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Philosophie und MedizinExperten diskutieren in Euskirchen über ein polarisiertes Land

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Dr. Hubertus Rüber (l.), Prof. Ulrike Bardt und Michael Mombaur stellen das Programm des 29. Euskirchener Dialogs vor.

Dr. Hubertus Rüber (l.), Prof. Ulrike Bardt und Michael Mombaur stellten das Programm des 29. Euskirchener Dialogs vor.

Zum Euskirchener Dialog kommen diesmal Thomas Fuchs und Philipp Hübl in die Marienschule. Ihr Thema: die unversöhnte Gesellschaft.

Wenn kontrovers über heikle Themen diskutiert wird, wie Migration oder Klimawandel, bleibt die Sachlichkeit oft auf der Strecke. „Die Gemüter erregen sich. Die eine Gruppe hört die Argumente der anderen Seite nicht mehr, und durch die neuen Medien wird die Auseinandersetzung zusätzlich aufgeheizt.“

So beschreibt die Philosophin Prof. Dr. Ulrike Bardt eine um sich greifende Entwicklung, mit der sich am Freitag, 16. Oktober, die 29. Auflage der Euskirchener Dialoge befassen wird. Die Gesprächsreihe bietet ein Forum für den interdisziplinären Austausch zwischen Geisteswissenschaft und Medizin. Das Thema lautet diesmal: „Die unversöhnte Gesellschaft – psychiatrische und philosophische Perspektiven auf ein polarisiertes Land“.

Angst und Misstrauen gefährden den sozialen Zusammenhalt

Mit den aktuellen wirtschaftlichen und sozialen Verlusterfahrungen, so heißt es in der Einladung, gehe auch Vertrauen in die persönliche Zukunft und in die Zukunft der Gesellschaft verloren. Angst und Misstrauen gefährdeten zunehmend den sozialen Zusammenhalt. Viele Menschen suchten Orientierung und Sicherheit nur noch in einer sozialen Umgebung, die als eindeutig und vertraut wahrgenommen werde.

In dem Dialog soll erörtert werden, wie man dieser „aus dem Gleichgewicht geratenen Gesellschaft“ begegnen kann. Schauplatz ist von 19 Uhr an die Aula des Gymnasiums Marienschule, Basingstoker Ring 3. Idee und Konzept stammen von Ulrike Bardt und dem Euskirchener Dr. Hubertus Rüber.

Wieder kommen zwei hochkarätige Referenten nach Euskirchen

Der Arzt für Neurologie und Psychiatrie/Psychologie wird – nach der musikalischen Begrüßung durch die Marienschulband Mary’s Delight – in das Thema einführen, bevor Bardt, Dozentin am Institut für Philosophie der Universität Konstanz, die Moderation übernimmt. Das Duo hat erneut zwei hochkarätige Vertreter ihrer Zunft zu Gast, zum einen Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs, zum anderen Prof. Dr. Philipp Hübl. Beide werden einen Vortrag halten.

Fuchs, der Philosoph und Psychiater ist und an der Universität Heidelberg lehrt, überschreibt seinen Beitrag so: „Aus dem Gleichgewicht. Wie Polaritäten zu Polarisierungen werden und was wir dagegen tun können“. Hübl, Philosoph und Publizist, spricht anschließend über „Identitätsschutz, Stammesdenken und Selbstdarstellung – die Quellen der Polarisierung“.

Ich bin überzeugt davon, dass die Philosophen Antworten haben, mit denen jeder etwas anfangen kann.
Ulrike Bardt, Moderatorin

Das klingt anspruchsvoll und soll es auch sein. Doch Ulrike Bardt betont: „Ich bin überzeugt davon, dass die Philosophen Antworten haben, mit denen jeder etwas anfangen kann.“ Hubertus Rüber pflichtet ihr bei: „Der Dialog wird nicht abstrakt bleiben.“ An die Vorträge schließt sich eine Diskussion mit dem Publikum an. Eingeladen sind alle, die sich angesprochen fühlen, wie die Organisatoren betonen.

Die Reihe firmierte lange Jahre unter dem Titel „Euskirchener Gespräche“, es handelte sich jeweils um Fortbildungsveranstaltungen der Ärztekammer Nordrhein. Sie hat sich nach Rübers Angaben mittlerweile zurückgezogen – auch aus der Mitfinanzierung. „Ohne die Kammer sind wir nun völlig frei bei Themenauswahl und Referenten“, sagt der Mediziner. „Ein weiteres Glück“ sei, dass der Leiter der Marienschule, Michael Mombaur, die Aula des Gymnasiums zur Verfügung stelle, fügt Rüber hinzu. Der Förderverein der Marienschule helfe finanziell, „doch das Geld der Ärztekammer fehlt uns natürlich, sodass wir das Publikum um Spenden bitten werden“.

„Wir werden häufig gefragt, wie es uns immer wieder gelingt, derart prominente Referenten nach Euskirchen zu holen“, sagt Hubertus Rüber. Ein Grund sei, dass die Veranstaltung sich schon früh in kurzer Zeit einen beachtlichen Ruf erworben habe, der seither stets neue renommierte Expertinnen und Experten angezogen habe.

„Vertreter unterschiedlicher Disziplinen sind immer interessiert daran, miteinander ins Gespräch zu kommen. Und genau diese Möglichkeit haben sie hier“, sagt Michael Mombaur. Dies gelte auch für den ersten Termin im neuen Jahr (18. März) mit der Philosophin Svenja Flaßpöhler und der Psychologin Anna Buchheim.