Die Caritas und mehrere Kooperationspartner ließen an der Herz-Jesu-Kirche für die Aktion „Beim Namen nennen“ einen LED-Monitor installieren.
GedenkenInstallation in Euskirchen erinnert an Menschen, die auf der Flucht starben

Die LED-Anzeige wurde zwischen dem Kirchenportal und dem Antidiskriminierungsplakat platziert. Auf dem Monitor werden Namen und Schicksale von Menschen öffentlich gemacht, die auf der Flucht ums Leben kamen.
Copyright: Johannes Bühl
Krieg, Verfolgung, Gewalt, Hungersnöte – es gibt viele Gründe, die Menschen dazu bringen, ihre Heimat zu verlassen. Ungezählte von ihnen kommen nicht ans Ziel, denn sie sterben auf der Flucht. Der Weltflüchtlingstag, der an diesem Samstag begangen wird, soll den Blick auf sie lenken.
In Euskirchen läuft aus diesem Anlass, wie in zahlreichen anderen europäischen Städten, die Gedenkaktion „Beim Namen nennen“. Daran beteiligen sich die Flüchtlings- und Migrationshilfe des Caritasverbandes für das Kreisdekanat Euskirchen, die katholische Kirche in Euskirchen und die Aktion Neue Nachbarn, eine Initiative des Erzbistums Köln.
Die Installation ist Tag und Nacht öffentlich zu sehen
Seit Freitag und noch bis Montag, 22. Juni, hängt an der Vorderfront der Herz-Jesu-Kirche eine LED-Leiste. Auf ihr laufen ununterbrochen in roter Schrift die Namen von Menschen, die auf der Flucht ums Leben gekommen sind – im Mittelmeer, in der Wüste, in Lastwagen, an Grenzen oder anderswo auf dem Weg in ein Land, von dem sie sich bessere Lebensbedingungen erhofft hatten. Die Installation ist Tag und Nacht öffentlich zu sehen.
Grundlage ist nach Angaben der Caritas die „List of Deaths“, eine Liste gestorbener Flüchtlinge, die das europäische Netzwerk United for Intercultural Action seit Jahren fortführt. Rund 72.000 Todesfälle sind darin inzwischen erfasst. Rund 5000 dieser Fälle werden in Euskirchen auf der LED-Anzeige öffentlich gemacht, teilweise mit Herkunftsland und Alter der Gestorbenen und mit den Umständen ihres Todes.
Es geht um das Schicksal, das jedes Mal dahintersteckt.
„Es geht nicht nur um Zahlen und um Namen, sondern um das Schicksal, das jedes Mal dahintersteckt“, sagte am Freitag Birgit Urbanus, bei der Caritas Integrationsbeauftragte der Aktion Neue Nachbarn, bevor die LED-Leiste an der Herz-Jesu-Fassade befestigt wurde, zwischen dem Kirchenportal und dem Antidiskriminierungsplakat der katholischen Gemeinde. Diese Aufgabe übernahmen, auf einer Hebebühne stehend, der Caritas-Mitarbeiter Mohammad Sulaiman und Markus Braun vom gleichnamigen Garten- und Landschaftspflegeunternehmen.
„Wer die Namen liest, erkennt, dass es nicht um anonyme Flüchtlingsbewegungen geht, sondern um Menschenleben. Genau daran möchten wir erinnern.“ Auch mache man aufmerksam auf „die Stärke und die Widerstandsfähigkeit, die Menschen auf der Flucht täglich aufbringen müssen, und auf ihre universellen, unteilbaren und unveräußerlichen Menschenrechte“.
Die meisten der Geflüchteten sind ertrunken
Die meisten der Geflüchteten, die ihr Leben verloren haben, so Urbanus weiter, „sind ertrunken – das Mittelmeer ist ein Massengrab. Andere starben im Krankenhaus oder in Abschiebezentren, wieder andere haben Suizid begangen.“
Martin Jost, Vorstand des Caritasverbandes Euskirchen und Bereichsleiter der Flüchtlings- und Migrationshilfe, ergänzte: „Gerade in einer Zeit, in der Flucht und Migration häufig nur noch abstrakt oder politisch diskutiert werden, möchten wir bewusst innehalten und an unsere humanitäre Verantwortung erinnern.“
Die Aktion „Beim Namen nennen“ verstehe sich als Zeichen für Menschenrechte, Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt, erklärte der Verband weiter. Er bedankte sich ausdrücklich bei der katholischen Kirche in Euskirchen für die Unterstützung der Aktion und dafür, die Installation an der Kirche anbringen zu dürfen.
Mit Plakaten an der Kirchentür informieren die Veranstalter über den Hintergrund der Aktion. Außerdem lief eine Mitmachaktion: Passantinnen und Passanten hatten die Gelegenheit, auf einer Karte, anknüpfend an das Motto der Aktion, schriftlich diese Frage zu beantworten: „Was sollten wir beim Namen nennen?“
Auf der Karte fordern die beteiligten Institutionen außerdem die europäischen Staaten auf, „sich an die Grundrechte zu halten und das individuelle Recht auf Asyl nicht außer Kraft zu setzen“.
