In seinem ersten Neujahrsempfang gibt Bürgermeister Sebastian Glatzel einen Ausblick für Bad Münstereifel und verleiht die Ehrenamtspreise.
NeujahrsempfangWiederaufbau nach der Flut wird in Bad Münstereifel noch Jahre dauern

Drei Ehrenamtspreise verlieh die Stadt Bad Münstereifel während des Neujahrsempfangs in der Konviktkapelle.
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Politiker beginnen ihre Reden gerne mit Zitaten. Manche schmücken sich mit Dichtern wie Schiller und Goethe, andere nehmen Denker wie Kant oder Adorno. Auch Sebastian Glatzel bediente sich bei der Eröffnung seines ersten Neujahrsempfangs als Bürgermeister von Bad Münstereifel der Worte eines anderen: „Um Kermit, den Frosch, zu zitieren: Applaus, Applaus, Applaus!“, sagte er und hatte damit die Lacher auf seiner Seite.
Die Aufforderung ging an die Besucher in der voll besetzten Konviktkapelle, die die erste musikalische Darbietung des Chors des Musikvereins „Eifelklang“ Mutscheid mit Beifall belohnen sollten. Die Sängerinnen und Sänger boten nicht nur den musikalischen, sondern auch den bildlichen Rahmen des Empfangs, denn sie waren für die gesamte Dauer auf der Bühne.
Die Stadt Bad Münstereifel verleiht drei Ehrenamtspreise
Den grünen Frosch aus der „Muppet Show“ hätte Sebastian Glatzel aber auch in der zweiten Hälfte des Empfangs noch einmal zitieren können, als er drei Ehrenamtspreise der Stadt verlieh. Ausgezeichnet wurden das Netzwerk psychosoziale Hilfe Bad Münstereifel, die Dörfergemeinschaft am Thürne sowie die Corhelper im Stadtgebiet Bad Münstereifel.
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Das Netzwerk psychosoziale Hilfe hatte sich nach der Flutkatastrophe gebildet. „Die Betroffenen benötigten nicht nur Hilfe in Form von Schlammschippen, Entrümpeln und Aufräumen. Auch Hilfe für die Seele war notwendig“, formulierte es Glatzel. „Der Wiederaufbau kann nur gelingen, wenn die seelische Kraft da ist“, sagte Koordinator Michael Mönks.
Bereits einen Tag nach der Katastrophe hatten sich die ersten Helfer zusammengefunden, in der evangelischen Kirche erhielten sie eine Unterkunft. Zunächst habe man Akuthilfe leisten müssen, mittlerweile gehe es um die mittel- und langfristige Unterstützung, dazu gehört auch die Vermittlung an Institutionen bei Problemen beim Wiederaufbau. „Wir benötigen finanzielle Unterstützung, aber auch Menschen, die mithelfen wollen“, sagte Mönks. So soll das Thema psychosoziale Hilfe auch in Unternehmen und Schulen getragen werden.

Gab einen Ausblick auf 2026: Bürgermeister Sebastian Glatzel.
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Der Chor des Musikvereins „Eifelklang“ Mutscheid bot die Kulisse.
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Die Dörfergemeinschaft am Thürne ist in vielen Bereichen unterwegs und bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten. „Wer mit zwei linken Händen zu uns kommt, kann sich zum Maurer entwickeln – oder Steine kratzen“, sagte der Vorsitzende Rainer Hilberath. Ausgezeichnet wurde im Speziellen das ehrenamtliche Engagement für die Spielplätze, stellvertretend für alle Paten der rund 30 Spielplätze im Stadtgebiet.
Thürne-Mitglieder kümmern sich um die Plätze in Houverath und Scheuren und feiern beispielsweise Feste, um Geld für Anschaffungen zu sammeln. Die anwesenden Spielplatzpatinnen nutzten die Gelegenheit der Preisverleihung nicht nur, um Vereine und Firmen zur Unterstützung aufzufordern, sondern richteten auch die Bitte nach der Finanzierung eines Tisches an den Bürgermeister.
Die Corhelper erhalten als Preis eine weibliche Reanimationspuppe
Die Corhelper als dritter Preisträger retten Leben. Bei Herz-Kreislauf-Stillständen lassen sich Helfer in der Nähe per Handy-App alarmieren, um bis zum Eintreffen des Notarztes Erste Hilfe zu leisten. 256 Menschen im Stadtgebiet Bad Münstereifel machen bei der Aktion des Vereins „Lebensretter im Kreis Euskirchen“ mit und bieten auch Schulungen an, akquirieren weitere Helfer oder sammeln Spenden, damit automatisierte externe Defibrillatoren angeschafft werden können.
