Fünf Jahre nach der Hochwasserkatastrophe an der Ahr und in der Eifel gibt es Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Deutschland hat Lehren aus der Flut gezogen.
Kommentar zur Flut an der Ahr und in der EifelDeutschland kann auch anders

Eine Kiesgrube verschluckt die Erft. Das Foto zeigt die Überschwemmungen in Erftstadt-Blessem bei der Hochwasserkatastrophe im Juli 2021. Foto: dpa
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Fünf Jahre. Fünf Jahre sind ins Land gezogen, seit eine Hochwasser-Katastrophe, die vermeintlich aus dem Nichts kam, das Leben vieler Menschen an der Ahr, in der Eifel, im Bergischen Land und in Teilen des Sauerlands binnen weniger Stunden für immer verändert hat.
Die Flut kostete mehr als 180 Menschenleben, verwüstete Ortschaften, vernichtete Existenzen, richtete Schäden in Milliardenhöhe an.
Etliche haben die Schockstarre bis heute nicht überwunden, manchen wird der Verlust ihrer Heimat, ihres persönlichen Hab und Guts, wohl nie gelingen. Der 14. und 15. Juli werden in den betroffenen Ortschaften noch für lange Zeit Tage der Trauer und des Gedenkens bleiben.
Wenn die Opfer überhaupt etwas Positives erinnern, dann die deutschlandweite Hilfsbereitschaft, die Solidarität, das Anpacken und Aufräumen, das nicht nur ein paar Tage, sondern über Monate anhielt.
Nach fünf Jahren darf man trotz aller unerledigten Aufgaben aber durchaus eine positive Bilanz ziehen. Deutschland kann auch anders. Deutschland ist nicht bloß der viel kritisierte überbürokratisierte und reformunfähige Koloss, von dem so häufig die Rede ist.
Tiefgreifender Wandel beim Bevölkerungsschutz
Deutschland ist in der Lage, innerhalb weniger Jahre einen tiefgreifenden Wandel im Bevölkerungsschutz anzustoßen. Die Regierungen im Bund, in den Ländern und die Kommunen haben aus dieser Katastrophe, die deshalb so schockierend war, weil man Hochwasser und Flutkatastrophen bis dato nur mit dem Rhein oder der Elbe, aber nicht mit der Ahr, der Urft oder Erft verband, erstaunlich schnell Lehren gezogen.
Die wohl wichtigste betrifft das Krisenmanagement. Nordrhein-Westfalen hat eine zentrale Landesstelle für Katastrophenschutz eingerichtet, die koordinierende Aufgaben übernimmt. Erstmals wurden gemeinsame Ausbildungsstandards vereinbart. Führungsstäbe, Lagezentren und Entscheidungsträger wie Bürgermeister und Landräte sollen künftig auf einer gemeinsamen Grundlage arbeiten. Das soll zu schnelleren Entscheidungen und einheitlichen Bewertungen beitragen.
Der Katastrophenschutz bleibt zwar in den Händen der Länder, aber die Standards sollen vereinheitlicht werden, damit im Ernstfall keine widersprüchlichen Entscheidungen getroffen werden.
Erhebliche Fortschritte gibt es auch bei den Frühwarnsystemen. Heute können mit Cell Broadcast gezielt Warnmeldungen in bestimmte Regionen gesendet werden. Unabhängig von einer App. Auch das lange abgeschriebene Sirenennetz wird in NRW wieder ausgebaut. Am Ende werden es 8600 sein.
Erst im Mai hat die Bundesregierung den Pakt für Bevölkerungsschutz beschlossen und wird bis 2029 zehn Milliarden Euro investieren. Zwar ist der Pakt in erster Linie eine Folge des russischen Überfalls auf die Ukraine, aber die Investitionen in eine moderne Ausstattung der größtenteils ehrenamtlichen Einsatzkräfte, moderne Warn- und Kommunikationssysteme, die Stärkung des Technischen Hilfswerks mit resilienten Standorten einschließlich Logistikzentren sowie die Verbesserung der Trinkwasser- und Notstromversorgung sind auch im zivilen Katastrophenfall von Nutzen.
Viele Flutopfer mit ihrer Kraft am Ende
An den milliardenschweren Wiederaufbauhilfen, die NRW und Rheinland-Pfalz in den vergangenen fünf Jahren gestemmt haben, wird nur vereinzelt Kritik laut.
Das alles ändert nichts an der Tatsache, dass viele der Flutopfer nach fünf Jahren Wiederaufbau mit ihren Kräften am Ende sind. Müde vom Schuften, erschöpft von fünf verlorenen Jahren, die ihnen die Flut genommen hat.
Für sie wird es Zeit, dass eine neue Normalität einkehrt, dass sie ihre Heimat trotz der vielen noch offenen Wunden wieder als lebenswert empfinden können. Nach fünf Jahren darf man vorsichtig optimistisch sein. Der Anfang ist gemacht.