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Labrador als Co-PilotEuskirchener fährt in umgebautem Feuerwehrwagen durch Zentralasien

6 min
Der Van steht auf einer Wiese vor einer Bergkette, ein Hund läuft auf den Van zu.

Die spektakuläre Landschaft in den zentralasiatischen Ländern begeistert den Weltenbummler Antek Zawacki immer wieder aufs Neue.

Antek Zawacki ist mit seinem Hund Levi auf Reisen. Sein umgebauter Feuerwehrwagen ist dabei eine Attraktion.

An der Grenze zu Kasachstan schwant Antek Zawacki Böses: Die russischen Beamten wollen seinen Wagen bei der Ausreise als Lkw einstufen. „Bloß nicht“, denkt er. In diesem Fall müsste er sich mit den Lastwagen in die Schlange einreihen, die so lang ist, dass die Wartezeit mehrere Tage betragen würde. Doch es kommt anders: Zawacki überzeugt die Kontrolleure davon, dass er mit einem „Dom na koloshak“ unterwegs ist. Übersetzt aus dem Russischen: mit einem „Haus auf Rädern“. Er darf die Schranke passieren.

Das Haus auf Rädern ist ein Mercedes-Benz 814 DA mit Allradantrieb, Baujahr 1992. Antek Zawacki hat den 7,5-Tonner gebraucht von der österreichischen Feuerwehr gekauft und über zwei Jahre zu einem autarken Expeditionsmobil umgebaut. Im Juni brach er damit zu einer Reise nach Zentralasien auf. Sein einziger Begleiter ist Levi, ein sechs Jahre alter Labrador. Die Reise nennt er „Odin i sabaka“, Russisch für „Einer und Hund“. Dies deshalb, weil er bei allen Kontrollen nach der Anzahl der Insassen im Fahrzeug gefragt wird. Seine Freundin Hannah wird ihn erst ab Bishkek in Kirgistan begleiten, sie kommt mit dem Flugzeug hinterher.

Euskirchener will die Pfade der alten Seidenstraße befahren

Der 28-Jährige ist in Euskirchen aufgewachsen, machte am Emil-Fischer-Gymnasium sein Abitur und wohnt mittlerweile in Erftstadt. „Ich habe schon immer gerne hobbymäßig an Autos geschraubt und sie umgebaut“, erzählt der Maschinenbau-Ingenieur. In den vergangenen zehn Jahren hat er etliche Länder auf vier Rädern erkundet, etwa Marokko, die Türkei, Armenien und die Balkanstaaten, um nur einige Beispiele zu nennen.

Antek Zawacki hockt neben seinem Labrador Levi an einem Fluss.

„Odin i sabaka“, Russisch für „Einer und Hund“, lautet das Motto der Reise.

„Mein Traum war es immer, auf den Pfaden der alten Seidenstraße zu fahren“, sagt Zawacki. „Unter anderem auf dem Pamir Highway, der zweithöchsten Straße der Welt, die auf einer Höhe von rund 4600 Metern liegt“, fügt er hinzu. Die historische Seidenstraße verband als Handelsroute den Mittelmeerraum und Ostasien.

Der Beweggrund, sich den Traum zu erfüllen, war eine Operation im März: „Die Ärzte in der Kölner Uniklinik haben mir mein Augenlicht und mein Leben gerettet“, berichtet er. „Das hat mir gezeigt, dass man Träume zeitnah in die Realität umsetzen sollte, weil man nie weiß, wann es zu spät ist.“ Die Chance dazu ermöglichte er sich durch einen Jobwechsel: „Bevor ich im Herbst meine neue Stelle antrete, habe ich mir diese Auszeit gegönnt“, sagt Zawacki.

30 Kilo Hundefutter bei Einreise nach Russland beschlagnahmt

Seine Route führte zunächst über Polen und Litauen nach Lettland. Bei der Einreise nach Russland wartete die erste Geduldsprobe. Die Kontrolle seines Wohnmobils zog sich über zehn Stunden hin. Man erklärte ihm, dass die Einfuhr des Hundefutters für Levi nicht zulässig sei: 30 Kilogramm wurden beschlagnahmt, Zawacki musste 6 Euro Strafe zahlen und etliche Autogramme auf kyrillischen Dokumenten leisten, die er nicht verstand.

Im weiteren Verlauf packten ihn beim Anblick der unübersehbaren Armut hinter der Grenze „Tränen und Freude zugleich“, notierte er in seinem Reisetagebuch. „Wie privilegiert ich bin, diese Reise antreten zu können.“

Eine Gruppe von Menschen sitzt und steht mit Zawacki vor dem Van.

An einem See traf Antek Zawacki (r.) drei kirgisische Familien, die sein Auto bestaunten und Schaschlik grillten.

In Sankt Petersburg erlebte er einen überaus herzlichen Empfang auf einem Campingplatz: „Einen deutschen Camper hatten sie dort ewig nicht mehr gesehen.“ Der Rezeptionist führt Zawacki durch die Stadt und erzählt vom Leben in Russland. In Moskau besuchte er die imposanten U-Bahn-Stationen und den Kreml. „Schwarze Luxuslimousinen und SUVs fahren rein und raus. Wer da wohl drinsitzt?“, schrieb er.

