Damit touristische Anbieter Besuchern etwas über die Geschichte von Schleiden und Gemünd berichten können, wird jetzt ein neuer Workshop angeboten.
WorkshopTouristen spannende Geschichten über Schleiden und Gemünd erzählen

Die zu einem Schloss umgestaltete Burg mit ihren adligen Herrschern war die Keimzelle für die Entwicklung der Stadt Schleiden.
Copyright: Wolfgang Kirfel
Die Städte Schleiden und Gemünd haben eine jahrhundertealte Geschichte, für die sich natürlich auch Besucher interessieren. Doch nicht jeder touristische Anbieter oder Gastronom hat entsprechende Informationen zur Hand. Um das zu ändern, bietet die Gesellschaft für Wirtschaft, Tourismus und Veranstaltungen mbH (GfW) Schleiden einen Workshop mit Dr. Klaus Duck an, in dem zentrale historische Hintergründe, prägende Ereignisse und besondere Geschichten aus Schleiden und Gemünd kompakt und anschaulich aufbereitet werden. In zwei geführten Stadtrundgängen wird gezeigt, wie sich Inhalte vor Ort spannend und zielgruppengerecht vermitteln lassen.

Am Zusammenfluss von Urft und Olef in Gemünd steht der heilige Nepomuk, hier flankiert von Susanne Hahn und Dr. Klaus Duck.
Copyright: Wolfgang Kirfel
Obwohl die beiden Städte nur wenige Kilometer voneinander getrennt liegen, wurden sie von Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten geprägt. „Während in Schleiden Adelsfamilien die Entwicklung der Stadt bestimmt haben, waren es in Gemünd die Reitmeister, die Eisen produzierten“, erzählt Dr. Klaus Duck. Der in Bonner geborene und in Köln aufgewachsene Betriebswirt ist 1988 mit seiner Familie nach Gemünd gezogen.

Das wohl älteste Haus in Gemünd ist das Haus Döhler in Malsbenden.
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„2014 hat mich Manfred Müller, der Vorsitzende der Gemünder Ortsgruppe des Eifelvereins gefragt, ob ich nicht an einer Referentenschulung in Vogelsang teilnehmen will. Das war eine willkommene Aufgabe für meinen Ruhestand“, sagt der Gästeführer. Duck ist Referent an der Akademie Vogelsang IP und zertifizierter Waldführer im Nationalpark Eifel. Zudem ist er als Stadtführer in Gemünd, Schleiden und Heimbach im Einsatz.
Stadtführungen in Gemünd und Schleiden in den Sommerferien
2020 ließ er sich zum Eifelguide und später dann noch zum Waldführer ausbilden, um Besucher auch durch den Nationalpark Eifel führen zu können. Immer wichtiger würden Bildungsveranstaltungen, bei denen er mit bis zu 20 Teilnehmern eine Woche lang durch die Eifel wandere und dabei viel über den Nationalpark und Vogelsang erzähle.
Seit 2023 bietet der Ruheständler im Auftrag der GfW in den Sommerferien 90-minütige Stadtführungen in Gemünd und Schleiden an. Dabei kann er manchmal auch etwas dazulernen: „Interessant wird es, wenn Einheimische dabei sind und von ihren Erlebnissen berichten.“
„Wir hatten von der GfW die Idee, die Geschichte von Schleiden und Gemünd Akteuren aus dem Tourismusbereich und der Gastronomie näherzubringen“, erzählt Susanne Hahn, Leiterin des Nationalpark-Tores in Gemünd.
Brücke führte an einer engen Stelle über das sumpfige Urfttal
Duck hat jeweils zehn Punkte zusammengestellt, die ein Gastgeber über die beiden Städte wissen sollte. Los geht es in Gemünd, das seinen Namen dem Zusammenfluss von Urft und Olef verdankt. Schon in römischer Zeit gab es wohl eine Siedlung im Bereich des heutigen Schwimmbads und eine Brücke, die an einer engen Stelle über das sumpfige Urfttal führte: „Sie gehörte zur Straße von Köln nach Reims und wurde von einem Militärposten gesichert.“ Im Mittelalter mussten Fremde eine Brückenmaut zahlen.

