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Im WohnraumEuskirchener Fans schwelgen mit Paul Potts in großen Gefühlen

4 min
Der Tenor Paul Potts singt in ein Mikrofon, im Hintergrund ist Vytis Šakūras am Piano zu sehen.

Die Stimme überzeugt: In Euskirchen wurde Paul Potts nur vom Pianisten Vytis Šakūras begleitet.

Der Tenor Paul Potts meisterte die Schwierigkeiten im neuen Auftrittsort in der Alten Tuchfabrik in Euskirchen souverän und begeisterte seine Fans.

Es war einer der Fernsehmomente, die in Erinnerung bleiben: Als im Jahr 2007 ein eher kleiner, leicht übergewichtiger Handyverkäufer vor die Jury von „Britain’s got talent“, das britische Pendant zu „Das Supertalent“, trat und erst einmal skeptische Blicke erntete. Bis er begann zu singen. Seine weiche und einschmeichelnde Stimme traf mitten in die Herzen des Publikums und der strengen Juroren. Inwieweit die Dramaturgie des Augenblickes inszeniert war, bleibt das Geheimnis der Produzenten, doch seitdem ist Paul Potts den Musikfans ein Begriff. Mit seinem ganz eigenen Stil begeistert er die Menschen. Im Rahmen seiner Tour, die ihn in diesem Jahr durch Hallen in Deutschland und Großbritannien führt, gastierte er am Freitagabend auch in Euskirchen.

Auch dieses Konzert war ein Abend mit Hindernissen, da Potts eigentlich im Euskirchener Stadttheater auftreten sollte. Doch dort haben bekanntlich die Prüfingenieure den Betrieb aufgrund möglicher statischer Mängel stillgelegt. Was seit Mitte März und auch noch für die nächsten Wochen für alle Veranstaltungen bedeutet, dass sie, wenn sie nicht abgesagt oder verschoben werden sollen, ein neuer Auftrittsort gesucht werden musste.

Paul Potts überrascht mit Moderationen auf Deutsch

Für das Konzert des britischen Gesangsstars war es der Wohnraum in der Alten Tuchfabrik. Das ist wahrlich keine Konzerthalle, sondern eben eine ehemalige Fertigungshalle mit Shedfenstern, die bis weit in die zweite Hälfte des Konzertes Tageslicht einfließen lassen, und einer Akustik, die durch den niedrigen Raum mit seiner ungedämmten Decke nicht optimal wirkte. Auch das Ambiente dürfte für den Sänger ungewohnt gewesen sein. Mit schwarzen Vorhängen war der Raum getrennt worden, so dass zwar optisch so etwas wie eine Bühnensituation entstand, jedoch noch immer weit entfernt von einer wirklichen Konzerthalle. Doch bekanntlich kennt Not kein Gebot, und so konnten Publikum und Musiker zufrieden sein, überhaupt zusammenzukommen.

Mit „With a song in my heart“, dem Klassiker von Rodgers und Hart aus dem American Songbook, begann Potts. Durchaus ein Statement, mit dem er das Konzept seines Programms darstellte. „Unforgettable Moments“ ist der Titel, mit dem er aktuell auf Tour ist. So bemühte sich der 55-jährige Engländer auch, seinem Publikum mit Zwischenmoderationen, die er auf Deutsch hielt, schöne Erinnerungen zu verschaffen. Im Alter von 16 Jahren habe er die Sprache in der Schule gelernt, verriet er.

Das Zusammenspiel mit dem Pianisten Vytis Šakūras passt

Mit leiser und ruhiger Stimme erzählte er einige Anekdoten aus seinem Leben und immer wieder, was ihn mit den Liedern verbindet, die er vortrug. „Prost“, rief er dem Publikum gerne zu, wenn er einen Schluck Wasser zwischen den Titeln zu sich nahm. Oder er berichtete, dass seine Frau glücklich sei, wenn er auf Tour sei. „Dann bleibt das Haus sauber“, verriet er schmunzelnd.

Begleitet von dem litauischen Pianisten Vytis Šakūras, der als Duopartner des Klarinettisten Giora Feidman bekannt wurde, sang Potts. Eine Konstellation, in der er sich sichtlich wohlfühlte, so dass er sich auf die Musik konzentrieren konnte, mit der ihn das Publikum assoziiert: Getragene Melodien, in denen der Schmelz seiner Tenorstimme am besten zum Tragen kommt. Das schnelle Metrum ist nicht sein Ding, er liebt die Balladen, in denen er in Gefühlen schwelgen und dramatische Momente aufbauen kann, die bekannten Melodien, die bei seinem Publikum gut ankommen.

Lieder von Tschaikowsky, Schubert und Schumann, Richard Tauber und auch „Caruso“ von Lucio Dalla und Luciano Pavarotti waren zu hören, bevor Potts das klassische Fach verließ und sich den Popsongs widmete, die ihn beeindruckt haben. „Take on me“ von a-ha oder „Wicked Game“ von Chris Isaac standen auf dem Programm. Sie präsentierte Potts mit sehr viel weniger Vibrato als die klassischen Stücke, was durchaus angenehm war. In den klar und gerade gesungenen Partien wurde deutlich, wie warm und einschmeichelnd seine Stimme tatsächlich ist.

Die rund 300 Zuhörer waren begeistert und feierten den Sänger bereits nach dem letzten Stück vor der Pause mit stehenden Ovationen. „Es gefällt mir sehr gut“, sagte eine Frau aus Zülpich. Er habe eine solche stilistische Bandbreite, dass eigentlich für jeden etwas dabei sei. Die Akustik in der Halle sei schwierig, monierte ihre Begleiterin, doch Potts mache das sehr gut. Potts-Fans sind Stefan und Irina aus Bonn. Bereits zum vierten Mal seien sie bei einem Konzert. Das erste Mal hatten sie ihn vor sieben Jahren in Freiberg gesehen. „Er ist heute sehr gut“, lobten sie den Sänger.