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Euskirchener KleinkunstpreisZum 18. Mal geht es auf der Bühne um den Sieg und 2000 Euro Preisgeld

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Drei junge Männer in Businesskleidung sitze vor einer Wand voller Aktenordner. Der Mann in der Mitte beugt sich in Richtung Kamera.

Musik voll Größenwahn und Selbstironie: Dafür steht das Trio Krause und Konsorten, das beim Kleinkunstpreis Euskirchen auftreten wird.

Das Publikum hat wieder die Qual der Wahl. Am Ende wird abgestimmt, wer Siegerin oder Sieger ist.

Noch steht nicht genau fest, wo der 18. Euskirchener Kleinkunstpreis stattfinden wird. Immerhin aber steht fest, dass er stattfinden wird, und zwar am Samstag, 9. Mai, 19.30 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr). Falls das Stadttheater, in dem die Veranstaltung eigentlich über die Bühne gehen soll, immer noch gesperrt sein wird aufgrund möglicher statischer Mängel, zieht der Kleinkunstpreis in die Aula der Marienschule um. „Wir haben schon ein paar Ängste ausgestanden und befürchtet, dass wir den Termin schlimmstenfalls verlegen müssen“, sagte Gaby Bärenklau vom Orga-Team.

Die gute Nachricht des diesjährigen Kleinkunstpreises: Der langjährige Hauptsponsor, die Euskirchener e-regio, hat sich entschlossen, das Preisgeld von 1111 Euro auf 2000 Euro anzuheben. Alle anderen Teilnehmenden erhalten eine Aufwandsentschädigung von 300 Euro. „Wir möchten mit unserer Unterstützung helfen, die wichtige Arbeit des Vereins Frauen helfen Frauen noch mehr in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken“, so Lukas Knopf, Presse-Referent der e-regio.

Rund 50 Bewerbungen wurden gesichtet, sieben wurden ausgewählt

Unter Bühnenkünstlerinnen und -künstlern aller Art ist der Euskirchener Kleinkunstpreis hingegen bekannt und beliebt – nicht zuletzt aufgrund der warmherzigen Atmosphäre, die vor und hinter der Bühne geschaffen wird. „Uns haben Teilnehmende gesagt, dass es sich überhaupt nicht wie ein Wettkampf anfühle, eher wie ein Abend in der Familie“, erzählte Bettina Lohmer aus dem Orga-Team.

„Rund 50 Bewerbungen sind bei uns eingegangen. Die Zahl ist in den letzten Jahren immer in etwa gleichgeblieben“, sagte Gaby Bärenklau. Während man in den Anfängen noch VHS-Kassetten vor- und zurückspulen musste, gelangen die Kostproben der Künstlerinnen und Künstler nun digital bei den Veranstalterinnen. Im Plenum wurde dann die Entscheidung gefällt, wer am 9. Mai in Euskirchen auf die Bühne gehen darf und 15 Minuten Zeit hat, das Publikum für sich zu begeistern. „Mitmachen dürfen Personen aller Altersklassen, was bei vielen anderen Wettbewerben dieser Art nicht so ist. Einzige Voraussetzung bei uns ist: Die Texte oder Lieder müssen selbst geschrieben sein“, erklärte Heike Jachtmann vom Orga-Team.

Drei Frauen aus dem Orga-Team und der Vertreter des Hauptsponsors e-regio stehen hinter Plakaten des Kleinkunstpreises und lachen in die Kamera.

Sie stellten das Programm des 18. Euskirchener Kleinkunstpreises vor.

Drop Bert hat ein Streifen-Shirt an und eine Kappe schief auf dem Kopf. Er spricht in sein Mikro, das er in der Hand hält und reißt die Augen weit auf.

Drop Bert bietet einen einzigartigen Mix aus Comedy, Beatbox und Jonglage.

Melvin Haack steht Gitarre spielend auf der Bühne vor einem Mikrophonständer. Aus der Dunkelheit hinter ihm kommt ein dritter Arm und hält ihm eine Bierflasche vor den Mund.

Ein Feinschmecker der gesungenen Buchstabensuppe: Melvin Haack, der aus Berlin anreist zum Euskirchener Kleinkunstpreis.

