Trotz attraktiver Grundstücke und eines finanziellen Anreizes für Familien ist die Nachfrage nach Grundstücken im Neubaugebiet in Olef sehr gering.
Kaum NachfrageGrundstücke im Baugebiet „Sittard“ in Schleiden-Olef sind ein Ladenhüter

Auf einem Plateau oberhalb von Olef entsteht das Neubaugebiet „Sittard“.
Copyright: Wolfgang Kirfel
Um Interessenten und vor allem jungen Familien ein attraktives Neubaugebiet anbieten zu können, hatte die Stadt Schleiden im vergangenen Jahr mit der Erschließung des Areals „Sittard“ in Olef begonnen. Dort entstehen auf einem rund 15.000 Quadratmeter großen Areal 66 Grundstücke. Doch bislang ist das Projekt ein Flop, weil es kaum Anfragen für die Bauflächen gibt.
2024 war die Stadt nach Angaben der Verwaltung nur noch Eigentümer von sieben Grundstücken. Das sollte mit der Erschließung des Neubaugebietes „Sittard“ geändert und die Möglichkeit zur Errichtung von Einfamilienhäusern in der Tallage geschaffen werden. 23 der 66 Grundstücke gehören der Stadt.
Bei der Vermarktung bekommen junge Familien einen Bonus. Wenn sie ein Grundstück erwerben, reduziert sich der Kaufpreis von 120 Euro pro Quadratmeter für jedes Kind, das am Beurkundungstermin des Kaufvertrages jünger als 15 Jahre alt ist und dauerhaft im Haushalt der Käufer wohnt, um fünf Euro pro Quadratmeter.
Nach drei Jahren muss das neue Wohnhaus stehen
Die Käufer müssen allerdings auf dem Grundstück drei Jahre nach Rechtswirksamkeit des Kaufvertrags sowie der Herstellung von Baustraße und Kanalanschluss ein Wohnhaus errichtet haben. So soll verhindert werden, dass Flächen als Geldanlage oder zum Vorrat für spätere Generationen gekauft werden.

Zurzeit laufen in dem rund 15.000 Quadratmeter großen Areal noch die Erschließungsmaßnahmen.
Copyright: Wolfgang Kirfel
„Wir hatten extra den ,Sittard’ für das Baugebiet ausgewählt, weil das Areal schön gelegen ist und nur wenig Gefälle hat. Der Zuschnitt der Grundstücke ist mit Größen zwischen 471 und 927 Quadratmetern sehr vielfältig“, sagt der Beigeordnete Marcel Wolter. Die unmittelbare Nähe zur Tallage und die Anbindung über die neue Zufahrt entlang des Olefer Sportplatzes nach Schleiden und Gemünd seien optimal. Hinzu komme: „Für die Baugrundstücke besteht keine Hochwassergefahr.“
Trotz der Vorteile wurden bislang aber nur vereinzelt Bauplätze verkauft. „Kürzlich musste sogar ein Grundstück durch die Stadt zurückgekauft werden, da die zeitlich begrenzte Bauverpflichtung nicht eingehalten werden konnte“, teilt die Verwaltung mit. „Eine geringe Nachfrage nach Grundstücken kommt schon mal vor. Aber dass so wenig Interesse besteht, ist schon ungewöhnlich“, meint Wolter.
Im Gegensatz zu anderen Orten keine Nachfrage aus dem Dorf
Allerdings seien die Rahmenbedingungen zurzeit auch schwierig: „Die Baukosten sind in den vergangenen Jahren extrem gestiegen. Gleiches gilt seit 2021 auch für die Baufinanzierungszinsen, die mittlerweile wieder auf dem Niveau von 2010/2011 liegen.“ Dadurch werde die Finanzierung des Bauvorhabens für die Käufer immer schwieriger. In Olef gebe es aber auch im Gegensatz zu anderen Orten im Stadtgebiet keine Nachfrage aus dem Dorf selbst. Sonst werde in der Regel ein Teil der städtischen Baugrundstücke an junge Paare verkauft, die einen persönlichen Bezug zum jeweiligen Ort haben.
Hinzu komme, dass sich Familien aktuell vermehrt für den Kauf einer Bestandsimmobilie entscheiden würden, bei der man sich mit anstehenden Investitionen ein paar Jahre Zeit lassen könne. „Im ländlichen Raum gehört häufig fast jede zweite Immobilie der sogenannten Babyboomer-Generation. Diese Häuser kommen jetzt zunehmend auf den Markt, weil die bisherigen Besitzer oder ihre Erben sie verkaufen wollen“, so Wolter. Das große Angebot sorge insbesondere in ländlichen Regionen, in denen der Bodenwert ohnehin verhältnismäßig gering sei, für sinkende Verkaufspreise.
Situation wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen
„Der demografische Wandel zeigt also am Beispiel des Neubaugebietes ,Sittard’ seine Auswirkungen und gibt einen Vorgeschmack auf die künftige Entwicklung“, betont der Beigeordnete. Die Situation werde sich aus seiner Sicht ab dem Jahr 2030 noch einmal verschärfen, weil weitere Babyboomer Häuser verkaufen wollten. Deshalb sei davon auszugehen, dass auch in den nächsten Jahren kaum Grundstücke in dem Olefer Gebiet verkauft werden.
„Dennoch war es die richtige Entscheidung, Baulandreserven im Stadtgebiet zu schaffen. Ohne das Baugebiet in Olef besäße die Stadt nämlich kaum eigene Grundstücke und könne bei Veränderungen der Rahmenbedingen nicht zeitnah reagieren und ein attraktives Angebot machen“, erklärt Wolter.
Auf der anderen Seite werde aber auch klar, dass Neubaugebiete in ihrer Dimension stets nur im Verhältnis zur Ortschaft entstehen sollten: „Die letzten Baugebiete Bronsfeld-Hausten und Scheurener Berg haben gezeigt, dass es ansonsten viele Jahre dauert, bis so große Gebiete bebaut sind.“ Der demografische Wandel, der starke Rückgang der Geburtenrate und die wegbrechende Nachfrage nach Baugrundstücken in der Stadt mache es zudem erforderlich, auch die gesamte kommunale Infrastruktur im Auge zu behalten.
