Es gibt viel zu tun in Weilerswist: „Akzeptanzstreifen“ sollen die Artenvielfalt fördern. Feuerwehreinheiten wachsen schon zusammen.
GemeindefestBaustellen bleiben in Weilerswist ein Dauerthema – Streifen gegen Vandalismus

Die L194 bei Hausweiler wird derzeit saniert – das sorgt bei Anwohnern durchaus für Ärger.
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Die Gemeinde Weilerswist steht vor großen Aufgaben – und gleichzeitig vor einer Phase des Aufbruchs. Das wurde in einem Gespräch der Redaktion mit Bürgermeister Dino Steuer deutlich. Die Themen, die die Verwaltungsspitze derzeit umtreiben, reichen dabei von Feuerwehr und Infrastruktur bis hin zu Jugendarbeit, Veranstaltungen und Grünflächenentwicklung. Im Mittelpunkt steht dabei aus Sicht von Steuer die Zusammenarbeit.
Feuerwehr soll schrittweise zusammenwachsen
Ein zentrales Thema der Verwaltung ist die geplante Zusammenführung der Löschgruppen Vernich und Weilerswist am gemeinsamen Standort an der K11. Die Politik hat diesen bereits einstimmig beschlossen. Der Spatenstich für das neue Feuerwehrhaus soll nach aktuellem Stand Anfang 2027 erfolgen. Bis zur Fertigstellung sollen die bestehenden Gerätehäuser zunächst ertüchtigt und an Vorgaben der Feuerwehr-Unfallkasse angepasst werden. So sollen die sogenannten Alarmparkplätze, also die Stellplätze für Feuerwehrleute, die zum Einsatz ausrücken müssen, asphaltiert werden.
Beim jüngsten Treffen zwischen den beiden Löschgruppen, der Wehrleitung und der Verwaltungsspitze wurde laut Bürgermeister Steuer offen über die nächsten Schritte gesprochen. Die Verwaltung stellte klar, dass beide Löschgruppen zunächst eigenständig bleiben sollen. Alarmierungs- und Ausrückeordnungen bleiben vorerst bestehen. Eine erzwungene Zusammenlegung sei nicht geplant, solange keine rechtlichen oder einsatztaktischen Gründe dagegen sprechen.
Vielmehr setzt man auf ein langsames Zusammenwachsen durch gemeinsame Übungen, gemeinsame Freizeitaktivitäten und mehr Austausch. Die Stimmung sei dabei äußerst positiv gewesen. Künftig sollen auch Baupläne zunächst den betroffenen Feuerwehrleuten vorgestellt werden, bevor sie in die politische Beratung gehen. Ziel sei es, die Menschen einzubinden, die später mit dem Gebäude arbeiten müssen, so Steuer.
Baustellen sorgen für Ärger und benötigen noch Zeit
Die zahlreichen Baustellen bleiben in Weilerswist ein Dauerthema. Besonders in Hausweiler sorgen Straßen- und Kanalarbeiten derzeit für Einschränkungen. Anwohner beschweren sich über Umwege, gesperrte Kreuzungen und schwierige Zufahrten. Bürgermeister Dino Steuer betont jedoch, dass viele Straßen jahrzehntelang nicht grundlegend saniert worden seien.
Nun müsse vieles gleichzeitig angegangen werden. Ziel sei es, künftig Maßnahmen besser aufeinander abzustimmen, damit Straßen nicht erst saniert und kurze Zeit später erneut für Kanal- oder Glasfaserarbeiten geöffnet werden müssen. Dafür arbeite die Gemeinde inzwischen mit langfristigen Maßnahmenplänen und stimme sich enger mit dem Erftverband ab. Dennoch blieben viele Abläufe dynamisch, da Bauzeiten voneinander abhängen könnten. Allein die Kanalsanierung werde Weilerswist laut Steuer noch mindestens fünf Jahre beschäftigen.
Auch der Ausbau der L194 sorgt weiter für Diskussionen. Nach Angaben von Steuer investiert Straßen.NRW 2026 weitere 1,5 Millionen Euro in den Abschnitt zwischen Ottenheim und Vernich. Einige Teilstücke seien bereits 2025 umgesetzt worden. Die häufig angesprochenen Bereiche in Richtung Hausweiler oder bis zum Maibaumkreisel seien aktuell jedoch noch nicht Teil der Maßnahme. Diese könnten erst in späteren Programmen berücksichtigt werden. Geplant und umgesetzt werde der Ausbau durch Straßen.NRW. Gemeinde und Kreis seien aber eng eingebunden – etwa bei Gehwegen, Bushaltestellen oder Radwegen.
Der „Akzeptanzstreifen“ soll die Artenvielfalt fördern
Wer derzeit durch die Gemeinde spaziert, entdeckt an vielen Grünflächen einen schmal gemähten Rand rund um höher gewachsene Wiesen. Was auf den ersten Blick ungewöhnlich wirken mag, hat einen klaren Hintergrund: den sogenannten „Akzeptanzstreifen“. Dabei handelt es sich um einen etwa 0,5 bis 1 Meter breiten, kurz gehaltenen Streifen entlang von Wegen und Straßen.
