JugendspieleWald wurde für unzählige Kinder aus dem Kreis Euskirchen zum Klassenzimmer

3 min
Ein Mädchen greift in ein kreisrundes Loch einer Holzwand, andere Kinder schauen zu.

Was ist hinter der Abdeckung? Bei den Waldjugendspielen war an einer Station der Tastsinn gefragt.

Das Regionalforstamt Hocheifel – Zülpicher Börde und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald veranstalteten Waldjugendspiele.

Aufgeregt zählte Jule die Tierarten auf, die sie in der Rollenden Waldschule entdeckt hatte. „Einige Tiere kannte ich schon. Aber ich wusste nicht, dass hier im Wald auch Dachse leben“, berichtete die Zehnjährige. Mit ihrer Klasse der 4a der Schule an der Hardtburg nahm sie an den Waldjugendspielen teil, die das Regionalforstamt Hocheifel – Zülpicher Börde mit dem Kreisverband Euskirchen der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) veranstaltet hatte. „Das hat richtig Spaß gemacht, viel mehr als Matheunterricht, auch wenn man vom vielen Laufen Plattfüße bekommt“, so Klassenkameradin Mara lachend.

Rund 1200 Schüler und Schülerinnen fast aller Grundschulen im Kreis und einiger Dürener Kommunen erlebten im Hardtwald bei Euskirchen-Stotzheim die hiesige Fauna und Flora. „Vor gar nicht allzu langer Zeit haben manche Kinder auf die Frage, welche Farbe eine Kuh hat, tatsächlich mit ‚lila‘ geantwortet“, so Clemens Pick, Vorsitzender des SDW-Kreisverbands: „Diese Zeit ist zwar zum Glück vorbei, aber die Beziehung zur Natur, wie wir sie in unserer Jugend erlebt haben, hat sich dennoch stark geändert.“

An der Station von Försterin Sina Dünzer war der Tastsinn gefragt

Um dem entgegenzuwirken, waren sechs Stationen auf dem Gelände verteilt, an denen der Nachwuchs sein Wissen über den Wald und dessen Bewohner testen und ausweiten konnte. „Wir wollen den Kindern die Natur spielerisch näherbringen“, so Christoph Böltz, Leiter des Regionalforstamtes: „Bei den Kollegen der Rollenden Waldschule lernen sie die Tiere kennen. Später sammeln sie Wildfrüchte oder Blätter, um sie den passenden Pflanzen zuzuordnen.“

Einige der Kinder halten Tierpräparate in der Hand, etwa einen Igel und einen Frischling.

Die 4a der Schule an der Hardtburg war eine der vielen Klassen, die bei den  Waldjugendspielen mitmachten.

Bei Försterin Sina Dünzer stand der Tastsinn im Vordergrund. „Hinter der Abdeckung finden sich verschiedene Gegenstände, zum Beispiel ein Fell oder eine Walnuss. Man merkt schnell, welche Kinder häufiger im Wald sind und welche davor zurückschrecken, ihre Hand in die Kästen zu stecken, ohne vorher zu sehen, was sich darin befindet.“ Wer den Inhalt erfolgreich ertastet hatte, zögerte nicht, seinen Freunden davon zu berichten.

„Ich finde es sehr gut und richtig, dass solche Themen auch wieder mehr Platz im Lehrplan finden“, so Sebastian Wexel, Leiter der Grundschule Flamersheim und Vertreter des Kreisschulamtes: „Solche Tage sind eine großartige Gelegenheit, das Gelernte vor Ort zu erleben und Nachhaltigkeit, Umweltschutz, aber auch das Miteinander zu fördern.“

Die rege Beteiligung habe immer wieder gezeigt, welchen Stellenwert diese Themen einnehmen, so Pick: „Im vierten Schuljahr sind die Kinder genau im richtigen Alter, um mehr über den Wald zu erfahren. Selbst Jahre später höre ich, wie gern sich Erwachsene an diese Tage zurückerinnern. Im besten Falle gehen sie dann selbst mit ihren Familien in die Natur, um sich für sie und ihren Schutz zu sensibilisieren.“