Die Sozialdemokraten haben auf ihrer Wahlkreiskonferenz den Kurzzeit-Vorsitzenden ihrer Partei in den Landtagswahlkampf geschickt.
LandtagswahlSPD Leverkusen nominiert Jonas Berghaus

Jonas Berghaus und sein unterlegener Gegenkandidat Max Haacke (l.) zeigten nach Berghaus’ Nominierung Einigkeit.
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Bei der Schnelligkeit, mit der sie ihren Kandidaten für die Landtagswahl nominiert haben, sind die Sozial- den Christdemokraten in der Stadt ein paar Minuten voraus. Etwa 65 Minuten, fünf Minuten weniger als bei der CDU, dauert es, bis Jonas Berghaus am Montagabend im Agamsaal des Forums als Kandidat der Partei für den Wahlkreis 20 feststeht. Und das, obwohl Berghaus mit Max Haacke ein zweiter Kandidat gegenübersteht.
Eigentlich gab es sogar noch eine Dritte, die sich um die Nominierung ihrer Partei für die Landtagswahl bewerben wollte. Doch Katja Weierstall erkannte beim Zug des Kandidatentrios durch die SPD-Ortsverbände auf Basis des Stimmungsbildes unter den Genossinnen und Genossen, dass sie wohl keine Chance gegen Haacke und Berghaus haben würde, und zog ihre Kandidatur zurück. Das wiederum machte es möglich, dass der Unterbezirksvorsitzende Darius Ganjani Weierstall nach der Begrüßung der 71 Delegierten als Sitzungsleiterin benannte.
Von den beiden verbleibenden Kandidaten hält der 37-jährige Berghaus, Lehrer für Latein und Geschichte am Landrat-Lucas-Gymnasium, die wesentlich engagiertere Rede. Berghaus schlägt den Bogen vom Land in die Kommune und wirft „Posterboy“ Ministerpräsident Hendrik Wüst vor, von seiner Politik komme in Leverkusen nichts an. Mehrfach unterbrechen ihn die Delegierten mit Beifall, etwa als er anprangert, dass weiterhin „Bildungsgerechtigkeit nicht gegeben“ sei und „Herkunft über Zukunft“ entscheide in NRW, das im bundesweiten Bildungsranking auf Platz 14 von 16 liege. Bildung ist überhaupt das Thema, bei dem sich Berghaus als Lehrer zu Hause fühlt. Er dekliniert durch, wo es überall hakt in NRW auf dem Bildungsweg der Mädchen und Jungen bis zum Schulabschluss an einer weiterführenden Schule und kommt damit an.
Allerdings hat Berghaus seine Bewerbungsrede vor den Delegierten offenbar nicht mal zu Hause mit der Stoppuhr geprüft, denn anders als Haacke überzieht er seine zehnminütige Redezeit trotz Mahnungen von Weierstall kräftig und bekommt den Unmut einzelner Delegierter über sein Verhalten deutlich zu spüren. Der Manforter kann gerade noch unterbringen, dass die Partei auch die ältere Generation bei der Werbung um Stimmen in den Blick nehmen müsse. „Nur mit einem Wahlkampf für die jüngere Generation werden wir die Wahl nicht gewinnen“, da stoppt Weierstall seinen Redefluss endgültig.

Die Delegierten der SPD-Wahlkreiskonferenz im Agamsaal
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Auffällig ist sowohl bei ihm als auch bei Haacke und Parteichef Ganjani die mehrfache Betonung der innerparteilichen Geschlossenheit. Bei Berghaus, der als Kurzzeit-Unterbezirksvorsitzender der Jahre 2019 und 2020 mit 13 Monaten Amtszeit ein Lied von innerparteilichen Grabenkämpfen singen kann, hört sich das so an: „Es ist durchaus möglich, dass sich drei Personen um eine Kandidatur bewerben, ohne dass das in Streit mündet.“ Zu frisch sind offenbar auch noch die Erinnerungen an die erneut heftigen innerparteilichen Querelen, die die Zeit der früheren SPD-Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, Milanie Kreutz beendeten.
Das Ergebnis fällt dann recht deutlich aus. 46 Delegierte stimmen für Berghaus, 17 für Haacke, vier Delegierte enthalten sich. Berghaus’ erste Reaktion auf die Frage, ob ihm klar war, dass das Ergebnis so deutlich ausfallen würde: „Klar ist in der Leverkusener SPD gar nichts. Ich freue mich über das Ergebnis.“
Die Delegierten bestimmen dann noch Max Haacke und Katja Weierstall als Delegierte für die Konferenz der Landespartei zur Bestimmung der Listenplätze für die Landtagswahl, dann ist die Wahlkreiskonferenz vorüber. Berghaus hat jetzt ziemlich genau ein Jahr Zeit, um Rüdiger Scholz (CDU) das Direktmandat für den Wahlkreis 20 abzujagen. Am 25. April 2027 ist Landtagswahl.
Seit 2005 gibt es einen Wahlkreis für die gesamte Stadt
Der Landtagswahlkreis 20 umfasst das Gebiet der Stadt Leverkusen. Er ist einer von 128 Wahlkreisen in Nordrhein-Westfalen, aus denen jeweils ein direkt gewählter Abgeordneter in den Landtag in Düsseldorf entsandt wird. Der Zuschnitt des Wahlkreises änderte sich in der Nachkriegszeit mehrfach.
Viele Jahre lang war das Stadtgebiet auf zwei Wahlkreise aufgeteilt. Zur Landtagswahl 1966 wurde der Wahlkreis Leverkusen neu gebildet. Zuvor gehörte Leverkusen – bis 1955 kreisangehörige Kommune im Rhein-Wupper-Kreis – zum Wahlkreis Unterer Rhein-Wupper-Kreis beziehungsweise Rhein-Wupper-Kreis-West/Leverkusen. Ab 1980 gab es in Leverkusen wieder zwei Wahlkreise. Der Wahlkreis Leverkusen II/Rheinisch-Bergischer Kreis I umfasste dabei Opladen, Bergisch Neukirchen, Leichlingen und Burscheid. Wahlkreis I den Rest der Stadt. Nach einer erneuten Änderung gibt es seit 2005 wieder nur einen Wahlkreis in Leverkusen.
Bis 2005 war der Landtagswahlkreis Leverkusen (beziehungsweise Leverkusen I) fest in SPD-Hand. Seitdem wechselt die Mehrheit für den Direktkandidaten zwischen CDU und SPD. Der aktuelle Direktkandidat aus dem Wahlkreis, Rüdiger Scholz, sitzt seit 2017 für die CDU im Düsseldorfer Landtag. (ps)

