Abo

Tattoo-ConventionTätowierer zeigten in Euskirchen Kunst, die unter die Haut geht

3 min
Ein Mann liegt auf dem Bauch, während ihm ein Tätowierer ein Tattoo auf den Oberschenkel sticht.

Tätowieren fast wie am Fließband gehört auch zur Convention, etwa beim Team aus Hürth.

13 Tätowierer präsentierten sich und ihre Arbeit bei der „Tattoo Convention Euskirchen“ im Wohnzimmer der Tuchfabrik.

In der „Wohnzimmer“ genannten, aber doch eher kahlen Halle der Tuchfabrik wurde es für eine gewisse Zielgruppe gemütlich: An 13 Ständen hatten Tätowierer ihre Liegen für die Kunden aufgebaut. Zum siebten Mal fand die Leistungsschau für Freunde des schmerzhaften Handwerks, die „Tattoo Convention Euskirchen“ statt.

Jürgen Kastenholz steht vor den vorwiegend in Schwarz gehaltenen Ständen von Tattoostudios aus Flensburg, Hamburg, Dortmund, Essen und Euskirchen. Aus Düren kommt ein „Supplier“, ein Zubehörlieferant. „Als ich angefangen habe, das war ja eine Trotzreaktion“, sagt er über den Start 2017. In Rotterdam habe er mit seinem Euskirchener Tattoo-Studio an einer solchen Convention teilgenommen. „Es war ein Fiasko für mich, 600 Euro Minus!“ Danach habe er entschieden: „Das mache ich selber und ich mache es besser.“

Sebastian aus Mechernich sammelt bei der Convention neue Tattoos

Zwischenzeitlich haben an der Veranstaltung an die 40 Studios teilgenommen, dieses Mal sind es 13. „Insgesamt steigt die Studiozahl in Deutschland weiter an und auch die Qualität wird immer besser“, so Kastenholz. Auf Letzteres setzt auch Sebastian aus Mechernich, der entspannt auf der Arbeitsbank von Tätowierer Micha aus Alfter liegt.

Wer sich ein Tattoo stechen lässt, der zeigt nach außen während der Prozedur entspannte Langeweile. „Ich sammele seit vier Jahren bei den Conventions Tattoos, jedes Mal von einem anderen Künstler“, so Sebastian. Er habe erst spät, mit 40 damit angefangen – mittlerweile sei es zu einer Art Sucht geworden.

Jürgen Kastenholz tägt Halbglatze, Brille, Bart und ein schwarzes T-Shirt mit weißem Totenkopf-Aufdruck.Seite Arme sind tätowiert.

Veranstalter Jürgen Kastenholz bietet die „Tattoo Convention Euskirchen“ seit 2017 an.

Nun soll es ein Samurai vor einer roten Sonne sein, die fast vollständig von einem schwarzen Vollmond verdeckt wird. „Das Motiv habe ich aus dem Internet“, sagt Sebastian. Das stört den Tätowierer an der sterilen Nadel für die feinen Linien nicht. Er rechnet mit eineinhalb bis zwei Stunden Arbeitszeit, in denen auch „Shadower“ und „Magnum“ für Schatten, kleine und größere Flächen benutzt werden.

Zweimal täglich gibt es Wertungssichtungen

Wer sein Handwerk wie gut beherrscht, entscheiden Veranstalter Kastenholz und zwei Kollegen zweimal täglich bei Wertungssichtungen. „Wir beurteilen die Tattoos nach Realistik, Comic, Lettering – Buchstaben und Schriftzügen – und Exaktheit“, so der Juror. Für die besten gibt es eine Urkunde.

Auch Tätowiererin Linda aus Walsdorf weiß, dass es für die Auszeichnung einiger Voraussetzungen bedarf: Eine gute Tätowiererin sticht zum Beispiel nach eigenen Entwürfen, nicht nach Bildern aus dem Katalog. Das schätzen laut Kastenholz mittlerweile Kunden aus allen gesellschaftlichen Schichten. Lange vorbei sind die Zeiten, in denen die zuerst von Azteken und Indigenen etwa auf Hawaii und in Neuseeland in die Haut geritzte Tribe-Zeichen ein exklusives Erkennungszeichen waren. Auch Matrosen, die sich in dunklen Hafenspelunken den Vornamen ihrer Liebsten, Anker und Meerjungfrau auf den Oberarm tätowieren ließen, sind nur noch Legende.

An einem Stand arbeiten die Tätowierer wie am Fließband

Tattoos sind heute Mainstream. Den Eindruck hat man schon mit Blick auf die Reihe von fünf Arbeitsplätzen einer Studiokette aus Euskirchen, Hürth und Erftstadt, an denen die Tätowierer wie am Fließband beschäftigt sind. Doch selbst dann gilt auch für Tätowierer Alex, der sich am Unterschenkel von Lorenzo für ein „Snoop Dog“-Bild zu schaffen macht: Die Motive werden zuerst auf die gereinigte, eventuell rasierte und desinfizierte Haut über die blaue Schablonencreme aufgetragen.

Dann folgt bei Kiara eine Schildkröte mit Sonne hinter dem linken Ohr. Es ist eine Hommage an ihre Mutter, die immer meinte, dass Kiara als Kind, wenn sie etwas wissen wollte, den Kopf wie eine Schildkröte vorgestreckt habe. Das Tattoo den Eltern zuliebe ist auch Julianas Wahl. Die Nörvenicherin hat Vater und Mutter um Daumenabdrücke gebeten, die sie abgestempelt und fotografiert hat. Andrea aus Euskirchen zeichnet konzentriert jede feine Linie nach für die Schablone. Julianes Eltern wissen um das Tattoo, das sie am linken Handgelenk tragen wird. Und vielleicht denken sie: Dass das Kind so was für uns machen lässt.