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EinspeisevergütungWestnetz-Lieferanten aus Mechernich warten auf ihr Geld

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Landwirt Helmut Dahmen aus Lorbach steht auf einer Wiese, im Hintergrund ist eine Biogasanlage zu sehen.

Den Strom, den Helmut Dahmen mit seiner Biogasanlage sowie PV-Modulen und zwei Windrädern produziert, speist er ins allgemeine Stromnetz ein. In diesem Jahr hat er dafür noch keine Vergütung bekommen.

Bürger aus dem Mechernicher Stadtgebiet, die Strom ins Netz einspeisen, müssen länger auf ihr Geld warten. Dabei geht es auch um hohe Summen.

Thomas Löffelbein sind die Themen Elektrizität und Nachhaltigkeit sehr wichtig: Sein Haus in Mechernich-Nord beheizt der gelernte Elektriker mit einer Wärmepumpe, eine Photovoltaik(PV)-Anlage auf dem Dach produziert seit knapp 20 Jahren Strom, den er ins Netz einspeist, und erst vor kurzem hat er eine weitere PV-Anlage installiert, deren Ertrag er direkt selbst verbraucht. Für den Strom, den er verkauft, erhält er eine durchschnittliche monatliche Einspeisevergütung in Höhe von 220 Euro.

Auch der Lorbacher Landwirt Helmut Dahmen produziert Strom aus erneuerbaren Energien: Seine Biogasanlage, die PV-Module auf den Dächern seiner Betriebsgebäude und zwei Windräder auf dem Pflugberg, an denen er über eine Betreibergesellschaft beteiligt ist, sorgen für nicht unerhebliche Teile seines Betriebsumsatzes. „Wir sprechen hier über einen hohen fünfstelligen Eurobetrag, der monatlich als Einspeisevergütung fällig wird“, berichtet Dahmen: „Wenn der Wind kräftig weht und die Sonne schön scheint, kann es auch schon mal sechsstellig werden.“

Wechsel des Stromnetzbetreibers führt zu Zahlungsverzögerung

Jetzt machen sich Thomas Löffelbein und Helmut Dahmen – und mit ihnen zahlreiche weitere Betreiber von PV-Anlagen im Raum Mechernich – allerdings Sorgen, dass sie längere Zeit auf ihr Geld warten müssen. Zum 1. Januar gab es dort einen Wechsel des Netzbetreibers: Bislang erhielten Einspeiser aus dem südlichen Mechernicher Stadtgebiet die Abschlagszahlung für den von ihnen eingespeisten Strom von der Euskirchener e-regio. Seit Jahresbeginn ist dort Westnetz zuständig (siehe weiter unten).

Thomas Löffelbein aus Mechernich blickt auf die Stromzähler in seinem Haus.

Drei Stromzähler hat Thomas Löffelbein in seinem Haus: Einen für den gekauften Strom, einen für den Strom, den er ins Netz einspeist, und einen für die selbst produzierte Elektrizität, die er auch selbst verbraucht.

Das Dach des Mechernicher Rathauses ist flächendeckend mit PV-Modulen bestückt (Drohnenaufnahme).

Auch die Stadt Mechernich hat auf dem Rathaus und anderen öffentlichen Gebäuden Photovoltaik-Module installiert. Sie erhält dafür Einspeisevergütungen, durch ein anderes Abrechnungssystem ist die Kommune von dem derzeitigen Problem noch nicht betroffen.

„Bis zum heutigen Tag sind unsere PV-Anlagen bei Westnetz jedoch nicht bekannt, obwohl uns eine Mitarbeiterin der e-regio versichert hat, dass alle Daten frühzeitig an Westnetz übermittelt worden sind“, beklagt Löffelbein.

Dass wir irgendwann unsere Einspeisevergütung von Westnetz erhalten, steht außer Frage. Aber viele Betreiber sind auf die pünktlichen Abschlagszahlungen angewiesen.
Thomas Löffelbein kennt viele Nachbarn, die auch Strom aus ihrer PV-Anlage ins Netz einspeisen

Bei einem Anruf bei der Westnetz-Kundenhotline habe er die Antwort erhalten, dass seine Adresse unbekannt sei. „Dass wir irgendwann unsere Einspeisevergütung von Westnetz erhalten, steht außer Frage“, sagt der 56-jährige Mechernicher optimistisch: „Aber viele Betreiber sind auf die pünktlichen Abschlagszahlungen angewiesen.“ Er kenne Nachbarn, die das Geld aus der Einspeisevergütung fest für ihr monatliches Haushaltsbudget eingeplant haben.

Helmut Dahmen befürchtet, dass viele Landwirtkollegen betroffen sind

Das kann Dahmen nur bestätigen: „Einen Monat lang kann man die ausbleibenden Zahlungen sicher überbrücken, aber dann wird es schon zu einem Problem. Ich kann jetzt nicht für die gesamte Landwirtschaft sprechen, aber ich bin sicher, dass etliche Kollegen aus dem Raum Mechernich derzeit in einer vergleichbaren Situation sind.“

Während der Privatmann Löffelbein auf eine entsprechende E-Mail überhaupt keine Antwort der Westnetz-GmbH verzeichnen konnte, erhielt Unternehmer Dahmen immerhin eine Standard-Mail zurück. „Sinngemäß hieß es darin, man soll bloß nicht weiter nachfragen, das würde die Beantwortung der Anfrage nur noch weiter verzögern“, ärgert sich Dahmen, der auch Vorsitzender der Kreis-Bauernschaft ist.