Die „Trutzburg“ an der Bergstraße in Gemünd wurde von einem Reitmeister errichtet und hat Kriege und Katastrophen überstanden.
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Erstmals erwähnt wurde Gemünd im Jahr 1213, als Graf Wilhelm von Jülich und Graf Lothar von Are dem Kloster Steinfeld den Hof Malsbenden und ein Waldstück längs der Römerstraße von Düttling bis zur Brücke in Gemünd schenkten. Seinen Aufstieg verdankte der Ort der Eisenindustrie, die seit dem 15. Jahrhundert immer bedeutender wurde. Das heute wohl älteste Gebäude, das Haus Döhler in Malsbenden, wurde von einem der wohlhabenden Reitmeister erbaut, ebenso wie die „Trutzburg“ von 1619 an der Bergstraße in Gemünd.

Das Haus am Markt 26 in Schleiden stammt aus dem Jahr 1605.
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„Der wirtschaftliche Aufstieg ist vor allem mit der Unternehmerfamilie Poensgen verbunden, die seit Mitte des 15. Jahrhunderts im Raum Schleiden als Reitmeister Eisenhütten betrieben“, berichtet der Stadtführer. Doch die fehlende Anbindung an das Eisenbahnnetz und die Konkurrenz durch die aufkommende Kohle-Eisenindustrie an Rhein und Ruhr führte 1862 zum Wegzug der Familie nach Düsseldorf.
Gemünd war von den Konfessionen her von der Urft getrennt
„Gemünd war auch ein Schmelztiegel der Religionen, die bis zur NS-Zeit friedlich miteinander lebten“, erklärt der Stadtführer. Während das rechte Ufer der Urft zum protestantischen Herzogtum Jülich gehörte, überwog auf der anderen Seite die katholische Konfession, die Glaubensrichtung der Dreiborner Herrschaft. 1874 wurde eine Synagoge gebaut, die während der Pogromnacht 1938 von den Nationalsozialisten in Brand gesetzt wurde.

Eines der markanten Gebäude, die die Arenberger in Schleiden hinterlassen haben, ist das 1835 fertiggestellte Rentamt.
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Weitere Kapitel hat Duck der 1905 fertiggestellten Urftseestaumauer, dem 2004 eingerichteten Nationalpark Eifel und der Geschichte Vogelsangs gewidmet. Ganz kurz wird auch die Flut 2021 erwähnt.
Die an einem Abhang („Sleyda“) errichtete Burg Schleiden wurde 1198 zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt. Ihre Erbauer, die Herren von Schleiden, und die später folgenden Linien Manderscheid-Schleiden und Marck-Schleiden haben die Entwicklung der Stadt vorangetrieben. Das gilt insbesondere für das Haus Arenberg, das 1773 die Herrschaft übernahm.
Zwei Grafen starben bei einem Lanzenkampf auf dem Turnierplatz
Die verschiedenen Herrscherfamilien ließen Gebäude errichten, die heute noch das Aussehen der Stadt prägen: Dazu gehören die Schlosskirche (1516 bis 1525), das als Armenhaus gebaute Hospital (1526), die evangelische Kirche (1725), das Arenbergische Rentamt (1835) und die Höhere Schule auf dem Driesch, Vorläufer des heutigen Johannes-Sturmius-Gymnasiums.
Duck erzählt auch, warum an der Mauer des evangelischen Friedhofs ein Kreuz hängt: „Es erinnert daran, dass der Driesch früher ein Turnierplatz war, auf dem 1360 bei einem Lanzenkampf Gerhard von Jülich, Graf von Berg, und Arnold II., Graf von Blankenheim, starben.“
Schleiden war bis 1972 die kleinste Kreisstadt Preußens
„Vor allem die Arenberger haben die Stadt geprägt“, betont der Stadtführer. Leider wurde die Stadt mehrfach durch Brände und durch Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg zerstört. Nur zwei Fachwerkhäuser am Markt, die nach dem Stadtbrand 1605 errichtet wurden, haben die Katastrophen überdauert.
Von 1829 bis 1972 war Schleiden die kleinste Kreisstadt Preußens. 1915 wurde das „Königliche Landratsamt“ am Ruppenberg errichtet (heute Rathaus). Später entwickelte sich Schleiden zur Schulstadt. Duck erwähnt auch bedeutende Persönlichkeiten wie Johannes Sleidanus und Johannes Sturmius und geht auch auf Vogelsang und den Nationalpark ein.
Der Workshop zur Geschichte von Schleiden und Gemünd findet am 21. April statt. Dabei erhalten Teilnehmer auch praxisorientierte Materialien. „Angesprochen sind auch Menschen, die selbst Stadtführungen anbieten wollen“, sagt Hahn. Anmeldungen sind per E-Mail bei der Tourist-Information möglich unter tourismus@schleiden-eifel.com.
