In Nordrhein-Westfalen ist der Warzenbeißer vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste. Eine große Population lebt im Nationalpark Eifel.
Insekt des JahresNationalpark Eifel ist Rückzugsort für den gefährdeten Warzenbeißer

Der Warzenbeißer ist das Insekt des Jahres.
Copyright: Sönke Twietmeyer/Nationalpark Eifel
Mehr als 11.400 Arten sind mittlerweile im Nationalpark Eifel nachgewiesen, darunter mehr als 2600 Arten, die auf der Roten Liste stehen. Eine der gefährdeten Arten, die in dem Schutzgebiet vorkommen, ist der Warzenbeißer, den die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt am Main jüngst in Deutschland, Österreich und der Schweiz zum „Insekt des Jahres 2026“ ausgerufen hat.
Der seltsame Name kommt daher, dass man die Tiere früher in Warzen beißen ließ. Dabei geben sie einen verdauungsfördernden Saft ab, von dem man dachte, er könne Warzen heilen. Ein weiteres markantes Merkmal der bis zu vier Zentimeter großen Schrecke ist laut Nationalpark der charakteristische Gesang des Männchens, der aus kurzen, zirpenden „Zicklauten“ besteht. Mit seinem robusten Körper, den langen Fühlern und dem würfelförmigen Muster auf den Vorderflügeln sei der Warzenbeißer gut zu erkennen.
In Nordrhein-Westfalen ist die Heuschreckenart vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste. Der Warzenbeißer liebt halbtrockene Wiesen und ist ein Beispiel für die bedrohte Insektenvielfalt in diesem Lebensraum.
Größte Population in NRW und den angrenzenden Beneluxstaaten
Der Nationalpark Eifel beherbergt nach Angaben von Annette Simantke von der Parkverwaltung die wohl größte Population im gesamten Bundesland und den angrenzenden Beneluxstaaten. Forschende der Nationalparkverwaltung hätten 2023 knapp 500 Individuen auf der Dreiborner Hochfläche erfasst.
Mit ein bisschen Glück lässt sich der Warzenbeißer auch noch im Spätsommer im Nationalpark Eifel beobachten, wo er auf weiten Teilen der Dreiborner Hochfläche heimisch ist. Diese rund 1400 Hektar große Offenlandfläche ist aus dem Ende 2005 aufgegebenen Truppenübungsplatz Vogelsang hervorgegangen. In Verbindung mit den umgebenden Waldgebieten hat sich das Areal zu einem wertvollen Rückzugsort für zahlreiche seltene und stark gefährdete Tier- und Pflanzenarten entwickelt.
Flächen werden von Landwirten und Schäfern gezielt gepflegt
Doch nur durch Eingriffe kann dieser Lebensraum für Warzenbeißer erhalten bleiben. Ohne Pflege würden die Flächen verfilzen und zuwachsen. Auf der Dreiborner Hochfläche lebt die Heuschrecke jedoch in einer geschützten Managementzone. Etwa die Hälfte der dortigen Offenlandbereiche wird dauerhaft als solche erhalten. Die Flächen werden von Landwirten und Schäfern gezielt gepflegt. Eine extensive Grünlandnutzung durch Beweidung oder eine einmalige Mahd im Jahr ist ideal zum Erhalt der Lebensräume des Warzenbeißers.
In vielen Gebieten Nordwesteuropas wird das Insekt seit Jahrzehnten immer seltener. Auch in Deutschland sind die Bestände laut Nationalpark in vielen Regionen stark zurückgegangen. Die Hauptursachen seien das Verschwinden magerer Grünlandflächen durch intensive landwirtschaftliche Nutzung sowie der hohe Eintrag von Düngemitteln und Stickstoffen. Dieser negative Trend gehe vielerorts ungebremst weiter und führe immer wieder dazu, dass kleine Restpopulationen aussterben. Deshalb sei der Erhalt der hiesigen Bestände von besonderer Bedeutung.
Ziel des Nationalparks sei es daher, ein vielfältiges Mosaik aus Beweidung, Mahd und sporadisch gepflegten Brachen zu bewahren. Nur so könne sichergestellt werden, dass stark gefährdete Arten der offenen Grünlandlebensräume wie der Warzenbeißer dauerhaft in der Eifel überleben.
