Rudi Faus kann sich ein Leben ohne den 1. FC Köln nicht vorstellen. In seinem Haus hat er ein Museum voller Sammlerstücke eingerichtet.
Super-Fan aus EuskirchenRudi Faus will im FC-Trikot beerdigt werden

Rudi Faus sammelt die Trikots des FC nicht nur, er kann auch zu jedem einzelnen eine Geschichte erzählen.
Copyright: Ulla Jürgensonn
Der Mann hat es schwer. Nebenan wohnt ein Gladbach-Fan, gegenüber ein Anhänger des FC Bayern München, auf der Ecke einer, der zu Leverkusen hält. „Wenn ich bei Leverkusen an der Bay-Arena vorbeifahre, bekomme ich Magenschmerzen“, sagt Rudi Faus. Selbst in der Familie ist er nicht vor den Fans der falschen Fußball-Clubs sicher: „Ich habe den besten Schwager der Welt. Leider hat er einen Gendefekt: Er ist Bayern-Fan.“ Zu sagen, dass Rudi Faus FC-Fan ist, wäre milde untertrieben.
Sein Herz schlägt für die Geißbock-Elf. „Ich kann mir nicht vorstellen, ohne den FC zu sein“, sagt der 50-Jährige. Nur eine liebt er noch mehr als die Geißbock-Elf: seine Frau Corinna. Die trägt, im Gegensatz zu ihrem Mann, nicht ständig ein FC-Trikot. Dabei gäbe es genug Auswahl. In dem kleinen Zimmer unterm Dach, das zum FC-Museum umgewidmet ist, hängen die Shirts dicht an dicht. Mehr als 1000 seien es, sagt Rudi Faus.
Der Euskirchener ist ein wandelndes Lexikon in Sachen FC
Er greift sich eines und fängt sofort zu erzählen an, aus welcher Saison es ist, wie er es bekommen hat, und natürlich auch, wie Köln damals abgeschnitten hat. Der Mann ist nicht nur ein besessener Sammler – ein Hamstertyp, wie er selbst sagt –, sondern auch ein wandelndes Lexikon in Sachen FC. Spielernamen und Ergebnisse sprudeln nur so aus ihm heraus.

Ein bisschen Kitsch darf auch sein: Die Gartenzwerge in Rot-Weiß haben auch ihren Platz in dem Dachzimmer, das zum Museum geworden ist.
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Die Torwarthandschuhe von Thomas „Kess“ Kessler und Alexander Bade liegen auf einem Stuhl im FC-Design.
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Hübsch hässlich ist dieses Exponat: Auch eine gehäkelte Geißbock-Mütze gehört zur Sammlung.
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Schätze wie diese Autogrammkarten sind normalerweise wohlverwahrt in Kisten und Schubladen.
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Eigentlich, so erzählt er, sei er in diese Leidenschaft hineingeboren. Vier oder fünf Jahre alt sei er gewesen, als sein Onkel ihn zum ersten Mal zu einem FC-Training mitgenommen habe, das erste Spiel – gegen Kaiserslautern – habe er mit sechs gesehen. Später fuhr er dann mit dem Fahrrad nach Müngersdorf, noch später mit dem Mofa. Der Euskirchener schwärmt davon, wie er damals ganz locker mit den Spielern ins Gespräch kam. Einer hat sogar sein Mofa signiert.
„Früher haben die FC-Spieler gut verdient, heute werden sie Millionäre“, umschreibt er den Unterschied, der sich auch auf den Umgang auswirke. Und dennoch: „Das Flair des Geißbockheims ist einmalig. Die Herzlichkeit dort ist nicht zu toppen.“ Rund 3000 Fanartikel hat er in den Jahrzehnten zusammengetragen. Wie viele es genau sind, weiß er nicht. Gut 200 Schals sind es allein, dazu 250 Paar Handschuhe.
Echte Raritäten stehen neben skurrilen Stücken
In der Sammlung gibt es echte Raritäten wie die handsignierten Trikots, Autogrammkarten in Schwarz-Weiß und eine ganz besondere Stadionzeitung. In der geht es um das Spiel gegen Liverpool 1965, bei dem letztlich eine Münze geworfen wurde, um den Sieger (es war Liverpool) zu ermitteln. Medaillen, Wimpel, eine Schallplatte mit der Übertragung der ersten Deutschen Meisterschaft – daneben Kuriositäten wie eine Galerie rot-weißer Gartenzwerge. Und eine gehäkelte Geißbockmütze. Bei der allerdings endet Rudi Faus’ Bereitwilligkeit, jedes Sammlerstück zu präsentieren: Fürs Foto will er sie partout nicht aufsetzen.

Der alte Wimpel erinnert an glorreiche Zeiten und an den Meistertitel, den der FC 1964 gewonnen hat.
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Für Rudi Faus ist die alte Ausgabe des Fußballmagazins „Kicker“ eine Kostbarkeit.
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Manches Sammlerstück ist einfach schräg.
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Viele Gegenstände sind durch Kontakte zu Spielern und Funktionären in seine Hände gekommen, mittlerweile ersteigert er vieles im Internet. Und was ihm vielleicht durch die Lappen geht, erspäht mit Sicherheit seine Frau. Was schon zu der kuriosen Situation geführt hat, dass die beiden abends auf dem Sofa auf ein begehrtes Teil geboten haben und dabei nicht gemerkt haben, dass sie gegenseitig den Preis in die Höhe trieben.
Wir müssen sehen, dass wir in ruhigeres Fahrwasser kommen.
Eine Tatsache trübt etwas die innige Beziehung zum Verein. Rudi Faus ist sauer, weil man nicht mehr an eine Dauerkarte kommt. Aber wie das so ist bei einer großen Liebe, ist ein Schuldiger schnell gefunden. „Die Politik blockiert den Verein“, meint Faus. Das Stadion sei einfach zu klein, ein neues müsse dringend gebaut werden.
Ansonsten ist der Fan-Optimismus bei allen Höhen und Tiefen ungebrochen. Er kenne Thomas Kessler, der seit Anfang des Jahres FC-Geschäftsführer ist, und vertraue ihm: „Wir müssen sehen, dass wir in ruhigeres Fahrwasser kommen.“ Der Verein habe nun mal keine elf Messis auf dem Platz.
Extra für die Nachbarn – die mit den falschen Vereinen – hat er eine FC-Fahne gekauft und zu einer Gardine umfunktioniert, die im Fenster zur Straße hängt. Im Garten steht ein Fahnenmast, an dem natürlich die Geißbockfahne flattert. Manchmal, wenn er die Anhänger der gegnerischen Vereine fantasievoll beschimpft, muss man schon genau hinschauen, um das vergnügte Funkeln in den Augen zu entdecken. So ganz ernst meint er es dann doch nicht. Es ist aber auch nicht nur ein Spaß. Es gebe Mannschaften, die gehörten einfach verboten. Und plötzlich wird der 50-Jährige ganz ernst. „Ich werde im FC-Trikot beerdigt“, sagt Rudi Faus.
