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HochwasserschutzKommunales Konzept für Bad Münstereifel ist beschlossene Sache

3 min
Ein Mann steht hinter einem Mikrofon und spricht.

Dr. Benjamin Mewes.

Das Unternehmen Okeanos hat 20 Maßnahmen für Bad Münstereifel entwickelt und priorisiert. In einem Ort ist das Ziel nicht erreichbar.

Für Bürgermeister Sebastian Glatzel (SPD) war klar: Das Thema „Kommunales Hochwasserschutzkonzept“ ist so wichtig für die Stadt Bad Münstereifel, dass er eigens eine Sondersitzung des Stadtrates einberufen hatte, damit ausführlich darüber gesprochen werden konnte. Vorgestellt worden war das Konzept, wie berichtet, bereits in der Ratssitzung am 24. März, weshalb die Ausführungen von Dr. Benjamin Mewes von der Bochumer Firma Okeanos Smart Data Solutions nichts Neues waren.

Die Eckpunkte sehen wie folgt aus: Alle 2021 betroffenen Ortslagen entlang der Erft wurden betrachtet. Anhand der Erkenntnisse entwickelte Okeanos 20 Maßnahmen, die zunächst priorisiert und dann in drei Teileinzugsbereiche eingeteilt wurden: Der erste Bereich geht bis zum Hochwasserrückhaltebecken bei Eicherscheid, der zweite von dort bis zur Mündung des Eschweiler Bachs, der dritte beginnt ab Iversheim.

Oberste Priorität haben die Errichtung der Hochwasserrückhaltebecken in Schönau, am Kornbach, im Bodenbachtal und das Einzelbecken bei Gilsdorf sowie der Hochwasserdeich am Hammerwerk und Hochwassermauern an der Münstereifeler Straße in Arloff.

Schutz vor hundertjährlichem Hochwasser ist primäres Ziel

Zielsetzung der Maßnahmen ist der Schutz bei einem hundertjährlichen Hochwasser (HQ100). „Alle größeren Ereignisse werden wir nicht schaffen“, sagt Mewes. Das heißt auch: Wassermassen wie bei der Flut im Jahr 2021, die einem Extrem-Hochwasser entsprachen, werden nicht aufgehalten. Eine weitere Einschränkung hatte Mewes für die Dorfbewohner von Gilsdorf: Durch die „problematische Ortslage“ gebe es signifikante Probleme, weshalb die dortigen Maßnahmen nur Schutz vor einem maximal 30-jährlichen Hochwasser bieten.

Selbst mit einem Rückhaltebecken und geplanten Kaskadenbecken im Hornbachtal sei nicht mehr zu erreichen. Jeder Eingriff müsse verhältnismäßig sein. „Mein Tipp: Suchen Sie den Schulterschluss mit der Gemeinde Nettersheim und fragen Sie, ob auf deren Gebiet noch mehr Wasser zurückgehalten werden kann“, riet Mewes der Stadt.

Privater Objektschutz ist in jedem Ort empfehlenswert

Die Ratsmitglieder waren von Mewes’ Ausführungen angetan, niemand verweigerte sich dem Kommunalen Hochwasserschutzkonzept. Anmerkungen und Fragen gab es allerdings einige. So war beispielsweise nur für Iversheim aufgeführt, dass auch privater und mobiler Objektschutz zielführend seien, wie Martin Finder (CDU) aufgefallen war. Hier präzisierte Mewes: Privater Objektschutz sei generell in jeder Ortslage empfehlenswert. In Iversheim würde er sich aber am meisten lohnen, besonders bis das große Rückhaltebecken des Erftverbandes an der Möschemer Mühle in Bad Münstereifel in Betrieb gehen könne.

Da nicht nur das Wasser, sondern auch das sogenannte Geschiebe bei der Flutkatastrophe 2021 für Schäden gesorgt hat, gilt es, dieses möglichst aus den Orten herauszuhalten. Auch dafür gibt es entsprechende Maßnahmen. Ob „Rechen“ in der Erft vor der Stadt auch dazu gehörten, wollte Dr. Kerstin Oerter (Grüne) wissen. Doch Mewes kann diese nicht empfehlen, da sie einen Eingriff in die Durchlässigkeit der Erft darstellen würden.

Konzept berücksichtigt Ahr-Anrainer im Höhengebiet nicht

Unverständnis äußerte Norbert Lindemann (AfD) darüber, dass ausschließlich der Bereich der Erft berücksichtigt wurde. „Die Stadt ist bis zur Landesgrenze für die Bürger verantwortlich“, sagte er. Deshalb sei es erstaunlich, dass das Höhengebiet ausgespart worden sei. Hier verwies Mewes aber auf den vom Stadtrat beschlossenen Auftrag, der nur die Betrachtung der Erft beinhaltete, aber auch die Schwierigkeit bei der Zuständigkeit, da auf rheinland-pfälzischer Seite für die Ahr kein Äquivalent zum Erftverband vorhanden sei. „Da müsste dann alles direkt mit Mainz geregelt werden“, so Mewes.

„Wir sollten nun schnellstmöglich loslegen, es sind ja schon fünf Jahre vergangen“, forderte Edmund Daniel (UWV). Einen entsprechenden Zeitplan erstellen derzeit die Stadtwerke, wie deren technischer Betriebsleiter Ralf Wassong dem Rat mitteilte.