Er schafft einen gepflegten Übergang zwischen Verkehrsflächen und naturnah bewirtschafteten Wiesenbereichen. Gleichzeitig zeigt er: Hier wird bewusst und gezielt gepflegt – nicht einfach „nicht gemäht“. Im Inneren der Flächen darf die Natur wachsen und blühen.
Neben dem ökologischen Nutzen sorgt der Akzeptanzstreifen für ein ordentliches Erscheinungsbild im Ortsbild. „Darüber hinaus kann der Bauhof seine Pflegearbeiten effizienter gestalten und wertvolle Arbeitszeit gezielt an anderer Stelle einsetzen“, so Steuer. Das Konzept orientiert sich ihm zufolge an der aus England stammenden Bewegung „No Mow May“. Dort verzichten viele Menschen im Mai bewusst auf häufiges Rasenmähen, um die Artenvielfalt zu fördern.
Neue Baugebiete und steigende Kosten
Auch die Entwicklung neuer Wohngebiete ist ein Thema. Für Hausweiler sollen die nächsten Aufträge kurzfristig vergeben werden, ein Baustart noch vor den Sommerferien gilt nach Angaben von Fachbereichsleiter Martin Reichswald als möglich. Gleichzeitig steigen die Baukosten weiter an. Grundstückspreise von rund 300 Euro pro Quadratmeter gelten inzwischen als realistisch. Beim Baugebiet in Müggenhausen soll schon in den kommenden Monaten mit der Erschließung begonnen werden.
Vereine und Unternehmen sollen stärker vernetzt werden
Besonders viel Enthusiasmus zeigt Bürgermeister Steuer bei den geplanten Veranstaltungen und neuen Netzwerkformaten. Aus einem ursprünglich kleinen Vereinstreffen entwickelt sich inzwischen ein großes Gemeinde- und Netzwerkevent.
Geplant ist eine Mischung aus Vereinsmesse, Ausbildungsbörse, Familienfest und Abendveranstaltung. Vereine, Unternehmen, Verwaltung, Musikschule, Feuerwehr, Jugendzentrum und viele weitere Akteure sollen sich am Samstag, 19. September, gemeinsam präsentieren. Dazu kommen Bühnenprogramm, Mitmachangebote und Gastronomie.
Großes Fest der Gemeinde geplant
Die Resonanz sei bereits jetzt überraschend groß. Die Veranstaltungsfläche müsse vermutlich deutlich erweitert werden. Mittlerweile sind auch Teile der Bahnhofsallee verplant. Der Bereich rund um das Rathaus so oder so. Ziel sei es, die Vereine stärker miteinander zu vernetzen und die Gemeinde insgesamt lebendiger wirken zu lassen. Beginnen soll die Veranstaltung unter dem Motto „Wir in der Gemeinde““ um 14 Uhr. Die After-Show-Party soll ab 18 Uhr steigen.
Auch ein zentraler digitaler Veranstaltungskalender ist geplant. Vereine und Unternehmen sollen künftig selbst Termine eintragen können, damit Veranstaltungen besser abgestimmt werden und sich nicht gegenseitig Konkurrenz machen.
Kinder- und Jugendarbeit bleibt Schwerpunkt
Auch die offene Kinder- und Jugendarbeit ist ein wichtiges Thema. Hintergrund sind Diskussionen auf Kreisebene über die Finanzierung von Jugendzentren – und mögliche Kürzungen. Die Gemeinde positioniert sich dabei klar: Öffnungszeiten sollen nicht reduziert werden. Stattdessen fordert man eine stärkere finanzielle Beteiligung des Kreises. Das Jugendzentrum sei gut besucht und erfülle eine wichtige soziale Funktion.
Verkehrssicherheit statt Einnahmequelle
Die Gemeinde betont, dass der semistationäre Blitzer, den die Gemeinde mit der Stadt Euskirchen betreibt, vor allem der Verkehrssicherheit dienen sollen. Wirtschaftlich arbeite das System derzeit weitgehend kostendeckend. Interessant sei vor allem der Lerneffekt: Selbst, nachdem der Blitzer an manchen Stellen wieder entfernt wurde, hätten viele Autofahrer ihre Geschwindigkeit dauerhaft reduziert. Laut Steuer wurden in den ersten sechs Monaten rund 650 Verstöße auf Gemeindegebiet registriert.
Vandalismus und Graffiti bleiben in der Gemeinde ein Thema. „Die Folgen tragen letztlich alle gemeinsam“, so Steuer: „Jede Reinigung, jede Reparatur und der Ersatz beschädigter Einrichtungen müssen aus öffentlichen Mitteln finanziert werden – also aus Geldern, die an anderer Stelle für wichtige Projekte und Verbesserungen in der Gemeinde fehlen.“ Die Gemeinde wird Steuer zufolge daher den Einsatz des Ordnungsaußendienstes verstärken, um Verursacher konsequent zu ermitteln und zur Verantwortung zu ziehen. Wie Steuer ankündigt, wird auch die Polizei künftig stichprobenartig nachts unterwegs sein.

