Drei Monate nach der Flut startete in Euskirchen die Rübenkampagne. Ministerin Mona Neubaur informierte sich über den Wiederaufbau und die Lage.
Nach der FlutEuskirchener Zuckerfabrik Pfeifer & Langen sieht sich nach der Krise gestärkt

Eine kurze Werksführung mit Produktions- und Technikchef Dirk Oswald (vorne, l.) gehörte zum Programm, als NRW-Umwelt- und Wirtschaftsministerin Mona Neubaur die Euskirchener Zuckerfabrik besuchte.
Copyright: Johannes Bühl
Fünf Jahre liegt die Hochwasserkatastrophe zurück. Bei Pfeifer & Langen sind sie „heute noch ein bisschen stolz“ auf das Tempo, mit dem es damals gelang, die Produktion wieder hochzufahren. Am 5. Oktober 2021, keine drei Monate nach der verheerenden Flut in der Nacht zum 15. Juli, lief in der Euskirchener Zuckerfabrik die jährliche Rübenkampagne an, wie jetzt Dirk Oswald berichtete, in Euskirchen Standortleiter für Produktion und Technik.
Zu verdanken war dies einer „Mammutleistung“, wie es Oswald formulierte, als er der nordrhein-westfälischen Vizeministerpräsidentin Mona Neubaur schilderte, wie das Wasser der Erft weite Teile des 30 Hektar großen Betriebsgeländes an der Bonner Straße überschwemmt hatte. Es war ein reißender Fluss, der in bis zu 1,60 Meter Höhe durch das Gelände geströmt sei, kommentierte Oswald Videoaufnahmen, die er der Grünen-Politikerin vorspielte.
Gemeinsam mit den Landwirten wurden die Schäden beseitigt
In einem Gespräch mit Neubaur, die in Düsseldorf das Ressort für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie leitet, ging es anschließend um die Lehren aus der Flut, um den Wiederaufbau des Standorts und um die Transformation hin zu einer klimaneutralen und zukunftssicheren Zuckerproduktion.
In jener Nacht waren große Teile der Produktionsanlagen und der Infrastruktur zerstört worden. Der Wiederaufbau gelang in bemerkenswert kurzer Zeit – dank des außergewöhnlichen Engagements der Belegschaft, durch die Unterstützung von Landwirten und Landwirtinnen, externe Firmen sowie durch staatliche Hilfsprogramme, wie es in einer Bilanz des Unternehmens heißt.

Die Ministerin ließ sich Kandiszucker und andere Produkte zeigen.
Copyright: Johannes Bühl
Dass das Fabrik-Areal so massiv überflutet worden war, lag nach Oswalds Einschätzung an einem Rückstau, den Treibgut in einer Kurve der Erft verursacht hatte – begünstigt durch im Fluss wachsende Pappeln, die dort nicht hätten stehen dürfen, so der Standortleiter.
Ohne die Landwirte, die „mit Mann und Maus im Einsatz waren, als wäre ihr eigener Hof betroffen gewesen“, und ohne die Floisdorfer Firma Schilles, die einen Damm aus Kalksteinen baute, um die Erft zurück in ihr Bett zu drängen, wäre es nach Oswalds Darstellung nicht gelungen, das Gelände in recht kurzer Zeit trockenzulegen. Das Unternehmen ließ derweil 800 Pumpen und Motoren instandsetzen, die von dem Hochwasser betroffen waren, und organisierte den Wiederaufbau der Fabrik. Der alte Damm wurde stabilisiert und verlängert.
Flut verursachte Schaden von knapp zehn Millionen Euro
Der Schaden belief sich auf knapp zehn Millionen Euro, von denen die NRW-Bank 56 Prozent ersetzte. „Eine Summe, für die wir uns herzlich bedanken. Sie half, dass unser Standort nicht infrage gestellt wurde“, sagte Oswald zur Ministerin.
Das Euskirchener Werk sieht sich, wie es in einer Pressemitteilung heißt, als gestärkt aus der Krise hervorgegangen. Es stehe „beispielhaft dafür, wie Krisenresilienz, industrielle Transformation und eine konsequente Zukunftsausrichtung erfolgreich zusammenwirken können“. Die Flut habe gezeigt, so Oswald, „wie verletzlich industrielle Infrastruktur gegenüber Extremwetterereignissen sein kann“. Gleichzeitig sei deutlich geworden, „was möglich ist, wenn Menschen gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Wir haben den Standort nicht nur wieder aufgebaut, sondern gezielt widerstandsfähiger gemacht.“
Euskirchener fordern verlässliche politische Rahmenbedingungen
Oswald weiter: „Wir investieren konsequent in die Zukunft unseres Werks, insbesondere in die Energie-Transformation.“ Pfeifer & Langen will bis 2040 an allen 26 europäischen Standorten klimaneutral sein.
Das Euskirchener Werk, das mehr als 180 Festangestellte und zudem Saisonkräfte beschäftigt, setzt schon seit einigen Jahren auf erneuerbare Energien. 2023 traten Holzpellets an die Stelle von Braunkohle. Nun beschäftige man sich mit dem Gedanken, Biogas aus Rüben oder auch Rüben- statt Holzpellets einzusetzen und Abwärme zu nutzen.
Wichtig bei all dem seien jedoch verlässliche energiepolitische Rahmenbedingungen und verlässliche Preise, „wenn wir weg von der wärmegeführten und hin zur stromgeführten Industrie wollen“, so Oswald. Neubaur sagte: „Ich bin voll auf Ihrer Seite“, verwies aber auf die Zuständigkeit des Bundes.
Ob man in Euskirchen denn auch über eine Kombination aus Windkraft und Stromspeicher nachdenke, wollte die Ministerin wissen. Dafür sei das Werksgelände nicht groß genug, erwiderte Oswald, der darüber hinaus erklärte, dass grüner Wasserstoff für die Produktion „viel zu teuer“ sei. Und preiswerte Energie sei eben unerlässlich, um den Standort zu sichern, unterstrich er, bevor er Neubaur, ihren Begleittross und den Euskirchener Landtagsabgeordneten Klaus Voussem (CDU) durch Teile der Fabrik führte.
