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100 Tage im AmtBad Münstereifels Bürgermeister Sebastian Glatzel will ein Vermittler sein

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Sebastian Glatzel steht auf einer Brücke, die über die Erft führt. Im Hintergrund sieht man Bad Münstereifel.

Hat den besten Job der Welt: Bad Münstereifels Bürgermeister Sebastian Glatzel.

Seit 100 Tagen ist der Bürgermeister von Bad Münstereifel im Amt. Besonders Bürgersprechstunden und Vor-Ort-Termine sind ihm wichtig.

Auf die Zählweise kommt es an: Wenn man den 1. November als Antrittsdatum nimmt, hat Sebastian Glatzel am 101. Tag seiner Amtszeit als Bürgermeister seine erste Rede zur Einbringung des Haushaltes gehalten. Legt man aber seinen tatsächlichen ersten Arbeitstag im roten Rathaus, den 3. November, zugrunde, hielt er die Rede am 99. Tag, überspitzt ausgedrückt als programmatischer Höhepunkt zum Abschluss seiner ersten 100 Tage als neuem Stadtoberhaupt von Bad Münstereifel.

Die Bemühungen um den Haushalt der klammen Kurstadt stellten einen Schwerpunkt in seiner Anfangszeit dar. Ihm ist es ein Ansinnen, möglichst früh im Jahr einen genehmigten Haushalt zu haben. „Wir haben ein wenig Verzug mitgenommen“, so der Sozialdemokrat. Dabei gelte der Haushalt als To-do-Liste für die Verwaltung. „Und die ist idealerweise am 1. Januar fertig“, so Glatzel. Er möchte nicht nur Haushaltsklarheit, sondern auch Haushaltswahrheit. „Viele Ansätze wurden nicht umgesetzt. In den Zahlen sieht es dann gut aus, aber es ist kein gutes Zeichen, sondern eher schlecht, wenn etwas nicht umgesetzt ist.“

Bei Problemen sollen alle Beteiligten an einem Tisch zusammenkommen

Sebastian Glatzel sieht sich als eine Art Vermittler. Zwischen der Verwaltung und der Politik. Aber auch zwischen dem Rathaus und den Bürgern. In Bezug auf die Haushaltsberatungen lobt er die Klausurtagung als „gute Runde mit den Fraktionen“. Der Weg zum Haushaltsentwurf sei hervorragend gewesen und ein Erfolg. „Das macht Spaß und funktioniert gut.“ So soll es auch mit Problemen sein, die Bürger haben. Als Beispiel nennt er die Diskussion um den Ausbau der Straße „Am Bloch“ in Iversheim, deren Fahrbahn deutlich schmaler werden sollte als bisher. „Wir haben alle Beteiligten an einen Tisch geholt, damit wir das zugrundeliegende Problem und die Kernpunkte finden.“

Damit es möglichst gar nicht erst zu öffentlichen Diskussionen kommt, möchte Glatzel sie schon im Keim ersticken. Und das nicht nur in Bittstellermanier durch Bürgersprechstunden, in denen die Bad Münstereifeler zu ihm ins Rathaus kommen, sondern auch umgekehrt, durch Vor-Ort-Termine. „Das ist ein Angebot, um für die Bürger da zu sein. Ich möchte viel rausfahren – zu den Leuten und zu den Themen.“ In dieser Vermittlerrolle muss er den Bürgern aber auch beibringen, dass eine Verwaltung, anders als ein Wirtschaftsunternehmen, gewissen Zwängen unterliegt, etwa im Vergaberecht.

Am ersten Arbeitstag gab es eine Mitarbeiterversammlung

Rausfahren will er aber nicht nur zu den Bürgern, sondern auch zu den Mitarbeitern. „An meinem ersten Arbeitstag habe ich eine Mitarbeiterversammlung einberufen, 190 Kollegen. Der Ratssaal war schon längst voll, da kamen noch mehr.“ Er sei überwältigend positiv im Rathaus aufgenommen worden. „Man hat mir das Ankommen sehr leicht gemacht.“ Er hat es sich zum Ziel gesetzt, alle Mitarbeiter kennenzulernen – und zwar an ihren Arbeitsplätzen. Das bedeutet aber auch, dass er fahren muss, um mit den Schulhausmeistern oder -sekretärinnen im Höhengebiet zu reden.

Er habe eine gute Stimmung im Rathaus vorgefunden – und das soll auch so bleiben. Erstaunt sei er gewesen, wie viel mit so wenig Leuten geleistet werde. Deshalb empfindet er die Kritik von außen oft als ungerecht. „Die Stadt wird als Entität wahrgenommen, nicht als Gemeinschaft von Mitarbeitern.“ Es sei bewundernswert, mit welchem Einsatz die Belegschaft auch fast fünf Jahre nach der Flut arbeite. Aber auch hier will er nachbessern. „Wir müssen priorisieren, damit Aufgaben machbar bleiben. Das wird nicht mit weniger Personal gehen. Ich bin gegen den Reflex, dass wir am Personal sparen müssen.“ Im Gegenteil: Es soll weiter gestärkt werden.

Als Bürgermeister hat er eine andere Rolle als als Oppositionsführer

Natürlich hat sich auch seine Rolle verändert. Bis zur Kommunalwahl war er Fraktionschef der Opposition. „Da war ich Vertreter der Wähler meiner Partei“, so Glatzel. Als Bürgermeister erhalte er nicht nur detailliertere Einblicke in gewisse Themen, er müsse sie nun auch gesamtstädtisch bewerten. Überhaupt ist die Konstellation in dieser Legislaturperiode spannend. Denn obwohl er zum Bürgermeister gewählt wurde, ist Glatzels Partei, die SPD, nicht die stärkste Kraft in der Kurstadt, das ist weiterhin die CDU.

Bereut hat er die Kandidatur zum Bürgermeister auf keinen Fall. Im Gegenteil. „Wenn man Bürgermeister seiner Heimatgemeinde wird, ist das der beste Job der Welt.“ Natürlich fordere ihn die Arbeit viele Stunden. „Aber die zählt man nicht“, sagt Sebastian Glatzel.