Der Schleidener Timo Ronig setzte sich beim Wettbewerb in Simmerath durch. Die Zeit spielt nur eine untergeordnete Rolle.
Heimvorteil genutztDer beste Straßenbauer NRWs kommt aus Schleiden

Seinen Heimvorteil nutzte Timo Ronig aus Schleiden als Vertreter des Kammerbezirks Aachen und errang in Simmerath den Titel des Landesmeisters.
Copyright: Stephan Everling
Wenn Handwerker ihre Meisterschaften austragen, geht es oft ruhig zu. Keine Cheerleader, keine Kampfgesänge, keine Ultras, die ihre Favoriten anfeuern. So auch am Samstag, als im BGZ in Simmerath die Landesmeisterschaften im Straßenbau ausgetragen wurden. Sechs Teilnehmer, jeweils die Besten ihres Jahrgangs aus den NRW-Kammerbezirken, waren angetreten, um sich den Titel zu sichern. Lediglich aus dem Bezirk Münster war kein Vertreter angereist.
Am Ende konnte der Teilnehmer aus dem Kammerbezirk Aachen seinen Heimvorteil nutzen und den Titel holen: Timo Ronig aus Schleiden darf sich nun Landesmeister der Straßenbauer in NRW nennen.
Eine anspruchsvolle Aufgabe hatte der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) bundesweit einheitlich für die Meisterschaft vorgegeben. Die Aufgabenstellung hing auch für Besucher einsehbar aus. Erstellt werden sollte ein Gehwegausschnitt mit einer bogenförmigen, dreizeiligen Muldenrinne, drei Streifen Natursteinpflaster mit dazwischenliegendem Mosaik aus Natursteinen und einigen weiteren Herausforderungen. Auch die entsprechenden Gefälle mussten eingearbeitet werden.
Die Kandidaten arbeiteten hochkonzentriert an ihrer Aufgabe
Dafür hatten die Junggesellen sieben Stunden Zeit. „Das ist vom Anspruch her knackig“, sagte Thomas Gering, Ausbildungsleiter für den Straßenbau im BGZ. Zumal der Ausbildungsstand der Teilnehmer unterschiedlich sei und einige Gestaltungselemente für zwei der Gesellen Neuland darstellten. Für Fragen sei er aber jederzeit offen, betonte Gering: „Das ist ein Wettbewerb und keine Prüfung.“
Die Herausforderung nahmen alle Kandidaten an. Schweigend und konzentriert arbeiteten sie, hämmerten und klopften oder schaufelten Sand. „Wenn alle meine Schüler so motiviert wären wie die hier, hätte ich auch meine Haare noch“, scherzte Gering.

Unter den wachsamen Augen von Simon Bertrichs arbeitete Tim Chytry aus Kall als Maurer.
Copyright: Stephan Everling
Bei der Beurteilung komme es nicht auf die benötigte Zeit an, sondern auf die exakten Maße und das Erscheinungsbild, erläuterte der Ausbildungsleiter. Der Sieger darf zur Deutschen Meisterschaft fahren, die vom 7. bis 9. November in Sigmaringen stattfindet. „Dort wird eine Aufgabe gestellt, für die man zwei Tage Zeit hat“, erklärte Gering. Bei den „EuroSkills“, der Europameisterschaft der Berufe, die im September 2027 in Düsseldorf stattfindet, wird der Deutsche Meister allerdings nicht antreten. „Im Straßenbau gibt es keine Nationalmannschaft“, sagte Gering.
Auch eine Straßenbauerin stellte sich dem Wettbewerb
Auch Markus Quadt, Ausbildungsleiter bei der Baufirma Balter aus Losheim, zeigte sich beeindruckt von der Aufgabe, die der ZDH in Berlin gestellt hatte. „Das ist schon eine Herausforderung“, sagte er. Sein Schützling Timo Ronig aus Schleiden vertrat den Handwerkskammerbezirk Aachen. „Er schlägt sich gut“, befand Quadt, um gleich hinzuzufügen: „Aber die sind alle sehr gut.“ Unter den sechs Teilnehmern war die Stimmung gut und kollegial.
„Wir können uns doch unterstützen. Der Beste soll gewinnen“, sagte Alex Geukes aus dem Bezirk Düsseldorf, als er mit seinen Kollegen im Betonlabor Mittagspause machte. Dort war ein kleines Büfett aufgebaut. Nicht alle wollten etwas essen. Einige spannten lieber aus oder gingen eine Zigarette rauchen.
„Mir tut der Rücken weh“, bekannte Ronig. Am Anfang sei das Abstecken schwierig gewesen, doch inzwischen komme er gut voran. Neben ihm saß Emilia Mark aus Hennef, die einzige Frau im Wettbewerb. „Bei uns im Bezirk war ich die einzige Frau“, berichtete sie. Dass sie ihren männlichen Kollegen den Kammersieg weggeschnappt habe, sei nicht überall gut angekommen. „Mir hat niemand gratuliert, aber das ist mir egal. Ich bin nicht für die anderen da“, sagte sie. Sie habe keinen Bürojob gewollt, sondern lieber draußen arbeiten wollen, begründete sie ihre Entscheidung für den Straßenbau.

Intensiv diskutierten Elmar Conventz (links) und Markus Benders über die Details der Werkstücke der Steinmetze.
Copyright: Stephan Everling
Bis vor zwei Jahren habe es auch im Bezirk Aachen nur eine Frau gegeben, die eine Ausbildung zur Straßenbauerin absolviert habe, berichtete Gering. In den vergangenen beiden Jahrgängen seien es dagegen insgesamt sechs gewesen. „Keine Ahnung, ob der Trend stabil ist, aber ich glaube, dass grundsätzlich mehr Frauen im Handwerk sein werden“, sagte er. Für ihn sei das eine angenehme Entwicklung. „Wenn Frauen dabei sind, benehmen sich die Jungs besser“, meinte Gering.
Steinmetze hatte ihre Gesellenstücke zur Bewertung eingereicht
Gegenüber, in Halle 21, lief derweil die Bewertung der Gesellenstücke der Steinmetze. Drei Bezirke hatten Bewerber für den Landeswettbewerb gemeldet. Anders als die Straßenbauer mussten sie nicht vor Ort arbeiten, sondern legten ihre Gesellenstücke zur Beurteilung vor.
Christoph Plinz begutachtete gemeinsam mit Anja Bücken, Elmar Conventz und Markus Benders die Arbeiten. Dabei wurde intensiv diskutiert. „Wir sind nicht immer einer Meinung“, betonte Bücken. „Es sind Nuancen, die entscheiden“, ergänzte Benders.
Bei der Herstellung ihrer Gesellenstücke dürften die Steinmetze lediglich Handwerkzeuge und etwas Pressluft einsetzen, Maschinen seien verboten, kritisierte Bücken die Prüfungsordnung. „Das ist nicht zeitgemäß, das stört uns seit vielen Jahren“, sagte sie. „Das sehen wir auch so“, pflichtete Plinz ihr bei. Denn dort, wo wirtschaftlich gearbeitet werden müsse, gehöre etwa der Einsatz einer Flex längst zum Alltag. „Das geht nicht ohne Maschinen“, sagte er.
