, sagt sie mit Blick auf die Pläne der Bundesregierung rund um den Minijob. Corona habe in der gesamten Gastronomiebranche Spuren hinterlassen. Sie sei froh, inzwischen ein sehr gutes Team zu haben. Doch diese Menschen alle sozialversicherungspflichtig einzustellen, sei schlichtweg zu teuer. Zumal der Personalbedarf sehr unterschiedlich sei. Aktuell sei Sommerloch, da brauche sie nicht alle aus ihrem Team. Aber: „Wenn ich jetzt in den Herbst gucke, könnte ich dann wahrscheinlich noch zwei bis drei Leute dazu einstellen.“
Es sei ihm klar, dass die Rentenkommission und auch die Bundesregierung mit den Vorschlägen nicht auf gemeinnützige Vereine abzielten, sagt Wolf. Doch es treffe sie trotzdem. Er hofft, dass die Politik für Fälle wie den DoDo-Treff noch Lösungen findet. Damit Tim Ziegler und seine Kolleginnen und Kollegen dem DoDo-Treff noch lange erhalten bleiben.
Es braucht jemanden, der sich mit Fördertöpfen auskennt
Der DoDo-Treff in Firmenich/Obergartzem ist ein sogenannter Dritter Ort und konnte vor allem deshalb so gebaut werden, weil es dafür Fördergelder gab. Um eine Gaststätte als Verein zu betreiben, sei es unerlässlich, jemanden in seinen Reihen zu haben, der sich mit Fördergeldern auskenne, sagt Hans-Josef Wolf. Der Rentner ist dahingehend selbst inzwischen Experte. Sein Motto: „Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Fördergeld.“ Wichtig sei vor allem, genau zu verstehen, was erfüllt sein müsse, um Gelder zu erhalten. Beim Förderprogramm „Heimatcheck“ beispielsweise. „Wenn man sich einmal mit den Förderrichtlinien beschäftigt hat, ist es verblüffend, wie viel Geld da ist“, sagt Wolf.
Dabei lohne sich ein weit gestreuter Blick. Neben Förderprogrammen von Land und Bund gebe es noch die EU und private Stiftungen, die auch Fördergelder vergeben.
Inzwischen gibt Wolf Seminare für Vereine, um ihnen die Welt der Förderprogramme zu erklären. Auch Moni Sauerbier hat sich mit ihm zusammengesetzt. Die Fassade der Gaststätte Gier muss saniert werden. „Das können wir von unseren Bieren und Essen, die wir ausgeben, nicht finanzieren“, erläutert sie.
