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Vor 60 JahrenMetzgerei in Gemünd startete mit einer Kuh und zwei Schweinen

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Drei Männer in weißer Kleidung stehen in den Produktionsräumen der Metzgerei Steffen in Gemünd.

Die zweite und dritte Generation in der Metzgerei bilden Thomas (v.l.), Christian und Frank Steffen.

Das Jubiläum der Metzgerei Steffen in Gemünd  wird am 23. Mai gefeiert. Ein Nachfolgeproblem gibt es hier nicht.

Für ihre Arbeit haben Frank und Thomas Steffen ein simples Credo: „Wir sind kompromisslose Qualitätsjunkies“, sagt Thomas Steffen. Schon ihr Vater Julius habe das vorgelebt. Die Söhne, die den Betrieb 2007 übernommen haben, setzen das fort. Seit 60 Jahren gibt es mittlerweile die Metzgerei Steffen in Gemünd. Am Pfingstsamstag wird das Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür gefeiert.

Streng genommen ist der Jubiläumstag schon mehrere Monate vorbei: Erstmals wurden die Türen zum Ladenlokal am 10. Dezember 1965 geöffnet. Der Zeitpunkt mag für die Eröffnung prima gewesen sein, fürs Jubiläum ist es die Vorweihnachtszeit ganz und gar nicht. Es sei keine Gelegenheit gewesen, die Feierlichkeiten vorzubereiten, sagt Thomas Steffen: „Da haben wir Hochsaison.“

Zu Beginn war der Betrieb in Gemünd im Haus gegenüber

Die Zwillingsbrüder halten die Geschäftsbereiche streng getrennt: Während Frank Steffen für die Produktion verantwortlich zeichnet, ist sein Bruder Thomas für den Vertrieb und den Verkauf zuständig. „Wir haben früh erkannt, dass jeder seinen eigenen Schwerpunkt haben muss“, sagt Thomas Steffen. Solch ein Schwerpunkt ist wichtig, doch zuweilen funkt eben die Realität dazwischen. Und im Alltag wird eben jeder dort eingesetzt, wo Not am Mann ist. Jeden Tag sind die Brüder im Betrieb. Und während in vielen Handwerksbetrieben die Zukunftssorgen mangels Nachfolgern groß sind, steht in Gemünd die nächste Generation schon bereit: Im vergangenen Jahr schloss Franks Steffens Sohn Christian die Meisterprüfung ab und arbeitet nun Vollzeit im Betrieb mit.

Eigentlich war es das Haus gegenüber, in dem Ursula und Julius Steffen ihre Metzgerei eröffneten. 1963 hatte Julius Steffen, der aus Dreiborn stammt und seine Lehre in der Metzgerei Niehaus in Schleiden absolviert hatte, seine Meisterprüfung abgelegt. Seine Frau Ursula ist ausgebildete Einzelhandelskauffrau und konnte ihr Wissen im Verkauf einbringen. „Die beiden haben angefangen mit einer Kuh, zwei Schweinen und dem starken Willen zum Erfolg“, erinnert sich Thomas Steffen. Nach vier Jahren zog das Geschäft an die heutige Adresse. Sukzessive wurden die dazugehörigen Betriebsstätten wie das Kühlhaus und die Wurstküche oder der Räucherofen angebaut.

Mit Wildprodukten hat die Familie Steffen sich einen Namen gemacht

Als die Söhne den Betrieb übernahmen, überlegten sie zunächst, wie sie ihn führen möchten und wie er in Zukunft aussehen soll. „Wir wollten nicht alles auf links drehen“, sagt Thomas Steffen: „Tradition trifft Moderne“ sei daher das Motto gewesen. 2012 haben sie die EG-Zertifizierung zum Schlachtbetrieb erworben. „Wir sind mittlerweile der letzte selbstschlachtende Betrieb im Schleidener Tal“, so Frank Steffen. Das Sortiment sei erweitert und, etwa mit dem Mittagstisch, auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten worden. „Wir sind Handwerker aus der Region, und das wissen unsere Kunden, die teilweise weite Wege auf sich nehmen, zu schätzen“, so Thomas Steffen.

Nur von einem Züchter aus der Eifel beziehe man die Rinder, die extra für ihren Betrieb dort gezüchtet werden, berichtet Frank Steffen: „Das ist unser Credo. Nur wer Qualität einkauft, kann auch Qualität verkaufen.“ Spezialisiert habe sich der Betrieb auch auf Wildprodukte aus der Eigenjagd und der Region: „Das ist sozusagen Bio plus, denn das Tier kommt aus freier Wildbahn und hat nie Antibiotika bekommen.“ Am Anfang sei das nur ein kleiner Teil des Geschäfts gewesen, der mittlerweile in jedem Jahr wachse.

„Wir sind unseren Mitarbeitern dankbar. Ohne ein tolles Team hätten wir das nicht geschafft.“ Denn einfach war es nicht immer für die Brüder. Corona sei genauso ein Einschnitt gewesen wie die Flutkatastrophe 2021, berichten sie. Doch bevor das Wasser eine Schneise der Verwüstung durch Gemünd schlug, habe Frank eine Vorahnung gehabt und darauf bestanden, alle Maschinen aus dem Betrieb auf dem Parkplatz in Sicherheit zu bringen. Dennoch waren die Schäden erheblich. Jedoch ließen sich die Brüder und ihr Team nicht entmutigen. Stattdessen wurde wieder aufgebaut, ein paar Sachen wurden verändert. Thomas Steffen: „Da liegt auch unsere Kraft drin: Wir überlegen nicht lange, wir machen einfach.“


Tag der offenen Tür

Zum Tag der offenen Tür lädt die Metzgerei Steffen für Pfingstsamstag, 23. Mai, von 8 bis 17 Uhr in den Betrieb, Dreiborner Straße 39, ein. An diesem Tag ist auch ein Blick in die Welt hinter dem Ladenlokal möglich: Den Besuchern werden Einblicke in die Produktion ermöglicht.

Einmal in der Stunde werden an diesem Tag unter anderem live Bratwürste produziert. Die landen anschließend sofort auf dem Grill, werden zubereitet und für einen Euro mit Brötchen verkauft.

„Die Kunden sollen Einblick in unsere Arbeit bekommen, denn wir haben schließlich nichts zu verstecken“, so Thomas Steffen. Neben dem normalen Sortiment gibt es Sonderangebote und Wurstpakete. Der Brotsommelier Patrick Zimmer (Bäckerei Zimmer, Sistig) und der Weinsommelier Jan Baum (Wein Baum, Kall) werden ihre Ware präsentieren, das Café Lou hält spezielle Angebote bereit. Sämtliche Einnahmen des Tages sind zugunsten der Jugendfeuerwehr Gemünd.