15 Verletzte in EuskirchenKinder haben Chili-Chips gestohlen – Warnung vor TikTok-Challenge

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Das Bild zeigt zahlreiche Rettungswagen und Rettungskräfte auf dem Schulhof der Gesamtschule in Euskirchen.

An der Gesamtschule in Euskirchen ist eine TikTok-Challenge aus dem Ruder gelaufen. Fünftklässler hatten extrem scharfe Chilichips gegessen.

An der Gesamtschule Euskirchen hat es mehrere verletzte Schüler gegeben. Kinder hatten für eine Mutprobe extrem scharfe Chips gestohlen.

Auf dem Schulhof standen Rettungswagen, ein Polizeiauto und aufgeregte Schüler, während nach und nach besorgte Eltern an der Kölner Straße eintrafen. Sie wollten zu ihren Kindern, die in der Euskirchener Gesamtschule ärztlich behandelt wurden. In der 11-Uhr-Pause hatten sie sich nach Angaben von Schulleiter Thomas Müller an einer TikTok-Challenge beteiligt, die offenbar völlig aus dem Ruder lief.

Die Herausforderung („Challenge“) bestand darin, möglichst scharfe Chips zu verzehren, und das, „ohne eine Reaktion zu zeigen und außerdem möglichst lange nichts zu trinken“, sagte Müller. „Keine Reaktion erkennen zu lassen und cool zu bleiben ist aber wegen der extremen Schärfe nicht möglich.“

Am Nachmittag gab die Euskirchener Polizei weitere Details zu der sogenannten Hot-Chip-Challenge bekannt. Demnach handelte es sich um Maistortilla-Chips, die erst ab 18 Jahren freigegeben sind. Zwei Kinder, neun und elf Jahre alt, hatten sie zuvor aus einem nahe gelegenen Kiosk gestohlen. Die Kripo hat die Ermittlungen aufgenommen.

Ein Kind musste nach Mechernich in die Klinik gebracht werden 

Der Verzehr hatte üble Folgen. Schon vor dem Ende der Pause kamen laut Müller die ersten Meldungen, dass es einigen Schülern schlecht gehe. Insgesamt seien etwa 15 Mädchen und Jungen betroffen gewesen. Es handelte sich um Fünftklässler, die meisten von ihnen zehn oder elf Jahre alt.

Mitglieder des Kollegiums hätten ihnen bereits die stark tränenden Augen ausgespült und ihnen als erste Hilfsmaßnahme Milch zu trinken gegeben. „Das ist ja ein altes Hausmittel“, so Müller. Er berichtete auch von Kindern, die unter Übelkeit gelitten und sich übergeben hätten. Ernsthafte Verletzungen seien wohl nicht aufgetreten, erklärte Müller, nachdem er sich einen ersten Überblick verschafft hatte.

Nach dem Ende des etwa einstündigen Einsatzes sagte der Schulleiter, ein Kind habe noch Symptome gezeigt, unter Übelkeit und Kreislaufproblemen gelitten. Es sei deshalb ins Kreiskrankenhaus Mechernich gebracht worden. Die anderen Kinder seien in die Obhut der Eltern gegeben worden. Man habe ihnen mit auf den Weg gegeben, sich gut die Hände zu waschen und sich mit den Fingern nicht in die Augen zu fassen, um zu verhindern, dass scharfes Pulver eindringt.

Ministerium warnt vor Challenges wie der in Euskirchen

Der Rettungsdienst, der mit sieben Fahrzeugen vor Ort war, habe der Schule „richtiges und besonnenes Verhalten bescheinigt“, berichtete Müller, der die Komplimente zurückgab: „Die Einsatzkräfte haben sich sehr gut um die Kinder gekümmert.“

Das NRW-Schulministerium warnt vor Challenges, wie sie über die Internet-Plattform Tik-Tok verbreitet werden: „Das Ziel ist es, besonders viele ,Likes' von Followern zu erhalten. Bei einer Challenge drehen die Teilnehmenden ein Video, das eben diese vielen ,Likes' erhalten soll. Die Portale sind so gestaltet, dass sie auf Kinder und Jugendliche eine suchterzeugende Sogwirkung ausüben können“, heißt es auf den Internet-Seiten des Ministeriums.

Und weiter: „Jugendliche fordern sich gegenseitig zu ,Mutproben' auf, die gefilmt und auf die Plattform gestellt werden, wo sie sich rasant verbreiten. Im Anschluss wird die nächste ,Challenge' ausgerufen. Diese Mutproben können Straftatbestände (‚Klau etwas in deiner Schule!‘) oder lebensbedrohlich (‚,Würge eine andere Person bis zur Bewusstlosigkeit!'‘) sein.“ Es gebe immer wieder neue Trends, die insbesondere im Kinder- und Jugendalter Schädigungen des Körpers und der Psyche verursachen können.

Thomas Müller betonte, dass jemand, der sich trotz der bekannten Gefahren, an einer Challenge beteilige, immer auf die Auswirkungen achten solle – „bei sich selbst und bei denen, die er womöglich anstiftet“. In der Regel sei es „nicht schlau, bei so etwas mitzumachen“. Sich gegen die Teilnahme zu entscheiden, erfordere Mut.

Eltern empfiehlt der Schulleiter, ihre Kinder zu bestärken, Nein zu sagen, wenn sie aufgefordert würden, sich einer Herausforderung zu stellen, und sie zu loben, wenn sie sich dem Gruppenzwang widersetzten.

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