Im Gegensatz zu einem Geldpreis hatten sich die Corhelper eine weibliche Reanimationspuppe für Schulungszwecke gewünscht. „Unsere gesellschaftlichen Normen lassen es nicht zu, einer beispielsweise auf der Neustraße in Euskirchen kollabierten Frau die Kleider vom Leib zu reißen, um sie zu reanimieren“, erklärte Andreas Schmitz den Grund. Eine solche Puppe helfe, die Scheu zu überwinden. Generell suchen die Corhelper noch Mitstreiter. „Jeder, der zwei Hände und den Mumm hat, darf mitmachen“, so Schmitz.
Bürgermeister Sebastian Glatzel blickt auf viele anstehende Projekte
Erst seit November ist Sebastian Glatzel im Amt. Da fällt ein Rückblick auf das vergangene Jahr schwer. Aus diesem Grund schaute der Bürgermeister nach vorne – auf die zahlreichen Baumaßnahmen, die 2026 anstehen. Vor allen Dingen beim Wiederaufbau bat er aber auch um Geduld: „Experten, die schon den Wiederaufbau nach dem Elbhochwasser begleitet haben, schätzen, dass es wohl noch zehn Jahre dauern wird, bis auch der letzte Stein wieder an Ort und Stelle sitzt.“
In Iversheim werden dieses und nächstes Jahr die Straßen Am Bloch, Obergasse, Auf dem Waasem und zum Schluss die Euskirchener Straße instandgesetzt. „Ich bin überzeugt davon, dass Iversheim am Ende der Arbeiten schön wie nie erstrahlen wird“, so Glatzel. In Arloff stehe der Wiederaufbau der Bachstraße auf dem Programm, ebenso die Brückenstraße sowie die Brücken an der Hubertuskapelle und der Grundschule, die wenige Tage vor dem Empfang genehmigt worden waren. Wann die restlichen Straßen in Angriff genommen würden, hänge vom Fortschritt an der Bachstraße ab.
Häufig treffen Wiederaufbau und Entwicklungskonzept aufeinander
Ein Großprojekt ist die Sanierung der Kölner Straße rund um den Bahnhof, die die Stadt noch gesondert vorstellen wird. Hier treffen Wiederaufbau und Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) aufeinander.
Eine weitere ISEK-Maßnahme, die 2025 begonnen wurde und dieses Jahr abgeschlossen werden soll, ist die Sanierung des Wallgraben-Bereiches mit Bänken und einem Trampolin am Orchheimer Tor, Drehliegen und einem Bauerngarten am Heisterbacher Tor, einem Fitnessbereich am Kurgarten – und einer Hangrutsche, auf deren Inbetriebnahme sich der Bürgermeister besonders freut, genau wie auf die Veranstaltungen, die auf einer speziellen Fläche am Nordende des Wallgrabens abgehalten werden können. Im Frühjahr sollen auch die Wasserterrassen saniert sein.
Ein weiteres Projekt, das 2026 ansteht, ist der Umzug der Tourist-Info in die Stadtbücherei, die dadurch erhalten bleibt und modernisiert wird. Die Umgestaltung der Tourist-Information erfolgt im Rahmen eines Projekts der Nordeifel Tourismus GmbH.
Aber es gibt noch weitere Maßnahmen: Am Eifelblick Michelsberg werden die Sitzmöbel erneuert, das Hochwasserschutzkonzept ist fertiggestellt und wird in Kürze präsentiert, das 2025 in Betrieb genommene Hochwasserfrühwarnsystem wird um Bodenfeuchtesensoren ergänzt – und die Wasserleitung vom Lingscheider Hof bis zur Pumpstation Schönau wird erneuert, und in Gilsdorf wird ein Retentionsbodenfilter für die Regenwasserbehandlung gebaut.
Im Schulbereich werden dieses Jahr die Räume für den Offenen Ganztag ausgestattet. Seit diesem Jahr haben Kinder einen Rechtsanspruch auf Betreuung. Ende des Jahres soll mit Um- und Anbau am St.-Michael-Gymnasium begonnen werden. Und Glatzel betonte noch einmal, dass es Ziel sei, eine neue Grundschule in Bad Münstereifel zu errichten. Derzeit fehlten aber trotz einer voraussichtlichen Teilfinanzierung durch das NRW-Infrastrukturgesetz noch 20 Millionen Euro.

