Die Teilnehmer des Peace Camps des Roten Kreuzes kommen aus zehn Ländern und gestalten in Vogelsang einen Escape-Room um.
Peace-CampIn Vogelsang erhält die Flucht wieder ein neues Gesicht

Mit „DRK-Rot“ werden die Teilnehmer des Escapespiels im Rotkreuzlager empfangen.
Copyright: Stephan Everling
Mittlerweile ist es eine Institution: Zum 14. Mal veranstaltet der DRK-Kreisverband Euskirchen das Peace Camp in Vogelsang. 31 Teilnehmer aus zehn Ländern – aus Großbritannien, USA, China, Griechenland, Irland, Kroatien, Chile, Ukraine, Bulgarien und Deutschland – sind für 16 Tage zusammengekommen, um gemeinsam zu arbeiten, zu diskutieren und Konzepte zu erarbeiten.
„Das Peace Camp hat sich einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet“, sagt dessen Leiter Simon Jägersküpper. In manchen Ländern sei es so, dass die Teilnehmer sich beim örtlichen Roten Kreuz bewerben und dann die Tickets bezahlt bekommen. Und nach dem Camp verlieren sich die jungen Leute oft nicht aus den Augen: „Immer wieder treffen sich die Ehemaligen informell, zum Beispiel jährlich in Solferino.“
Austausch von Menschen aus verschiedenen Nationen und Kulturen
Das genau sei nämlich der Sinn des Peace Camps: Menschen aus unterschiedlichen Nationen und Kulturkreisen sollten sich kennenlernen und austauschen, miteinander arbeiten und sprechen. Spannend sei auch, die unterschiedlichen Ausrichtungen der Rotkreuzverbände in den verschiedenen Ländern kennenzulernen, die sich dennoch im Geist der sieben Grundsätze des Roten Kreuzes vereinen. Die seien ohnehin die gemeinsame Basis für die Teilnehmer.
Wieso so vieles in Vogelsang, geht auch das Peace Camp auf eine Idee von Rolf Zimmermann zurück, die er 2013 zum ersten Mal in die Tat umsetzte. Von Anfang an stand auch der Arbeitseinsatz als wesentlicher Bestandteil im Mittelpunkt. Damals wurde eines der Kameradschaftshäuser in Vogelsang vom Schutt befreit. Viele verschiedene Projekte sind seitdem von den Freiwilligen aus aller Welt realisiert worden, etwa der Friedenspfad und diverse Bauten, die die Kreativität und das Engagement der Teilnehmer zeigen.

Zum Fluchthaus mit zwei Escape-Spielen ist das einstige Haus der Militärhundestaffel umgebaut.
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Mit Pinsel und Ipad gehen Despina Polykrati (l.), Habon Ibrahim und Simon Jägersküpper ans Werk, um den neuen Escape-Room zu gestalten. Jedes Jahr werden in dem Haus neue Ideen umgesetzt.
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Immer wieder war und ist der Klimaschutz eines der zentralen Themen, mit denen sich das Peace Camp befasst. „Das Peace Camp zeigt, wie schnell sich die Welt verändert“, stellt Jona Kutsche fest. Er ist der Projektleiter des Treffens und sorgt dafür, dass immer etwas zu tun ist: „Jedes Jahr gibt es viel neuen Wind, aber nach Corona ist die Welt besonders schnell geworden.“ Und die Themen seien existenziell – egal ob Krieg, Naturkatastrophen oder die Klimakrise. „Die schnelle Entwicklung ist krass, positiv wie negativ“, so Kutsche. Doch er bleibt optimistisch: „Was wir machen, verändert das Leben.“ Zumindest für die Teilnehmer, da häufig Freundschaften entstehen.
Auch wenn Kutsche und Jägersküpper offiziell die Leitung des Camps haben, betonen sie, dass alle Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Dies geschehe in erster Linie in den Morgenrunden nach dem Frühstück. Dabei wurde dieses Mal die neue Konzeption für das Fluchthaus entwickelt. In jedem Jahr wird einer der beiden Escape-Rooms, die sich in dem einst von der belgischen Militärhundestaffel genutzten Haus samt Zwinger befinden, neu aufgebaut. Eines haben die Konzeptionen der erstmals 2016 aufgebauten Räume gemeinsam: Sie drehen sich immer um das Thema Flucht und bieten Rotkreuzgruppen wie Besuchern Gelegenheiten, sich damit auseinanderzusetzen.
Neben der Arbeit gibt's in der Eifel auch ein vielfältiges Programm
Aus Northampton in Großbritannien ist Habon Ibrahim nach Vogelsang gekommen. Sie habe gerade ihre Studien abgeschlossen, sagt die 23-Jährige. Daheim habe sie beim Roten Kreuz, wo sie als Freiwillige auf Konzerten und Festivals als „Safe Mate“ unterwegs ist, positive Äußerungen vom Peace Camp gehört. Nette Leute habe sie nun in Vogelsang kennengelernt, sie ihre Geschichten und Erfahrungen miteinander teilen.
Aus Athen ist die 18-jährige Despina Polykrati zum Peace Camp gereist. Sie habe gerade die Schule beendet und wolle ihr Studium in Physiotherapie beginnen, berichtet sie. Seit drei Jahren sei sie beim Roten Kreuz in der Jugendarbeit aktiv. Mit einem Rotkreuz-Kollegen sei sie nach Deutschland gereist, als das Angebot gekommen sei. „Es ist perfekt hier, ich würde am liebsten noch mal im nächsten Jahr kommen“, sagt sie. Die Natur, der historische Teil, die Bauarbeiten – alles gefalle ihr ganz außerordentlich gut, vor allem, da sie Deutschland schon immer mal habe sehen wollen.
Doch nicht nur die Gestaltung des neuen Escape-Rooms oder die Überarbeitung des Friedenspfads stehen derzeit auf dem Programm, sondern die 31 Teilnehmer, davon 14 aus Deutschland, bekommen auch viel zu sehen. So stehen Besuche in Köln und Aachen an, am Abschlusstag geht’s ins Freilichtmuseum nach Kommern.
