Künstlerinnen und Künstler brachten 26 Kurzprogramme in 20 jeweils Minuten auf die Euskirchener Bühnen. Für besucher war eine gute Planung von Vorteil.
KulturnachtProgrammvielfalt war in Eusskirchen erneut ein Garant für den Erfolg

Die Band „Hopstopbanda“ sorgte für ausgelassene Stimmung in der Aula der Geschwister-Graf-Gesamtschule.
Copyright: Cedric Arndt
Bis ins kleinste Detail hatten viele Besucherinnen und Besucher der Euskirchener Kulturnacht ihr persönliches Programm für den Abend ausgearbeitet. Schon Tage zuvor wurden die Programmhefte studiert, die favorisierten Vorführungen ausgewählt und die Laufwege ausgearbeitet, um die einzelnen Bühnen in den Pausen schnellstmöglich erreichen zu können. Trotz dieser akribischen Planung machte der große Andrang vor den beteiligten Schauplätzen, die den Protagonisten am Samstag während der 18. Ausgabe der Veranstaltung als Bühne dienten, viele Vorbereitungen schnell zunichte.
„Bei unserer ersten Station haben wir uns schon eine halbe Stunde vor dem Einlass angestellt, um noch einen Platz zu bekommen. Danach mussten wir uns aber schon eine Alternative überlegen, da alle Plätze leider schon voll waren“, berichtete Reiner Neumann, der die Situation aber dennoch gelassen aufnahm. „Irgendwo findet sich immer noch ein Plätzchen, und bisher hat uns jede Show sehr gut gefallen.“
Programm der Kulturnacht war so vielfältig wie eh und je
Mit 13 Standorten und 26 zur Wahl stehenden Kurzprogrammen fiel die 18. Euskirchener Kulturnacht im Vergleich zum Vorjahr ein wenig reduzierter aus. An der abwechslungsreichen Vielfalt der Aufführungen änderte dieser Umstand jedoch nichts. So trumpften die Herz-Jesu-Kirche und die evangelische Kirche erneut mit einem stimmungsvollen Musikprogramm zwischen träumerischen Panflötenklängen des peruanischen Musikers Gilmar Ramirez und Klassikern von Johann Sebastian Bach und Ludwig van Beethoven mit dem Essener Posaunenquartett auf.

Marc Westermann ließ seine Kunstwerke fast tänzerich entstehen.
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Musik von Beethoven bis Bach hielt dank des Essener Posaunenquartetts in der Herz-Jesu-Kirche Einzug.
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Magisch wurde es in der Mensa des Emil-Fischer-Gymnasiums, wo Felix Bergmann sein Publikum verzauberte. Mit seinen Illusionen und seinem Humor konnte er dabei in vielfacher Hinsicht punkten. „Ich kann Begeisterung durchaus von Mitleid unterscheiden“, scherzte der Zauberkünstler, nachdem auch ein bewusst flach angesetzter Wortwitz von den Zuschauenden mit Applaus gewürdigt wurde.
Drei bewährte Spielstätten fielen diesmal aus
Weil mit dem Stadttheater, der Jugendvilla und der Bodega drei Spielstätten ausgefallen waren, musste an anderer Stelle würdiger Ersatz gefunden werden. Insbesondere die Parkhausfläche in der Spiegelstraße bot ein stimmungsvolles Ambiente für die Livemalerei von Marc Westermann. „Ein fertiges Bild anzusehen, finde ich in den meisten Fällen nicht wirklich spannend“, gestand Zuschauer Patrick. „Hier in diesem Umfeld zu sehen, wie es entsteht, ist aber etwas ganz anderes. Wie er fast schon tänzerisch mit der Leinwand umgeht, ist richtig spannend, dann kann auch ich das fertige Bild am Ende ganz anders wertschätzen.“

Bei ihrer bisher kürzesten Lesung entführte Autorin Ursula Gruß die Zuhörer in die Welt der Sagen und Legenden Kölns.
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Im Ratssaal des ehemaligen Rathauses in der Kölner Straße lenkte Raphael Breuer den Fokus hingegen auf die künstlerischen Aspekte der deutschen Sprache und ihrer Veränderung im Laufe der Zeit. Dabei beschäftigte er sich unter anderem mit dem häufigen Auftreten von Anglizismen im alltäglichen Sprachgebrauch. „Es ist gar nicht mal nur die Jugend, die sie verwendet. Auch im Büro begegnet man ihnen immer wieder.“ Sich für ein „get together“ zum „Brainstormen“ zu verabreden klänge in der deutschen Übersetzung „zum Gehirnstürmen“ aber auch schlichtweg albern. „Ich bin auch froh, dass wir Begriffe wie Laptop beibehalten haben und es nicht Schoßaufsatz nennen.“ Auch Ausflüge in den Sprechgesang und kurze Poetry-Slam-Passagen flossen in sein humorvolles Programm ein.
Bei ihren Kurzgeschichten kam Ursula Gruß direkt auf den Punkt
Wie bei der Kulturnacht üblich standen den Künstlerinnen und Künstlern jeweils 20 Minuten für ihren Auftritt zur Verfügung, bevor sich das Publikum in der darauffolgenden Pause bereits wieder zum nächsten Ziel aufmachte. Zuhörer in dieser kurzen Zeit mit einer Geschichte zu fesseln und in die gewünschte Stimmung zu bringen, sei eine spannende Herausforderung, wie Autorin Ursula Gruß erklärte: „Das ist meine bislang kürzeste Lesung und darum habe ich mich auch ganz bewusst heute Abend für meine Kurzgeschichten entschieden, da man mit ihnen schneller in die Erzählung eintauchen kann.“
Im Wechsel zwischen Textabschnitten und kurzen Erzählungen zur Entstehung ihres Buches „Magica Colonia“ sollte die engbemessene Zeit dennoch ausreichen, die fantasiereichen Sagen und Legenden rund um die Domstadt in den Köpfen der Gäste zum Leben zu erwecken. „Köln ist voll von solchen Geschichten und in meinem Buch habe mir überlegt, wie es wäre, wenn bei all diesen Dingen ein wahrer Kern zugrunde läge.“
