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„Wir für unsere Stadt“Leverkusener säubern Straßen, Wege, Deiche und Parks von wildem Müll

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Zwei Erwachsene und zwei Kinder werfen Müll in einen Container.

Simona Sieglar, Bärbel Dabringhaus (v.r.) und zwei Enkelinnen von Simona Sieglar werfen ihre Ausbeute in den Container am Wupperufer.

Am Abschlusstag der stadtweiten Aktion waren an vielen Stellen Erwachsene und Kinder unterwegs, um Unrat aufzusammeln.

Matratzen, Autoreifen, Holzkisten, leere Flaschen, Grills in vielerlei Erscheinungsformen, Flaschen, Styropor, Kunststoffpaneele, überhaupt Plastik-Müll vielerlei Art, kaputte Regenschirme, alte Koffer, ein ganzes Zelt mit Inhalt, Campingstühle, Hygienemüll, leere Lachgas-Behälter, Zigarettenkippen: Die Liste dessen, was Kita-Kinder, Schülerinnen, Schüler und Erwachsene in der vergangenen Woche überall im Stadtgebiet als wilden Müll rund um ihren Kindertagesstätten und Schulen, von Wegesrändern, aus Parks, aus dem Silbersee, der Wupper, aus dem Bürgerbusch oder ganz einfach von Bürgersteigen aufgesammelt haben, ist schier endlos.

Am Samstag war bei kühlen Temperaturen und trübem Licht der Abschlusstag der einwöchigen Putzaktion „Wir für unsere Stadt“. Aber wer geglaubt hat, das schlechte Wetter würde vielleicht den Eifer der Putzkolonne aus Groß und Klein bremsen, konnte sich vormittags und mittags vom Gegenteil überzeugen. Am Badestrand des Großen Silbersees hatten zehn Erwachsene und Kinder des Angelsportvereins Leverkusen bereits um 10 Uhr vormittags zehn Säcke mit Müll zusammengetragen. Kim Marcel Schwarzschultz, Geschäftsführer der Angler, sprach von einer üblichen Ausbeute. Das eingangs erwähnte Zelt fanden er und seine Angelsportkollegen im See, mit Inhalt, also Matratzen, Kleidung... „Das war voll ausgestattet“, erzählte einer der Sammler. „Zum Glück war keiner mehr drin im Zelt“, scherzte er. 

Einmal jährlich, so Schwarzschultz, säubere der Verein mit so vielen Leuten das Seeufer und, falls nötig auch den See selbst, alle paar Monate aber auch in kleinerer Besetzung. Das Ekeligste an dem freiwilligen Einsatz ist offenbar die Säuberung des Areals von Hygienemüll: „Es gibt einige Stellen, die als Toilette benutzt werden“, so der Vereinsgeschäftsführer.

Männer und ein Kind stehen vor Müllsäcken an einem Seeufer.

Mitglieder des Angelsportvereins Leverkusen mit Oberbürgermeister Stefan Hebbel mit einem Teil ihrer Müllausbeute am Silbersee

Oberbürgermeister Stefan Hebbel war ebenfalls zum Silbersee gekommen. Er bedankte sich für den Einsatz der Angler und sagte, dass er das Thema Toiletten am Silbersee noch mal in den zuständigen Ratsgremien zur Sprache bringen wolle. Grundsätzlich hilft gegen den wilden Müll am See aber wohl nur, Kinder und Erwachsene immer und immer wieder darüber aufzuklären, wie schädlich der Unrat in der Natur ist und sie darauf hinzuweisen, dass es Regeln gibt, an die sich alle halten müssen. Mehr Müllbehälter oder häufigere Leerung derselben jedenfalls ergeben keinen Sinn, ist Schwarzschultz überzeugt: „Die Leute schmeißen ihren Abfall einfach 20 Meter neben dem Abfallbehälter auf die Wiese.“

Am Kleingartenverein Holzer Wiesen war der bereit gestellte Container am späten Vormittag ebenfalls gut mit wildem Müll gefüllt, den 35 Mitglieder des Quettinger Vereins aus dem Gebiet rund um das Vereinsgelände und aus dem angrenzenden Bürgerbusch herausgeholt hatten. Hebbel schaute auch bei den Kleingärtnern vorbei und würdigte deren Einsatz für mehr Sauberkeit in der Stadt und den Schutz von Natur um Umwelt. Auch die Kleingärtner sind jedes Jahr bei der stadtweiten Kampagne gegen wilden Müll dabei.

Ein paar Kilometer weiter am Wupperufer nördlich der Himmelsleiter waren Bärbel Dabringhaus, Simona Sieglar und ihre zwei Enkelinnen auf dem Rückweg vom Müllsammeln. Man treffe sich jedes Jahr in einer größeren Gruppe zu der Aktion beim Opladener Wohnmobil-Vermieter Georgs Wohnis, erzählten die beiden Frauen. Von dort geht ein Teil der Gruppe zu Fuß am Wupperufer entlang, ein anderer steigt in Leichlingen in Kanus, und säubert den Fluss und seine Ufer vom Wasser aus.

Auf dem Fußweg zurück zur Himmelsleiter, wo der Müllcontainer für die Ausbeute der Sammler stand, erspähte Dabringhaus im Buschwerk noch ein altes Stück Plastikflatterband. Kurzer Stopp, Dabringhaus kletterte auf einen umgestürzten Baum, um das Flatterband aus dem Strauch holen zu können, ein energisches Zerren an dem alten Plastik und sie hielt den rot-weißen Kunststoff in der Hand. „Das war vielleicht noch ein Überbleibsel der Flut, so hoch im Gebüsch“, mutmaßte sie. Im vergangenen Jahr hätten sie im Buschwerk in Opladen sogar noch einen Müllbehälter aus Leichlingen entdeckt, berichtete sie.

Dieses Jahr ist die Ausbeute nicht so groß. Sie seien ganz angetan, so die beiden Frauen, die vermuten, dass die Schülerinnen und Schüler in der Woche bereits viel wilden Müll beseitigt haben.


Mehr als 7000 Freiwillige

Von Montag, 9. März, an haben insgesamt 5919 Kinder und Jugendliche bei „Wir für unser Stadt“, Straßen und Plätze, Wege, Parks und Flussufer von wildem Müll befreit. Für die Abschlusstag von Donnerstag, 12. März, bis Samstag, 14. März, haben sich weitere 1088 Personen als freiwillige Müllsammler angemeldet. Insgesamt haben sich so 7007 Kinder und Erwachsene beteiligt, 166 mehr als im vergangenen Jahr. (ps)