Fusion von 16 Pfarreien zu St. Martin Euskirchen: Kardinal Woelki feiert Pontifikalamt und ruft zu Zusammenhalt und neuen Perspektiven auf.
FusionKardinal Woelki feiert Gottesdienst in Euskirchen und führt viele Gespräche

Seinen Besuch in Euskirchen läutete Kardinal Rainer Maria Woelki mit einem Pontifikalamt in der Herz-Jesu-Kirche ein.
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Farblich und strukturell sticht der bereits zu Beginn der 1980er Jahre in das Gemäuer der Herz-Jesu-Kirche eingelassene Stein des Kölner Doms auch nach 46 Jahren noch heraus. Dennoch sei er als Symbol der Verbundenheit der Euskirchener Pfarrei mit dem Kölner Erzbistum zu verstehen, erklärte Pfarrer Tobias Hopmann. Dies habe auch nach der Zusammenlegung von insgesamt 16 ursprünglich eigenständigen Pfarreien zu der katholischen Kirchengemeinde St. Martin Euskirchen Bestand.
Bereits zum Jahreswechsel wurde diese Fusion verkündet und am Sonntag wurde sie bei einem Pontifikalamt unter der Leitung von Kardinal Rainer Maria Woelki gefeiert. „Es ist mir heute eine große Freude, hier zu sein und zu sehen, dass sich so viele Kinder Gottes um diesen Altar versammelt haben“, verkündete der Erzbischof, der sich am Sonntag auch den Fragen und Sorgen der Gottesdienstbesucher hinsichtlich der auf sie zukommenden Veränderungen annahm: „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass viele von ihnen der Schritt schmerzt, von vielem Liebgewonnenen Abschied zu nehmen.“
Jegliches Engagement sei richtig, gut und wichtig gewesen
Trotzdem sei jegliches Engagement, das viele der Anwesenden im Laufe der vergangenen Jahre für die Gemeinde erbracht haben, keinesfalls sinnlos gewesen. „Nichts von alledem war umsonst. Es war alles wichtig, gut und richtig - zu seiner Zeit.“
Aktuelle Herausforderungen, die man sich nicht ausgesucht habe und auch nicht aussuchen könne, könnten dennoch nicht ignoriert werden und wären für die Zusammenlegung ausschlaggebend gewesen.
Die Veränderungen, die sich durch die Fusion der 16 Pfarreien ergeben, betrachtete Kardinal Rainer Maria Woelki nicht nur hinsichtlich eines Abschiedsschmerzes, sondern ebenso mit Blick auf neue Chancen und Möglichkeiten. So könnten beispielsweise gewohnte Ansichten mit neuen Impulsen aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden.

Im Anschluss an den Gottesdienst sollten bei einer Gesprächsrunde Fragen zur Zusammenlegung der Pfarreien erläutert werden.
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„Manchmal braucht es neue Herausforderungen von außen, um eingefahrene Denkmuster zu überwinden“, sagte der Kardinal. Dieser Schritt hinaus aus der Komfortzone sei auch im Rahmen der Missionierung bedeutsamer, als alten und aus Unsicherheit vor künftigen Ereignissen oftmals als „besser“ titulierten Zeiten nachzutrauern.
Da diese Unsicherheit in vielen Köpfen dennoch zahlreiche Fragen und Sorgen aufkommen ließ, hatte der Erzbischof im Anschluss an den Gottesdienst zu einem Glaubensgespräch in das Pfarrzentrum St. Martin eingeladen. Dabei sollte die geistliche Vision für die Kirche von Köln und die strukturellen Änderungen durch die Zusammenlegung der Pfarreien beleuchtet werden.
Daraus, so hoffte Kardinal Rainer Maria Woelki, könnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einem gestärkten Gefühl des Zusammenhaltes hervorgehen. „Es gibt zwei Möglichkeiten, wie man sich den Herausforderungen stellt. Entweder, wie es derzeit im Rest der Welt leider häufig passiert, nach dem Recht des Stärkeren, bei dem sich jeder das nimmt, was er denkt, haben zu müssen. Oder aber mit Christus in unserer Mitte und mit einem christlichen Miteinander, bei dem nicht jeder versucht, sich vor anderen zu profilieren.“
Auch bei dieser Diskussion sei es wichtig, die Interessen jedes einzelnen zu achten und aufeinander zu hören, um gemeinsam Fragen lösen und auch bei kontroversen Themen zu einem guten Ergebnis kommen zu können. Kardinal Woelki: „Wer aufbricht, der ist noch nicht am Ziel angekommen. Aber er hat zumindest schon eine Vorstellung davon, wohin es geht und wie dieser Weg gemeinsam beschritten werden kann.“

