Die Johanniter-Hochwasserhilfe betont auch fünf Jahre nach der Katastrophe, die Erftstadt stark getroffen hat, den anhaltend hohen Bedarf.
Flut 2021 in ErftstadtNaturschützer und Hilfsorganisationen ziehen Bilanz

Das Ausmaß der Zerstörung nach der Jahrhundertflut in Blessen.
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Die Flutkatastrophe jährt sich in der kommenden Woche zum fünften Mal. Im Juli 2021 hatte die verheerende Naturkatastrophe mehr als 180 Menschen das Leben gekostet. Allein in Nordrhein-Westfalen starben 49 Personen. Erftstadt hatte keine Todesopfer zu beklagen. Doch die Wassermassen zerstörten ganze Häuser, hinterließen Trümmer und Schlamm. In Blessem hatte die Flut einen massiven Erdrutsch verursacht. Mehrere Gebäude stürzten ins Wasser.
Das Haus von Thomas Hillebrandt an der Radmacherstraße gegenüber der Kiesgrube in Blessem musste in Folge der Katastrophe abgerissen werden. Zu groß war der entstandene Schaden. Er findet sich seit vergangenem Jahr in einem Rechtsstreit gegen das Land NRW wieder. Thomas Hillebrandt könnte auf 110.000 Euro der Kosten für den Wiederaufbau sitzen bleiben und reichte Klage gegen die Bezirksregierung Detmold ein.
Erftstadt: 2577 Anträge auf Soforthilfen des Landes NRW
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Köln zum Einsturz der Kiesgrube dauern an. Weiter wird gegen zwölf Verdächtige ermittelt. Inzwischen liegt das laut Sprecher Ulrich Bremer „sehr komplexe“ Sachverständigengutachten vor. Wann das Verfahren abgeschlossen sein wird, ist offen.
Bei der Stadt Erftstadt wurden insgesamt 2577 Anträge auf Soforthilfen des Landes NRW eingereicht, wird Kämmerer Dirk Knips in einer Mitteilung zitiert. Das Fördervolumen belief sich laut Knips auf rund 5,53 Millionen Euro. Erftstadt erhielt zudem Spendengelder von rund 8,6 Millionen Euro.
Der Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland (ASB) stellte jüngst mit der Katastrophenforschungsstelle der Freien Universität Berlin und der Hochschule Bielefeld die Ergebnisse seines Resilienzprogramms vor. Von 2024 bis 2026 untersuchten sie die gemeinschaftliche Resilienz etwa in Erftstadt.
NRW-Landesverband des BUND zieht eine „ernüchternde Bilanz“
Mit dem Ergebnis: Viele Menschen seien trotz gestiegenen Problembewusstseins weiterhin nicht ausreichend auf Krisen vorbereitet. Die Johanniter-Hochwasserhilfe im Regionalverband Köln/Leverkusen/Rhein-Erft betont einen anhaltend hohen Bedarf. „Neben Fragen rund um den Wiederaufbau stehen häufig Sorgen, Ängste und emotionale Belastungen im Mittelpunkt unserer Gespräche“, so Noa Hillebrecht, Leiterin der Johanniter-Hochwasserhilfe.
Der Rapper Ralle (Tobias Baecker, 28) verarbeitete das Erlebte im Song „50374“, obwohl er das zunächst gar nicht vorhatte. „Dann war in mir anscheinend doch etwas, was ich sagen wollte.“ Am 14. Juli veröffentlicht er den Song mit Musikvideo, in dem auch Material der Flut-Dokumentation über Blessem und Frauenthal der Erftstädter Filmemacher Malte Krause und Philipp Sterk zu sehen ist.
Der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine „ernüchternde Bilanz“. Er fordert mehr ökologischen Hochwasserschutz und ein konsequentes Bebauungsverbot für Vorsorge- und Risikoflächen, teilt er mit. „Dass eine Bebauung und Versiegelung von Risikobereichen noch immer möglich ist, ist skandalös“, so der Landesvorsitzende Holger Sticht.
Die Stadtverwaltung hat bereits Hochwasserschutzkonzepte für Erft und Rotbach vorgestellt. Bevorzugte Variante an der Erft ist ein großes Hochwasser-Rückhaltebecken zwischen Bliesheim und Liblar sowie Deichanlagen.
Am Rotbach könnten eine gesteuerte Wasserabgabe am Hochwasserrückhaltebecken Niederberg helfen und ebenfalls Deiche. Die Erpa könnte durch ein Hochwasserrückhaltebecken westlich von Ahrem gebremst werden.