Den Zuschlag zur Teilnahme bekam das Trio „Krause und Konsorten“, die bereits einige Auszeichnungen erhalten haben. Im Mittelpunkt ihrer Songs: der ganz normale Wahnsinn des Alltags, unterlegt  mit bissigem Humor, musikalischem Irrsinn und einer großen Portion Liebe zum Skurrilen. „Ihre Musikcomedy erzählt von qualvollen Spieleabenden, leidvollen Netflix-Exzessen und dem schuldvollen Verlangen, auch mal die Zahnbürsten der anderen zu benutzen“, so die Veranstalterinnen.

Ebenfalls im Rennen ist Suse Lichtenberger, die aus ihrem Leben als mittellose Schauspielerin, mittelmäßige Mutter, wenig engagierte Feministin und Umweltaktivistin erzählt. „Seien Sie dabei, wenn Frau L. versucht, den Mikroprozessen des Alltags auf die Schliche zu kommen, wenn sie Erziehungsratschläge erfindet, um sie dann erst recht nicht anzuwenden. Wenn sie ihre Mitmenschen auseinandernimmt, um sie dann wieder aufzubauen oder hoffnungsvoll versucht, die eigenen Unzulänglichkeiten wegzulachen“, heißt es auf der Homepage des Kleinkunstpreises.

Uns haben Teilnehmende gesagt, dass es sich überhaupt nicht wie ein Wettkampf anfühle, eher wie ein Abend in der Familie.
Bettina Lohmer, kreiert die Siegerskulptur

Auf der Bühne stehen wird auch Amir Shahbazz, Stand-up-Comedian mit muslimischem Hintergrund und Spaßmacher mit Tiefgang. „Amir hat den klugen Blick auf die Irrwege der Kulturen: Ob Vorurteile, Ernährungsdebatte, mediale Berichterstattungen oder Kindererziehung – er findet den Alltagsirrwitz in fast jeder Situation und bringt diesen clever und trocken rüber“, so die Veranstalterinnen.

Einen Mix aus Comedy, Beatbox und Jonglage erwartet das Publikum beim Auftritt von Drop Bert, der bereits weltweit aufgetreten ist, unter anderem bei Roncalli und in den GOP Varietés. Ebenfalls mit dabei ist Comedian Bartuschka, die laut Veranstalterinnen „bestes analoges Highspeed-Entertainment fürs digitale Zeitalter – mit Hirn, Herz, Humor“ präsentieren wird. Die Berlinerin sei wie die Hauptstadt selber: „Vielfältig, überraschend, schräg!“

Auch Melvin Haack, der „Feinschmecker der gesungenen Buchstabensuppe“, wird aus Berlin anreisen. Ein verbrannter Toast genügt ihm, um die Weltformel zu servieren. „Salto Wortale, Ablachen und Gefühle zur Gitarre“ seien garantiert, wenn Haack im rasanten Galopp durch die Wortfelder zwischen Amrum und Australien rast.

Teilnehmerin Mai Horlemann hat viele Talente – Schauspielen, Singen und das Anfertigen kleiner Wortkunstwerke. Die „Silben- und Sinnverführerin zeigt uns eine Welt aus Poesie, Pop und Porno. Witzig, klug und absolut zeitgemäß“, fassen es die Organisatorinnen zusammen. Durch den Abend führt in bewährter Manier Katharina Hoffmann, die 2017 selber den Kleinkunstpreis mit nach Hause nehmen konnte. Mit Charme und Schnauze bringt sie das richtige und nötige „Werkzeug“ für eine gelungene Moderation mit.


Skulptur und Geldpreis

Auch beim 18. Euskirchener Kleinkunstpreis darf das Publikum als Jury agieren. Jeder Besucher und jede Besucherin darf für seinen Favoriten voten. Die Entscheidung dürfte auch dieses Jahr schwerfallen, denn die sieben Kleinkünstlerinnen und -künstler sind Profis, die wissen, wie sie das Publikum für sich gewinnen können.

Der Gewinner oder die Gewinnerin erhält den 18. Euskirchener Kleinkunstpreis in Form einer Skulptur, die die Euskirchener Künstlerin Bettina Lohmer gestaltet hat. Darüber hinaus darf sich der oder die Erstplatzierte über 2000 Euro Preisgeld freuen.

Karten gibt es für 23 Euro bei der SVE gegenüber vom Euskirchener Bahnhof, in Zülpich in Reinhardts Lesewald, in Kall in der Buchhandlung Pavlik und online. Der Reinerlös geht an den Verein Frauen helfen Frauen mit seinen drei Einrichtungen. Jährlich muss der Trägerverein 12.000 bis 15.000 Euro an Eigenmitteln aufbringen.