Euskirchener spricht Polnisch und versteht slawische Sprachen

Sein Wagen entpuppte sich in den folgenden Wochen als regelrechte Attraktion. In Kasachstan rief er bei den Einheimischen immer wieder Erstaunen hervor. Viele sprachen ihn neugierig an, wollten Details zu seinem Auto und der Reise erfahren.

Die Verständigung funktionierte deshalb so gut, weil Antek Zawackis Eltern aus Polen stammen. Er beherrscht Polnisch und versteht dadurch auch etwas Russisch, eine andere slawische Sprache. Etwas anderes kommt hinzu: Levi, der freundliche Labrador, ist ein Sympathieträger, der die Kontaktaufnahme erleichtert. „Er ist das Reisen gewohnt. Seine erste Tour, vier Monate lang, hat er als Welpe gemacht, nach Skandinavien“, erzählt der Erftstädter, der in der Zwischenzeit Kirgistan erreicht hat.

Der Labrador sitzt auf einer Wiese, im Hintergrund sind ein Van und grüne Hügel zu sehen.

Treuer Begleiter: Labrador Levi.

„Der Benz schnurrt wie ein Kätzchen“, hieß es in seinem Reiseblog, nachdem er mehr als 8000 Kilometer zurückgelegt hatte. Dafür, dass sein Wagen autark ist, sorgen eine Solaranlage mit Batteriespeicher, eine Trockentrenntoilette, ein Kühlschrank und ein 200-Liter-Wassertank. Er hat alles an Bord, „mir fehlt nichts“, sagt er.

Die Bedingungen waren zuletzt allerdings nicht immer einfach: Es gab Straßenabschnitte, die so schlecht waren, dass er gerade einmal 15 km/h fahren konnte, ebenso Schlammpisten und gefährliche Serpentinen. Aber das Offroad-Abenteuer in abgelegenen Regionen ist das, was Zawacki auf dieser Reise sucht.

Euskirchener begeistert von Gastfreundschaft und Natur

Häufig musste er zudem ohne Internet auskommen. Und an manchen Tagen war es derart heiß, dass er sich schon um 4 Uhr auf die nächste Etappe begab, um die kühlere Tageszeit nutzen zu können.

Eine weiße Jurte steht auf einer Wiese vor einem Berg. Davor kocht eine Frau.

In ihrer Jurte servierte eine Hirtenfamilie kirgisische Spezialitäten.

Doch was sind solche Widrigkeiten gegen die vielen schönen, unvergesslichen Momente? Da ist zum einen die faszinierende Landschaft. Zawacki erzählt von Nationalparks mit kristallklaren Seen, von der „unglaublichen Aussicht auf das Asy-Plateau und auf die 4000er-Berge, die Kasachstan von Kirgistan trennen“, oder auch von der Übernachtung neben einem einsam gelegenen Sternenobservatorium in 2800 Metern Höhe. „Über uns kreisen Adler, wir spielen Frisbee“, schreibt er über den ausklingenden Tag: „Nichts erdet mich mehr als das. Dieser Ausblick, die Ruhe, dieser spektakuläre Sonnenuntergang.“

Neben der Natur begeistert ihn die Gastfreundschaft der Menschen. Als er die Ruhe am Yssykköl genießen will, einem kirgisischen See, tauchen wie aus dem Nichts mehrere Familien auf. Sie bestaunen sein Auto und laden ihn zum Picknick ein: „Es gibt das beste Schaschlik, das ich jemals hatte.“

Kirgische Spezialitäten in Jurte serviert

Nicht minder beeindruckend die Begegnung mit einem Hirten. Zawacki ist zu diesem Zeitpunkt mit zwei Freunden aus Deutschland unterwegs, die ihn drei Tage begleiten und danach als Backpacker weiterreisen. In einem Tal kommt der reitende Hirte mit den Touristen ins Gespräch und lädt sie in seine Jurte ein, wo er ihnen kirgisische Spezialitäten serviert: Kymys (fermentierte Pferdemilch), Boorsok (traditionelles Brot) und Kurut (getrocknete Quarkklumpen).

Der Gastgeber und seine Familie leben als Halbnomaden im Sommer im Tal, wo sie 1000 Schafe hüten, von denen 50 ihnen gehören, die restliche Zeit des Jahres in einem Dorf. Die Hirten illustrieren auf wunderbare Art, was Antek Zawacki meint, wenn er über die Motivation für seine Reise spricht, auf der ja auch durchaus Gefahren lauern könnten: „Ich habe sie in der Überzeugung angetreten, dass es überall auf der Welt gute Menschen gibt.“

In den kommenden Wochen möchte er weiter nach Tadschikistan und Usbekistan, bevor es über Kasachstan und Russland zurück in Richtung Heimat geht. Nach insgesamt drei Monaten will der Weltenbummler wieder zu Hause sein.


Reisender aus Euskirchen half Paar aus Deutschland in Not

Am 4. Juli setzte ein Paar aus Deutschland in einer WhatsApp-Gruppe von Seidenstraßentouristen eine Hilferuf ab: Die beiden waren in Kirgistan mit ihrem Fahrzeug, einem Iveco Daily, im Burkhan Valley auf etwa 3300 Metern Höhe im Matsch stecken geblieben. Einheimische konnten sie mit ihren kleinen Fahrzeugen nicht befreien, also fuhr Antek Zawacki los. Nach sechs Stunden erreichte er die Einsatzstelle und zog den Iveco aus dem Dreck. „Die Erleichterung war groß“, schrieb er.