Harald Leinweber organisiert Treffen im Literaturhaus Nettersheim. Die Bandbreite der Themen reicht von Jules Verne bis zu Film-Monstern.
Fantasie und VisionAn diesem Stammtisch in Nettersheim dreht sich alles um Science-Fiction

Die Fernsehserie „Raumschiff Enterprise“ hat bei vielen das Interesse an Science-Fiction geweckt.
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Der Weltraum, unendliche Weiten. Vor mehr als 50 Jahren waren diese vier Worte zum ersten Mal in deutschen Wohnzimmern zu hören, als Intro der Serie „Raumschiff Enterprise“. So weit wie die legendäre Besatzung der Enterprise ist bis heute niemand in die unendlichen Weiten vorgedrungen. Technik hat Grenzen, die Fantasie nicht. Und manchmal verschieben sich die Grenzen der Technik so, dass sie die Fantasie einholen.
Die sieben Männer, die sich an diesem Mittwochabend im Nettersheimer Literaturhaus treffen, sind Experten fürs Ausgedachte. Sie sind Science-Fiction-Fans. Wobei Science-Fiction ein weites Feld ist. Oder, wie Harald Leinweber sagte: die breiteste Leinwand, auf der Schriftsteller arbeiten können. Leinweber hatte die Idee, sich mit Gleichgesinnten zu einem regelmäßigen Stammtisch zu treffen.
Ein Teilnehmer hat MechaGodzilla nach Nettersheim mitgebracht
Dass zu diesem dritten Treffen ausschließlich Männer gekommen sind, wurmt ihn ein wenig. Es gebe durchaus auch Frauen, die sich für Science-Fiction begeisterten, betont er und versucht, einen dieser weiblichen Fans per Videochat zuzuschalten. Aber die moderne Technik bockt, und herbeamen kann er sie – noch – nicht.
Julian Königshofen hat MechaGodzilla mitgebracht, die mechanische Variante des Film-Monsters im Kleinformat. Vor etwa zwei Jahren hat er ihn gekauft – kein Kinder-, sondern ein Männerspielzeug. „Er ist ein Nerd“, sagt einer der anderen Stammtischbesucher, und es klingt nach Anerkennung. Thomas Kamm hat ein paar Videos dabei, außerdem liegen etliche Bücher auf dem Tisch.

Die Gesprächsthemen gehen nicht aus beim Science-Fiction-Stammtisch, den Harald Leinweber (M.) im Literaturhaus organisiert.
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Spielzeug für Erwachsene: Der MechaGodzilla ist im Film gewissermaßen die mechanische Variante des Monsters.
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Filme aus seinem Fundus hat Thomas Kamm mitgebracht.
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Worüber redet man beim Science-Fiction-Stammtisch? „Wir kommen von Hölzchen auf Stöckchen“, sagt Thomas Kamm. So ist es auch an diesem Abend. Die Wege zur Leidenschaft für die ausgedachten Geschichten waren unterschiedlich. Bei den Älteren hat es mit Lesen angefangen, mit Perry Rhodan oder auch mit Jules Verne. Bei den Jüngeren, die noch gar nicht auf der Welt waren, als die Enterprise gestartet ist, waren eher Filme der Einstieg. Berührungsängste gibt es nicht, ob Comic oder Hörspiel – Hauptsache Science-Fiction.
Science-Fiction ist längst ein anerkanntes Literatur-Genre
Denn die Faszination ist letztlich die gleiche: dass die Autoren und Autorinnen, Regisseure oder Zeichner sich etwas vorstellen können, was es nicht gibt, aber was es geben könnte. Den Experten fallen schnell Beispiele ein, in denen die Schriftsteller ihrer Zeit einfach voraus gewesen seien. In den 30er-Jahren sei eine Geschichte erschienen, in der Mammuts wieder zum Leben erweckt wurden. Mittlerweile sei eine Rückzüchtung der ausgestorbenen Schattenwölfe gelungen. Auch das Internet sei vor Jahren vorhergesehen, aber nicht beachtet worden. Da hat die Wirklichkeit längst die Fantasie überholt.
Harald Leinweber entpuppt sich in solchen Fragen als wandelndes Lexikon. Science-Fiction, sagt Guido Huppertz, gehe über die Wissenschaft hinaus: „Sie eröffnet immer neue Räume.“ Früher habe man das Genre für Schund gehalten, berichtet Leinweber. Mittlerweile hätten es renommierte Autoren für sich entdeckt – als „Literatur des Wandels“.
Bei allem Spaß an neuen, fantasievollen Abenteuern sehen die Fans durchaus einen ernsten Hintergrund in Science-Fiction. Die Geschichten seien häufig visionär, es würden ethische Fragen verhandelt. Vorstellungen, wie die Welt werden könnte, seien vielleicht sogar hilfreich, um Entwicklungen zu verhindern. „Letztlich geht es bei Science-Fiction nicht um die Zukunft, sondern um die Gegenwart“, sagt Harald Leinweber.
Der Stammtisch trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat um 18 Uhr im Nettersheimer Literaturhaus, Steinfelder Straße 12. Wer Interesse hat, kann einfach vorbeischauen. Weitere Infos gibt Harald Leinweber per E-Mail (harald.leinweber@gmail.com). Das nächste Treffen findet am 1. Juli statt.
