1926 wurde die Kirche in Herhahn eingeweiht, in den Siebzigern musste ein großer Teil des Gebäudes abgerissen werden.
Pfarrfest100 Jahre Kirche in Herhahn – aber die Herkunft der Glocke liegt im Dunkeln

Eine Hallenkirche ohne Pfeiler ist die Herhahner Kirche seit der Erweiterung 1972. Links ist der alte Chorraum zu sehen.
Copyright: Wolfgang Kirfel
Jahrhundertelang mussten die Herhahner und Morsbacher in die Kirchen nach Olef oder Wollseifen gehen, wenn sie einen Gottesdienst besuchen wollten. Erst 1926 erhielt Herhahn ein eigenes Gotteshaus, das der heiligen Katharina geweiht wurde. Das 100-jährige Bestehen des Gotteshauses wird am Sonntag, 12. Juli, mit einem Pfarrfest gefeiert.
Schon seit dem Mittelalter gehörten die Ortschaften Wollseifen, Herhahn und Morsbach zur Pfarrei Olef, in der bereits 1308 eine Pfarrkirche nachgewiesen wurde. Erst 1635 wurde in Wollseifen eine Kirche errichtet, die man 1660 zur Pfarrkirche erhob.
Pläne für Kirche Herhahn stammen von Kölner Architekt
Während Herhahn weiter zur Pfarre Olef gehörte, wurde es für die Bewohner im Nachbarort Morsbach kompliziert: Die eine Straßenseite war Teil der Pfarrgemeinde Wollseifen, während die andere weiterhin zu Olef gehörte. Angesichts der weiten Wege zu den Pfarrkirchen und steigender Bevölkerungszahlen wurde der Wunsch nach einer Kirche im Ort immer größer. Schon 1872 gab es erste Bemühungen zur Errichtung einer eigenen Kapelle. Doch die waren zunächst nicht erfolgreich.
Erst 1909 wurde der Hermann-Josef-Bauverein zum Bau einer eigenen Kirche gegründet. In diesem Jahr wurde vom Erzbistum Köln, zu dem Herhahn bis 1930 gehörte, auch die Einrichtung einer eigenen Seelsorgerstelle genehmigt. Nach Gründung des Bauvereins und einer großzügigen Stiftung wurde dann im September 1926 die Katharinenkirche fertiggestellt. Die Pläne hatte der Kölner Architekt Edmund Renard angefertigt. „Vor der Kirche gab es noch eine kleine Allee“, erinnert sich Walter Sistig, der früher im Kirchenvorstand aktiv war.
„Die Spender für den Kirchenbau kamen damals größtenteils aus Herhahn“, sagt Sistig. „Wir haben aber auch Listen mit Spendern gefunden, die von außerhalb kamen“, ergänzt der stellvertretende Kirchenvorstand Wido Küpper. Beide kennen sich in der Geschichte der Herhahner Kirche sehr gut aus.
Das Taufbecken der Herhahner Kirche stammt aus Wollseifen
Zunächst war das Gotteshaus in Herhahn Rektoratskirche von Olef. Erst 1946 wurde die Pfarrei seelsorglich selbstständig. 1957 entstand dann die neu errichtete Pfarrgemeinde Wollseifen-Herhahn. Die Gemeinde Wollseifen war im Krieg 1945 fast vollständig zerstört worden. Nach Kriegsende wurde der Ort zudem in das Sperrgebiet des Truppenübungsplatzes Vogelsang einbezogen. Die historische Kirche St. Rochus wird heute gelegentlich für besondere Messen genutzt
Da St. Rochus für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich war, verlagerte sich das pfarrliche Leben nach Herhahn. 1948 wurde Herhahn zur eigenständigen Pfarrei erhoben. 1957 wurde schließlich die Pfarre Wollseifen aufgelöst und Herhahn zugeschlagen. Seitdem heißt die Pfarre St. Katharina Wollseifen-Herhahn. „Das Taufbecken stammt von 1702 und ist aus Wollseifen. Es wurde seinerzeit nach Herhahn gebracht“, erzählt Küpper.

Neben dem Taufbecken von 1702 stehen Wido Küpper (l.) und Walter Sistig, die sich in der Geschichte der Herhahner Kirche gut auskennen.
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Aufgrund der gestiegenen Bevölkerungszahl reichte diese Kirche Anfang der 1970er-Jahre nicht mehr aus. Zwischen 1972 und 1973 wurde die heutige Pfarrkirche nach Plänen des Heimbacher Architekten Franz Daheim erbaut. Die Kirche aus dem Jahr 1926 wurde zuvor abgerissen. Nur der Chorraum blieb stehen. Die Konsekration fand am 25. August 1973 statt.
Heute ist St. Katharina eine moderne Saalkirche aus Bruchstein und Beton. „Dass es keine Pfeiler gibt, ist schon eine Besonderheit“, sagt Sistig. Auf einer Fläche von rund 400 Quadratmetern gibt es Sitzplätze für ungefähr 350 Besucher. „Damit ist die Kirche so groß wie die Pfarrkirche Schleiden“, so Sistig. Das Satteldach ist im Innenraum mit Holz verkleidet. Der Glockenturm befindet sich im Westen und ist nur wenig höher als das Kirchenschiff.
Orgelbauer aus Hellenthal hat Orgel in Herhahn gebaut
Der Innenraum ist modern gestaltet. Die Orgel ist ein Werk von Orgelbau Weimbs aus Hellenthal aus dem Jahr 1984. Das Instrument besitzt 14 Register und eine elektrische Traktur. „Die alten fünf Buntglasfenster stammen noch von der alten Herhahner Kirche“, berichtet Sistig. Sie zeigen unter anderem die heilige Agnes von Rom, Johannes den Täufer und die heilige Katharina von Alexandrien.
Doch für eine Sache haben weder Küpper noch Sistig eine Erklärung: „Es gibt eine Glocke mit der Jahreszahl 1512. Wir wissen nicht, wo sie herkommt und wie sie nach Herhahn gekommen ist.“
Zum Feiertag ist das Kirchengebäude übrigens gut in Schuss. „Der Parkettboden im Altarbereich wurde vor einiger Zeit saniert. Aufsteigende Feuchtigkeit hatte für Schäden gesorgt“, so Sistig. Die Heizung des Gotteshauses sei im vergangenen Jahr erneuert worden.
Das Fest am Sonntag, 12. Juli, beginnt 14 Uhr mit einer Messe mit dem Tambourkorps Eifelgold und der Band Prosonic. Danach gibt es ein gemütliches Beisammensein mit Musik.