Eine Sprecherin der Westnetz teilte auf Anfrage mit, dass die Übergaben für den technischen Betrieb des Netzes inzwischen abgeschlossen seien. Und: „Bei der Aussage an der Hotline kann es sich nur um ein Versehen handeln“, betont die Unternehmenssprecherin: „Selbstverständlich sind alle Netz- und Kabelpläne des bisherigen Netzbetreibers bei uns hinterlegt, so dass beispielsweise eine Störung jederzeit lokalisiert und behoben werden kann.“

Westnetz kündigt Einmalzahlungen zur Überbrückung an

Parallel dazu erfolge derzeit die Migration der kaufmännischen Daten für die Netzanschluss- und Einspeiseprozesse: „So migrieren wir die Kundendaten der e-regio in unsere neue IT-Plattform.“ Dabei sei man bei verschiedenen Schritten – vom Netzanschluss bis zur Abrechnung – auf korrekte und vollständige Daten angewiesen. „Damit die Kundinnen und Kunden, bei denen es zu einer Unterbrechung der Vergütung kommt, nicht auf ihr Geld warten müssen, erhalten sie für die nächsten Monate eine Einmalzahlung“, so die Westnetz-Sprecherin: „Die betroffenen Kunden werden individuell per Schreiben informiert.“

Das gelte auch für die Gruppe der Individualkunden, die wie Dahmen im großen Stil Strom ins Netz einspeisen. „Davon gibt es im Netzgebiet eine niedrige zweistellige Zahl“, heißt es vom Unternehmen. Kurzfristig werde man auch dieser Kundengruppe Einmalzahlungen anbieten, „die einen gewissen Zeitraum überbrücken sollen“, so die Westnetz-Sprecherin.

Man arbeite weiter mit Hochdruck daran, dass alle Prozesse für die Übernahme zeitnah abgeschlossen werden. Das Geld für die Abschläge und Abrechnungen der Einspeisevergütung werden treuhänderisch verwaltet: „Alle Kundinnen und Kunden bekommen die ihnen zustehende Vergütung“, betont die Sprecherin weiter – die Finanzierung sei im ENFG (Energiefinanzierungsgesetz) geregelt.


Städte Euskirchen und Bad Münstereifel jetzt bei e-regio

Einen Wechsel des Stromnetzbetreibers hat es zum Jahresbeginn auch in zwei anderen Kommunen im Kreis Euskirchen gegeben: Die Städte Euskirchen und Bad Münstereifel werden nun von der e-regio betreut. „Dort, wo wir Stromnetzbetreiber sind, sind wir auch für die Auszahlung der Einspeisevergütung zuständig“, bestätigt e-regio-Sprecherin Ilona Schäfer.

„Der Prozess der Datenmigration vom vorherigen Netzbetreiber ist größtenteils abgeschlossen und wir werden die Auszahlung planmäßig erstmalig Ende Februar, also noch in dieser Woche abwickeln“, verspricht Schäfer.

In einigen Fällen, wo Anlagen vor dem Jahreswechsel noch im Beantragungsverfahren gewesen seien und bisher keine Vergütung ausgezahlt wurde, könne es teilweise noch zu Verzögerungen kommen, räumt Schäfer ein: „Hier sind wir in vielen Fällen schon im Austausch mit den Anlagenbetreibern.“ e-regio-Kunden, die Fragen zu ihrer Einspeisevergütung haben, können sich demnach per Mail an das Unternehmen wenden.


Betreiberwechsel in Mechernich: Westnetz für Stromnetz verantwortlich

Die Firma Westnetz hat in   Mechernich zum Jahresbeginn 2026 vollständig den Betrieb des Stromnetzes übernommen – und ist damit jetzt für das gesamte Stadtgebiet verantwortlich. Bisher war Westnetz nur im Norden tätig, während die Euskirchener e-regio für den Süden der Stadt zuständig war. Eigentümerin des Mechernicher Stromnetzes bleibt weiterhin die Energie Mechernich GmbH.

Mit dieser Neuordnung wurde eine historisch gewachsene Aufteilung beendet, die noch auf die alten Kreisgrenzen zwischen Euskirchen und Schleiden zurückging.

Für Mechernich gilt jetzt: Westnetz ist zentraler Ansprechpartner für alle Anliegen rund ums Stromnetz. Bestehende Anschlüsse bleiben unverändert, neue Anträge – etwa für Netzanschlüsse, Einspeisungen oder Zählereinbauten – müssen über die Homepage von Westnetz gestellt werden. Bei Störungen ist der Westnetz-Bereitschaftsdienst unter 0800 / 411 22 44 erreichbar.

Vom Wechsel betroffen sind im Stadtgebiet Mechernich die Orte Berg, Bergbuir, Bescheid, Bleibuir, Breitenbenden, Denrath, Dreimühlen, Eicks, Eiserfey, Floisdorf, Glehn, Harzheim, Holzheim, Hostel, Kalenberg, Kallmuth, Lorbach, Lückerath, Mechernich, Schützendorf, Stollenhütte, Vollem, Voißel, Vussem, Weißenbrunnen, Weyer, und Wielspütz.

Die übrigen Orte des Stadtgebiets, etwa Kommern, Schaven, Katzvey, Satzvey, Firmenich, Obergartzem, Antweiler, Lessenich, Rißdorf, Wachendorf und Weiler a.B., waren auch vorher schon im Westnetz-Gebiet. (mit tom)